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Google Street View - Gedanken zur Scheinheiligkeit

Wohl kaum ein Thema füllt derzeit das deutsche Sommer-Nachrichtenloch mehr, als die Diskussion um Google Street View. Die Debatte ist zumeist gekennzeichnet von Unkenntnis, Scheinheiligkeit, Neid und ein klein bisschen verlogen ist sie wohl auch. Und das liegt nicht nur am höheren Umsatz, den die traditionellen Medien mit dem Hypethema durch höhere Auflagen machen.

Nein, ich möchte hier nicht noch mal alles aufwärmen, was derzeit sowieso überall zum Thema Streetview gesagt und geschrieben wird. Ich möchte viel mehr einige Dinge anführen, die mich in der Diskussion sehr wundern. Vielleicht können wir über die nachfolgenden Kommentare ein wenig mehr Licht auf die Hintergründe werfen.


Bisher besteht die Berichterstattung ja hauptsächlich aus Vorwürfen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:


Vorwurf 1: Das geht alles viel zu schnell!
Fakt ist, dass die ersten Streetcars schon 2008 durch Deutschland gefahren sind. Darüber - und welchen Zweck sie erfüllen, wurde bereits damals von den Medien berichet. Überraschend kam das also wohl nicht. Dass es überhaupt so lange gedauert hat, bis der Dienst nun endlich live geht, lag daran, dass Google aufgrund der damaligen Bedenken erst mal alles gestoppt hatte. Den Forderungen nach Gesichts- und Kennzeichenverfremdung kam an inzwischen technisch nach. Einspruch kann man nun mittlerweile seit 2 Jahren einlegen. Vielleicht mag die Zeitspanne von einem Monate von Google zu gering gewählt worden sein, aber irgendwann muss ja mal eine Deadline gezogen werden, mit welchem Datenbestand man online geht. Einsprüche kann man übrigens auch nach der Frist noch machen.


Vorwurf 2: Einbrecher können Street View für die Planung nutzen!
Einbrecher mögen zwar oft dämlich sein, weil sie überhaupt diesem "Gewerbe" nachgehen. Aber ihre Raubzüge auf der Grundlage von z. T. veralteten Bildern zu stützen, so dämlich werden wohl nur die wenigsten sein. Geänderte Verkehrsführungen, Baustellen, Umbauten etc. würden einem auf Street View Basis geplanten Fluchtweg wohl zum unkalkulierbaren Risiko machen. Schauen neugierige Nachbarn häufig zum Fenster raus, gibt es einen Hund? All diese für die Herren Einbrecher wichtigen Infos lassen sich nicht über ein Foto auf eine Hauswand erkennen. Bei Einbrüchen gibt es prinzipiell zwei Arten: Die Beschaffungskriminalität (i. W. von Drogensüchtigen), bei der es darum geht, schnell an Geld für den nächsten Kick zu kommen. Hier geht es meist spontan und ungeplant zu. Auf der anderen Seite gibt es Banden, die genau planen und meist in Einfamilienhäuser einbrechen. Das Netzwerk dahinter verhökert dann alles, was sich zu Geld machen lässt (womöglich über ebay? Sollte das dann nicht auch verboten werden?). Die erste Gruppe agiert eher spontan, die zweite wohlgeplant. Wo sind die Rolläden über einen längeren Zeitraum unten? Alte Street View Bilder anzusehen, bringt wohl wenig. Und Kriminalexperten winken ob dieser obstrusen Theorie der Zeitungen ab. Die Zahl der Einbrüche in Regionen, wo Streetview schonverfügbar ist, sind nirgends gestiegen, teilweise gesunken.


Vorwurf 3: Durch die erhöhte Kameraposition kann man in die Gärten sehen!
Das ist nicht von der Hand zu weisen. Die Kamera hat etwa die gleiche Position wie Mitreisende in einem Bus oder ein Brummifahrer. Man sieht also nichts, was andere nicht auch sehen können. Und was mich am allermeisten wundert: Gibt es nicht mit dem Satellitenblick in Maps und anderen Diensten schon länger die Möglichkeit, direkt und viel besser in viele Gärten zu sehen - als "Komplettansicht"? Und Livebilder gibt es sowieso nicht, wie immer noch viele Deutsche glauben.



Vorwurf 4: Google, die Datenkrake, weiß jetzt noch den letzen Rest über uns!

Dieser schon länger und immer wieder gemachte Vorwurf ist an Deutlichkeit für die Abwesenheit von Sachkenntnis nicht mehr zu überbieten. Google weiß rein gar nichts über uns. Google sammelt und speichert allenfalls Bewegungsdaten von IP-Adressen und anonymen Browserprofilen. Die Medien werden nicht müde, diese ganz spezielle Angst zu schüren: Google überwacht Dich! Google weiß alles. Woher bekommt Google denn den realen Namen eines Surfers? Seine Adresse? Paranoiker behaupten immer wieder, das können man ja aus den E-Mails herausfiltern. Solche Vorstellungen beruhen auf fundierter Unkenntnis. Jeder, der auch nur im Entferntesten mit Massendatenhaltung und deren Auswertung in Berührung gekommen ist, kann sich auch hier sicherlich das Grinsen nicht verkneifen. Der normale Anwender stellt sich dies meist recht einfach vor: Was er mit Augen und Verstand erkennen kann, wäre für eine Maschine auch kein Problem. Dem ist nicht so. Außerdem wäre das ein eklatanter Verstoß gegen Datenschutzbestimmungen und geltendes Recht. Wenn es tatsächlich ginge - was nicht der Fall ist.


Im übrigen sollte man nicht außer acht lassen, dass die Tendenz zu mehr Transparenz über uns alle eine Begleiterscheinung des Internets ist. Daten über uns liegen überall im Web verstreut. Wir hinterlassen sie selber oder man hinterlässt sie über uns. Mit Google hat das nur insofern zu tun, dass man diese Dinge leichter findet. Das geht aber auch über die meisten anderen Suchmaschinen. Und: Wer möchte im Ernst ein intrasparentes Netz? Facebook weiß heute -namentlich (!)- schon meilenweit mehr über uns, als Google. Und Facebook geht mit diesen Daten bekanntlicherweise nicht zimperlich um. Da ist nur alles etwas komplizierter zu verstehen und die Gefahren sind nicht sofort ersichtlich. Aber wenn eine Plattform im Netz alles über uns weiß, dann ist das mit Sicherheit Facebook!


Vorwurf 5: Google hätte mit den Streetcars heimlich WLAN-Daten ausspioniert
Hier muss man zunächst einmal festhalten, dass Google sich praktisch selbst proaktiv deswegen angezeigt hat, nachdem man dies festgestellt hatte:
Die entsprechende Meldung findet man unter
http://googleblog.blogspot.com/2010/05/wifi-data-collection-update.html
Die Medien haben dieses Detail geflissentlich übersehen, als man Google geschlachtet hat, dass sie ja nun doch erwischt worden wären. Tatsache ist, dass einer der Programmierer eine Lücke gelassen hatte und damit auch Daten -bis dahin unbemerkt- gespeichert wurden. Fakt ist aber auch, dass dies nur bei unverschlüsselten WLANs passiert ist. Wer heute noch ein offenes, ungesichertes WLAN betreibt, macht sich übrigens im schlechtesten Fall der Beihilfe schuldig. Benutzen Wardriver (so nennt man Leute, die im Auto fahrend nach offenen WLANS suchen) den Zugang für böse Dinge, haftet zunächst der Betreiber des WLANs. Dass hier die Qualitätskontrolle versagt hat, muss sich Google allerdings zum Vorwurf machen lassen. Die Daten sind aber nach wie vor sicher und wurden zur Einsicht für die Behörden abgesondert. Ein Missbrauch fand somit nicht statt.


Vorwurf 6: Einsprüche könne man nicht telefonisch machen
Hallo? Wie soll denn das bitte organisiert werden? Bei dem Medienrummel wären sicherlich tausende von Anrufen pro Tag bei Google eingegangen. Dass man die Webeite für das Onlineformular nicht stabil ans Netz bekommen hat, verwundert natürlich schon ein wenig. Denn Serverkapazitäten hat Google wohl mehr als genug. Als "Strafe" dafür wird man wahrscheinlich jetzt ein erhöhtes Aufkommen an Briefen haben. Aber der Ruf nach einer "Hotline" wirkt wohl eher wie das Suchen nach vermeintlichen Schwachstellen, die man Google medienwirksam um die Ohren hauen kann. Praktikabel erscheint die Forderung nicht.


Nachtrag: Soeben (6.10.2010) lese ich in der NN, dass die Berliner Meldebehörden jedes Jahr auf Anfrage 1,5 Mio Adressen herausgeben und damit 3,3 Mio. € einnehmen. Ob die kaufenden Firmen die Daten mit Gewinn weiterverkaufen, wisse man nicht, teilt eine Sprecherin mit. Scheinheilig oder?


Was meint Ihr? Ist Streetview böse? Überwiegen die Nachteile oder bauschen die Medien das im Sommerloch zu einem gigantischen "Musst Du Angst haben!"-Thema auf? Ist was dran?


Ich freuen mich auf Eure Meinungen!

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Geschrieben von am 31.08.2010
Kategorie: Aktuell



Kommentare & Anmerkungen

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Kommentare

1 | Kai schreibt am 31.08.10 20:32:

Einfach lächerlich was da in den Massenmedien berichtet wurde.
Ich Frage mich bei soviel falschen Fakten und desinformation nur ob die das wissentlich bringen oder wirklich kein Plan haben!

2 | Florian schreibt am 31.08.10 20:35:

ich kann diese dauernden Diskussionen auch nicht mehr hören. Über Sightwalk redet keiner... kennt ja auch kaum jemand.

Die Frage ist ja wie das Thema so hochgepuscht werden konnte. Ob da nicht die Medien gewaltig ihre Finger im Spiel haben, die ja mit Googles Verhalten im Bereich Nachrichten ja nicht wirklich zufrieden sind.... ich würde denen schon zutrauen sich auf diese Art rächen zu wollen.

Die Politiker wären doch ohne diese Presse-Aufmerksamkeit niemals auf das Thema gestoßen.

BTW: kann man ein verpixeltes Haus wenn man es später kauft auch wieder entpixeln lassen?

3 | Andreas schreibt am 31.08.10 21:13:

Mario du hast wie immer absolut recht. Auch ich hab mich gewundert wieso diese Debatte auf einmal wieder da ist wo die Sau doch schonmal durchs Dorf getrieben wurde. Aber angesichts der Tatsache das Google wissen muste mit welcher Reaktion in Deutschland zu rechnen ist kann man die PR Abteilung auf eine Stufe mit dem IQ der Einbrecher stellen! Wie kann man so blöd sein so ein Thema ins Sommerloch zu packen? #kopfschütel Angie und die bösen Räuber haben uns fast unbemerkt während der WM die Krankenkassen Beiträge erhöht... da ist noch Optimierungsbedarf Tante Google

4 | Thomas schreibt am 31.08.10 23:12:

Ist doch ein ganz einfaches Prinzip was da von den Medien angewandt wird, ein Thema suchen von dem der Großteil der Bevölkerung keine Ahnung hat, unbegründet Panik machen, teilweise noch Fehlinformationen in Umlauf bringen die gut klingen und schon hat man die Absatzzahlen nach oben gedrückt.

Die lautesten Schreihälse haben zwar keinen blassen Schimmer von Google Street View, aber Gott sei Dank gibt es die Bild, die einem alles seriös erklärt.

Was ich viel beunruhigender finde ist die Tatsache, dass Google wieder mal an den Pranger gestellt wird und das über einen längeren Zeitraum. Der neue Personalausweis, der vom CCC als unsicher enttarnt wurde, findet jedoch kaum Beachtung in den Medien bzw. nicht genug, da dieser im Gegensatz zu Google wirklich dazu führen kann, dass sensible Daten Fremden zugänglich gemacht werden.

Hallo Prof. Fischer!

Sie haben Recht mit dem Punkt "Sommerlochfüller".

Ich selbst sehe das Thema Street View übrigens nicht brisanter als den Ganzkörperscanner. Ein Eingriff in meine Privatsphäre - vielleicht, eine Bedrohung für mein Leben (überspitzt) - wohl kaum.

Schaue ich mir die nicht ganz so computeraffinen Menschen an, dann kann ich deren gepushte Aufregung jedoch verstehen. RTL und Konsorten klingeln bei Leuten an der Haustür und erzählen etwas von Google Home View, dem neuen Dienst, der jetzt auch die Wohnzimmer filmt. Das ganze natürlich zeitnah per Massenmedium ausgestrahlt.

Insofern also kein Wunder, dass für viele der Eindruck aufkommt, es handele sich hier um einen Rund-um-die-Uhr-jeder-kann-immer-und-überall-sehen-was-ich-tue-Dienst. Von den meisten Medien kann man langweilig-objektive Berichterstattung ja auch nicht erwarten - die würden bei all der Seriosität auch pleite gehen.

Aber keine Sorge: Irgendwann beginnt bestimmt die nächste Staffel vom "Top(f)model" oder "Unser Star für Bohlen", dann ist das Sommerloch und dessen Themenangebot auch wieder dort verschwunden, wo es hingehört.

6 | Matthias schreibt am 1.09.10 8:58:

"Und Livebilder gibt es sowieso nicht, wie immer noch viele Deutsche glauben."

Daran musste ich neulich auch denken als ich den Artikel im Stern von letzter Woche gelesen habe, in dem Google unterstellt wird Bilder "in Echtzeit" ins Internet zu bringen.

Das ist natürlich Blödsinn aber genau damit wird die Angst in der Bevölkerung geschürt.

Die sechs Einwände auf die Vorwürfe sind alle richtig, aber das ist noch lange kein Grund, StreetView die Absolution zu erteilen. Weil andere Vorwürfe einfach nicht erwähnt werden.

Nur ein Beispiel: alle, auch Mario Fischer, betonen gebetsmühlenartig "Die Kamera hat etwa die gleiche Position wie Mitreisende in einem Bus oder ein Brummifahrer. Man sieht also nichts, was andere nicht auch sehen können" das ist aber nicht der Punkt. Es geht nicht darum, daß jeder andere auch das sehen könnte, was die Google-Kameras sahen. Es geht um die Aggregation all dieser Einzelbilder durch Google. Ein Datum, ein Foto alleine ist datenschutzrechtlich völlig unbedenklich. Erst durch die Masse wird es inakzeptabel.

Leider bildet die aktuelle deutsche Gesetzeslage dieses schlicht nicht ab. Die Gesetzgebung hinkt den technischen Möglichkeiten der IT-Industrie, und des Internet, Lichtjahre hinterher. Bleibt zu hoffen, daß das sich das bald ändert. Google StreetView, und natürlich auch die einzelnen Fotos, die auf Google Maps verlinkt sind, gehören schlicht und einfach verboten.

@Andreas: Naja, so drastisch würde ich das nicht sehen. Schließlich ist ja seit 2 Jahren bekannt, dass Street View kommt und der Start wurde seither durch Diskussionen um den Datenschutz immer wieder verschoben. Insofern musste ja irgendwann mal ein Zeitpunkt festgelegt werden. Da man wie gesagt auch schon seit 2 Jahren Einsprüche entgegen nimmt, dachte man wahrscheinlich, dass D sich nun über den Start freut. Schließlich ist D das Land, das noch kein eigenes Street View hat und diesen Dienst am meisten weltweit nutzt (wie gesagt, von den Ländern, die selbst noch nicht in SV sind). Das Interesse hier scheint also weltweit am höchsten zu sein. Dass sich nun die Zeitungen und Medien wie die Bluthunde auf diese eigentlich alte und schon gegessene Story gestürzt haben, war wohl so nicht absehbar.

Das konnten wir aber in der Vergangenheit schon öfter beobachten. Es reicht eine (falsche oder unsauber recherchierte) Pressemeldung, die über die dpa kommt, und die Medien überbieten sich in Sensationsmache. Was tatsächlich Sache ist, interessiert dort niemand. Einerseits ist das verständlich, weil es die Auflage und Zuschauerzahlen (und damit die Werbeeinnahmen) in die Höhe treibt, aber andererseits hat man wohl vielerorts seinen Auftrag vergessen und recherchiert schon lange nicht mehr sauber. Die Journalisten googlen ein wenig und da überall der selbe Mist steht, wird es schon stimmen. Die enorme Macht wird leider immer mehr missbraucht, um Auflage zu machen. Der immer so hoch gehaltene Journalismus bleibt leider meiner Ansicht nach allzu oft auf der Strecke...

Etwas Witziges ist mir aufgefallen - wobei das Einzelbeobachtungen uind mich interessieren würde, ob Ihr das auch so beobachtet habt: In den Zeitungen, wo Google große Anzeigen zur Aufklärung geschalten hat, war die Kritik an Street View recht schnell eine andere. Artikel dazu waren plötzlich gar nicht mehr sooo böse und man klärte die Leser sogar auf, dass es keinen Liveblick in die Gärten gäbe, die Bilder teils 2 Jahre alt sind und es eh fraglich wäre, ob Bilder von Häusern unter schützenswerte Daten fallen... Vor den großeflächigen Anzeigen war der Tenor noch ein ganz anderer. Die Regionalzeitungen haben davon (Anzeigenkuchen) nix abbekommen und schießen nach wie vor - hier in Nürnberg fast täglich. Gestern hieß es, dass sich einige "ganz enthusiastisch" darauf freuen, "Strassen, Fassaden, Geschäfte und Gartenzäune auf ihren Bildschirmen zu betrachten". Jaja, mit (beeinflussenden) Worten können Journalisten gut umgehen. Sie wissen, wie man Meinungsmache gut verpackt und versteckt...

Übrigens: Die PR legt sicherlich keine Startzeitpunkte für Googledienste fest. Die müssen es allerdings ausbaden ;-)

9 | René schreibt am 1.09.10 9:54:

Leute, die sich über Google Street View aufregen, sich selbst ablichten lassen oder nicht raffen, das andere Unternehmen bereits ebenfalls solche Möglichkeiten bieten / haben und es Satelliten gibt, die bis auf's Nummernschild reinzoomen können … gehen mir persönlich auf den Zeiger.

Ich verstehe das Problem als solches einfach nicht … die Leute wollen zwar gern ihr Urlaubsziel bis ins letzte Detail vorab sichten aber bei sich selbst hört der "Wunsch an Detailtreue" auf einmal auf.

Die Medien sollten sich lieber um das Thema Netzneutralität kümmern aber das ist zu anspruchsvoll, übersteigt den Horizont der Stammtisch-Parolen-Senioren und ist somit nicht massenkompatibel … aber hinterher wieder rumheulen, wenn es dann doch durch ist.

Der Mensch als Individuum ist einfach nur ein dummes Herdentier, fehlgeleitet durch eingeschränkte Sichtweisen, die er selbst konsumiert, verbunden mit der Obsession sich selbst ganz wichtig nehmen zu müssen.

In diesem Sinne, Happy (Public) Street Viewing ;-)

Endlich räumt mal einer den Medienmüll weg. Alle hacken auf Street View rum, nämlich genau die jenigen, die sich später ihre neue Wohnumgebung in der neuen Stadt via Street View ansehen und sich dann bei der Verwandtschaft auf der Geburtstagsfeier rühmen: "Weiß Ihr wisst wohl nicht wo Ihr hinzieht? Ich habe mir alles schon mit Google mir angesehen." - aber heute schimpfen und große Einsprüche schreiben. Es ist wohl richtig, dass Google auf diese Weise neue Möglichkeit bekommt, weitere Daten und Profile zu erstellen, aber dafür bekommt man ja wohl auch eine nicht geringe Gegenleistung. Zudem ist es richtig, viele nicht internetaffine Menschen Denken und haben mir auch schon mitgeteilt, dass Google eben alles weiß, man muss sogar vor dem Bankkonto Angst haben. Deswegen sucht man lieber mit Suchmaschinen wie http://de.forestle.org/ und rettet gleichzeitig den Regenwald. Meine Gegenfrage war dann: "Auf diese Weise können wir den Regenwald nicht schaffen." - das hat man dann wiederum nicht verstanden, war ja auch auf das Suchvolumen dieser Suchmaschine bezogen. Aber egal, ich hatte ja bereits bei der SEMSEO 2010 in die Runde die Frage gestellt, wie oder besser warum Google nicht versucht, sein negatives Image diesbezüglich aufzubessern.

11 | Thomas schreibt am 1.09.10 10:33:

@Andreas
Ich halte den Zeitpunkt der Debatte nicht für falsch gewählt. Ja, es ist bereits seit zwei Jahren in Vorbereitung. Damals hat die Politik das ganze noch abgebügelt, auf die Art: "Es sind ja noch lange bis 2010. Da müssen wir uns jetzt noch nicht kümmern."
Nun kündigt es Google ein halbes Jahr vor Start erneut an, damit auch wirklich jeder genug Zeit hat, Einspruch einzulegen. Ich halte das für einen sehr fairen und offenen Umgang mit der Bevölkerung.
Was hätte Google denn anders machen sollen?

Kurios: Es gibt bereits eine Art "Präzedenzfall": Die Bollmann-Bilderkarten. Hier wurden zur Erstellung von speziellen Landkarten von jeder Stadt durchschnittlich 20.000 Fotos gemacht - auch von Häuserfassaden.
Hier der entsprechende Artikel (Welt Online): http://bit.ly/dwsFYO

12 | mOIsel schreibt am 1.09.10 11:30:

Hallo Mario,

ich finde streetview aus Datenschutzrechlicher auch nicht so spannend, nur finde ich wird damit ein Schritt in Richtung Netzverstopfung durch Google gegangen, was dem Rütteln an der Netzneutralität mit dem von den Providern altbekannten Argument angegangen wird. Ich stimme Dir zu den Beweggründen der Medien für diese Kampagne zu, nur finde ich träfe es sich doch recht gut, ließe sich zunehmender Datenmüll dadurch etwas einschränken. Hier ist doch der Mangelnde Weitblick der Medien sogar zuträglich, da das Thema Netzneutralität den meisten ja ohnehin zu trocken ist, und somit keine Lobby in den Medien hat. Sozusagen ist die Antistreetviewkampagne ein Eigentor der mainstream Medien, welches aber leider keine wirkliche Wirkung hat. Streetview ist doch nun wirklich nicht der Dienst auf den die Menschheit gewartet hat, um das Internet zu einem besseren Medium zu machen. Schön aufbereiteter Datenmüll eben, von dem Dienstanbieter, der sich ja vermeintlich durch die Netzanbieter "dazu gezwungen sieht" an der Netzneutralität rumzufummeln. Eine Entwicklung die sich sehr gut für Zensoren und Kapitalkräftige Marktführer macht, jedoch nicht für unkontrollierte Blogger und startups. Ich finde alle sollten so einen widerspruch einlegen, überall auf der Welt, auch gegen _sightwalk. Aber wegen des konsumgeilen Lochfraßes in unseren Köpfen sind die Diskussionen um so etwas, und das was da noch kommen mag, auf die Themen beschränkt, die uns von Meinungsmachern vorgedacht werden. Aus PR-Sicht ist es doch gar kein schlechter Zeitpunkt Telekomgespräche mit einer hohlen unsachlichen streetview Debatte zu übertünschen.

13 | Torsten schreibt am 1.09.10 12:22:

In Sachen WLAN-Scanning möchte ich allerdings nicht von einer Selbstanzeige reden. So hat Heise.de (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Datenschuetzer-Street-View-Autos-scannen-private-Funknetze-Update-984118.html) die Reihen folge eher so beschreiben:
Europäische Datenschutzbehörde warnt Peter Schaar, Google hat daraufhin (!) zugegeben, die Daten gescannt zu haben.

Aber im Übrigen stimme ich mit Dir überein.

@Torsten: Bleibt fraglich, woher die Behörde die Info hatte, aber da recherchiere ich noch mal nach!

Putzig übrigens: Eine Standortbestimmung per WLAN wurde schon 2008 in Nürnberg gemacht. Beteiligt waren u. a. das Fraunhofer Institut, T-Systems und die VAG. Da hat sich damals kein Mensch darüber aufgeregt. Im Gegenteil das die Presse als tolle Idee bzw. Innovation aufgenommen.

http://www.iis.fraunhofer.de/pr/Presse/Presseinformationen_2008/WLAN_Testumgebung.jsp

15 | Hans-Peter Bauer schreibt am 1.09.10 12:47:

Google-Street-View kam ungefähr so überraschend wie Weihnachten. Die Story:

2004 kaufte Google das komplette Satelliten-Aufnahmen-Positionssystem von einem US-Anbieter, dem zuvor (2003) die Kooperation mit den führenden GPS-Geräte-Herstellern nicht so richtig gelang. Schon damals konnte man auf Häuser und Gärten blicken, lediglich das Auffinden der Zieladresse war nicht einfach und erforderte entweder akribische virtuelle Suche, oder das Wissen um die GEO-Koordinaten, was ja i.d.R. nicht vorhanden ist.

Erst die von Google getriebene Kombination mit den Straßenkarten der Anbieter NavTeq und TeleAtlas brachte als Google Maps den Durchbruch, denn so bestand erstmalig die Möglichkeit nach Adressen zu suchen und umgekehrt die Straßennamen aus den Ansichten auszulesen und mit den POIs der Kartenhersteller oder später den Traffic-Infos etc. zu kombinieren.

Schon 2005 begann Google mit 3-D-Darstellungen amerikanischer Städte und startete die Street-View-Aufnahmen in USA 2006. Wenig später fotografierte man in Europa und während die ersten USA-Street-View-Ergebnisse schon im Netz standen, starteten 2008 die Google-Kamera-Autos in Deutschland mit nur kurz aufflackerndem Interesse.

Die angeblichen Probleme in puncto Ausspähung von Grundstücken sind also hochkomfortabel seit ca. 5 Jahren möglich. Wobei die Draufsicht auch einen Blick hinter die Häuser und all das zeigt, was einem Street-View- oder Passanten-Blick von der Straße aus verborgen bleibt. Das wäre ja eigentlich die Ideallösung für kriminelle Zeitgenossen. Und damit war es auch bisher möglich sich über eine Adresse zu informieren und das in einem Sozialbau untergebrachte „Großunternehmen“ fliegt genau so auf, wie das ruhige Hotel in Strandlage – wenn die Angaben nicht stimmten.

So what? Jetzt erlaubt man einen zusätzlichen Blick auf eine Hausfassade, die vor ihrer Errichtung von Baubehörden auf Umgebungstauglichkeit geprüft und genehmigt wurde und die jeder einsehen kann, wie die Postkarte, die uns seit Erfindung der Fotografie begleitet. Und dann gibt es mit Sightwalk mindestens einen weiteren rein deutschen Anbieter, der den Blick auf oder in unsere Monopolen erlaubt und der – wie Google es überall macht – Gesichter von Menschen und Autonummern unkenntlich gemacht hat. Was ist daran verwerflich oder gefährlich?

Ich halte das für ein Politgeränke im Sommerloch und Umfragetief, das blinden Aktivismus erzeugt, denn nicht einmal die Franzosen, unsere streitbaren und nationalverliebten Nachbarn, habe da ein ähnliches Problembewusstsein gegenüber dem USA-Unternehmen entwickelt. Warum auch?

Dass Google eine ganze Reihe von datenrechtlich relevanten Sammlungen macht, ist zweifellos richtig, z.B. Google-Mail, der Chrome-Browser oder die gerne runtergeladene Google-Suchzeile. Das erfordert jedoch das Studium von mehrseitiger fachtechnisch-juristischer AGB- oder Produktbeschreibungs-Prosa und wer macht das schon gerne, sich einem geschmeidigen Protest anschließen ist da viel bequemer, da haben andere schon vorgedacht.

16 | PeterG schreibt am 1.09.10 12:58:

Absolute Panikmache ... wird Zeit für eine neue Schweinegrippe damit mal wieder etwas Neues auf die Titelseiten kommt. Vor ein paar Tagen las ich in einem Artikel daß das Finanzamt darauf zugreifen kann um Häuser mit Pool mit den Einkünften der Eigentümer abgleichen kann ...

17 | Claudio schreibt am 1.09.10 13:04:

Es macht mich nachdenklich, wie unkritisch die Presse solche Dinge bringt. Wenn die das bei anderen Themen, über die man eben nicht so gut bescheid weiß auch machen, dann danke schön. Normalerweise glaubt man ja, was gedruckt wurde.

@PeterG:
Das war in Griechenland. Dort müssen Swimmingpools offenbar extra versteuert bzw. beim Finanzamt angegeben werden. Die Finanzbeamten können das nun über Satellitenbilder nachprüfen. Das hat aber nix mit Street View zu tun, sondern geht über Maps bzw. Earth und schon seit langem. Fraglich ist, wie man das bewertet. Wenn sich Steuerhinterzieher beschweren, dass ihr Betrug jetzt im Web sichtbar wird... da hat man wohl nur bedingt Mitleid.

Aber schönes Beispiel. Denn die Medien haben das unter der Flagge Street View gebracht um Angst vor der Überwachung zu schüren... :-)

Man muss ich auch fragen, die die Finanzbeamten hier vorgehen wollen. Alle Häuser auf Pools von oben durchsuchen und manuell die Adressen mit den gemeldeten Pools abgleichen? Denn die Adressen der "Nicht-Melder" haben sie ja gar nicht. Sie müssten theoretisch also ganz Griechenland von oben abspechten. Halte ich für überzogen.

19 | Andre schreibt am 1.09.10 13:13:

Im Sommerloch durfte jeder Ahnungslose mal richtig losschreien. Ob es die Rentner waren, die sich dann im TV oder der Zeitung mit vollem Namen vor ihrem Haus haben ablichten lassen oder Z-Prominente, die nicht beim Nacktbaden im Garten "gefilmt" werden wollen.

Den Vogel hat für mich der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft abgeschossen, der in der FAZ kundtat: "Es ist rechtlich unklar, ob eine virtuelle Streifenfahrt möglich ist." Mehr Inkompetenz ist schon fast nicht möglich. Die einseitige Berichterstattung erledigte den Rest.

Einigen Politikern kam das Thema gerade recht. So konnten weitere unangenehme Diskussionen zum Sparkurs unterbunden werden. Heute ist das Haushaltsbegleitgesetz fast unbemerkt durchgewunken worden.

Die üblichen Lautsprecher aus dem Bundestag ließen verkünden, dass sie ihre Privathäuser auf jeden Fall verpixeln lassen und zeigten damit nur, dass sie keine rechtliche Handhabe gegen Streetview haben. Irgendjemand hatte ja noch die Idee mit der OptIn-Lösung. Dazu fällt mir aber gar nichts mehr ein.

Ich finde es in Ordnung, dass die Möglichkeit besteht, sein Haus in Streetview zu verfremden. Wer es möchte, soll es tun. Allerdings hatte man zwischenzeitlich das Gefühl, das mit Streetview die Anarchie in Deutschland ausbricht. Das man einen Großteil bereits mit Maps (besser) sieht, scheint dabei Niemand zu interessieren.

Das Thema elektrisiert – unabhängig, ob es von den Medien im Sommerloch hochgespielt wurde oder nicht. Und dass es auch die Leute draußen beschäftigt, zeigt ein kurzer Blick zu Google-Trends: Seit August sind die Suchanfragen nach "Street View" in Deutschland explodiert.

Auch ich habe erst dann begonnen, mich ernsthaft mit dem Thema auseinander zu setzen - und angefangen, die lustigsten Bilder aus Street View auf einer Spass-Seite zu sammeln und zu kommentieren.

Was mir dabei aufgefallen ist: Tatsächlich reagiert Google auf den "Problem melden"-Link und entfernt anstößige Bilder aus Street View. Aber das bringt eigentlich wenig: Irgendwer hat bereits einen Screenshot gemacht und das "gelöschte" Bild führt von nun an ein ewiges, weiterkopiertes Leben im Internet. Und das ist tatsächlich ein Punkt, den ich für bedenklich halte.

Alle anderen Kritikpunkte hat es mehr oder minder heftig auch in den anderen Ländern gegeben, in denen Street View eingeführt wurde. Doch weder wurde eine gesteigerte Kriminalitätsrate festgestellt, noch fühlt sich die Mehrheit der Menschen von Voyeuren verfolgt – da kann ein falsch eingestellter (offener) Facebook-Account viel mehr anrichten.

@Mario:
Wie die Finanzbeamten mit solchen Möglichkeiten umgehen wird sich zeigen. Allerdings gibt´s bei der richtigen Provision sicher überall Übereifrige, die dann mit dem Absuchen der Karten in ihrem Umkreis anfangen. Ist in Deutschland ja nicht anders.

22 | Hans-Peter Bauer schreibt am 1.09.10 14:40:

Es wäre sicher kein Problem ein Programm zu schreiben, das eine Region via Google-, TeleAtlas- oder NavTeq-Maps nach Pools absucht, diese georeferenziert und Adressen zuordnet.

Aber was hat das bitte mit StreetView in Deutschland zu tun?

23 | SEOwoman schreibt am 1.09.10 15:08:

Das mit den Zeitungen ist mir so nicht aufgefallen, aber ist interessant. Bei Tests für z.B. Digitalkameras ist es ja auch so: zahlen die Hersteller werden die entsprechenden Produkte viel besser hervorgehoben und die Tests werden auf die Vorteile dieser Artikel speziell abgestimmt. Würde mich also gar nicht wundern, denn vielleicht hatte Google bisher aus Sicht der Zeitungen für "nicht genug" Umsatz gesorgt. Wenn jetzt die Kassen klingeln, kann ich mir eine "Meinungsänderung" ziemlich gut vorstellen.

Klar kann man so ein Programm schreiben. Aber wir sprechen hier über griechische Finanzbeamten... ;-)

Und richtig: Mit SV in D hat das gar nichts zu tun. Die Medien haben das im Zusammenhang mit SV und dem "gläsernen" Menschen ausgegraben. Vermutlich hat man bei ein paar verdächtigen Steuerzahlern vereinzelt per Sat-Bild den einen oder andern Pool gefunden und das dann entspr. aufgebauscht. Das Finanzamt lässt ja auch Briefe abfangen und öffnen, wenn man in der Schweiz vor einer großen Bank geparkt hat... Da ist die Kontrolle aus derLuft noch die harmlosere Variante ;-)

Ja ich finde auch dass das Thema sehr hochgepushed wird.

Am meisten jedoch von den Steetview Befürwortern. Irgendwie muss im Netz immer alles möglich sein. Doch es darf keiner mal kommen und Bedenken äußern. So langsam wird mir das auch zuviel. Es muss doch möglich sein, auch mal Bedenken zu äußern ohne dass man gleich als Fortschrittsgegner oder als Zensurdingens tituliert wird.

26 | Hans-Peter Bauer schreibt am 1.09.10 16:03:

Das Problem, Frau Werneburg, liegt eigentlich an den Informationen. Selbige gibt es im Überfluss und es liegt an uns selbst die relevanten und verständlichen Informationen zu lesen und wenn noch Fragen offen bleiben, nachzuhaken.

Viel bequemer ist es auf einen Protestzug aufzuspringen, so nach dem Motto: irgendetwas wird schon dran sein - Hauptsache ich bin dabei.

Ich erlebe immer wieder, dass vermeintlich umsichtige Menschen genau in die Fallen treten, die sie eigentlich umgehen wollten. Man meldet sich z.B. in allen Social Networks an, plaudert intimste Dinge aus und stellt dann fest: Es sind ja noch andere da und genau die, die man gar nicht wollte. Nur gibt's dann praktisch kein Zurück mehr. Das echte Datenproblem sitzt eher vor Bildschirm und Tastatur und ist in eigener Sache aktiv.

Wo sehen Sie denn ganz konkret die Gefahr von Google Street View?

27 | Cleo schreibt am 1.09.10 16:23:

ich stimme allen argumenten zu. bei einigen der oft genannten vorwürfen war mir selber noch nicht so klar, wie gut sie tatsächlich zu widerlegen sind.
stutzig machen mich allerdings die hervorragenden kenntnisse von herrn fischer in sachen einbruchsdelikten ;-)

@Eberhard Blocher:
Ich denken nicht, dass ein "Datum" datenschutzrechtlich bedenklich ist, aber die Masse nicht. Wenn ein "Datum" dem Datenschutz unterliegt, ist es zu schützen. Punkt. Man darf nicht einmal eine einzelne Kundenadresse ohne Zustimmung speichern. Ob es eine oder eine Mio. sind, ist rechtlich gesehen völlig egal.

Damit kommen wir wieder zu der Debatte, ob das Foto einer Hausfassade unter den Datenschutz fällt. Die meisten Juristen verneinen dies. Sie schreiben, dass die Gesetzgebung dem schnellen Fortschritt im Internet hinterher läuft. Das dürfte zweifelsohne richtig sein. Das Internet verändert die Gesellschaft aber natürlich auch nachhaltig. Wenn man diese Veränderungen ständig mit dem ewig gestrigen Auge sieht, kommt freilich dauernd der Ruf nach schärferen Gesetzen hoch - und Polikiter nutzen diese Strömungen, um sich ohne Sachkenntnis wählerwirksam an die Spitze der Bewegung schieben zu lassen. Es ist halt heute nun mal so, dass viele Dinge im Internet transparent sind. Das erleichert nat. auch das Arbeiten. Wer ungefunden und intrasparent bleiben möchte, sollte nicht mit seinem echten Namen im Netz agieren und der Preisgabe seiner Adresse via Telefonanschluss widersprechen.

Dass ein Verbot von Bildern oder zusammengefügten Bildern in die moderne Zeit passt, glaube ich daher nicht. Vielmehr müsste man die Einspruchsrechte gernerell stärken. Bei Street View ist das sehr gut und freiwillig gelöst. Da fallen mir auf Anhieb zehn Plattformen ein, bei denen man nichts löschen kann - auch das nicht, das Dritte über einen dort eingestellt haben...

@Frau Werneburg.
Klar kann man dagegen etwas sagen, das ist doch gar nicht das Thema?! Es ging doch darum, dass viele Menschen über die Medien falsch informiert werden. Und teilweise mit voller Absicht (Auflage) Angst generiert wird. Die Politik hatte 2 Jahre Zeit, sich zu überlegen, ob das nun geht oder nicht. Plötzlich wird hektisch eine akt. Stunde im Bundestag anberaumt. Dinge wie Street View werden wohl immer kontrovers diskutiert werden - das ist auch gut so. Zum Meinungsaustausch gehört aber Sachkenntnis und ein sich-vorher-informieren. Das fehlt aber in der Mediendiskussion noch.

"Schein ist wichtiger als Sein"

Hallo Prof Fischer,

neben dem Sommerloch liegt es vor allem an Punkt 4, den Sie angesprochen haben. Die Wahrnehmung Google gegenüber hat sich speziell bei Menschen, die sich eher oberflächlich für das Thema interessieren einfach in der letzten Zeit stark verändert.

Lange Zeit symbolisierte Microsoft den Buhmann für alles Schlechte in der Informationstechnologie. Aufgrund der wahrgenommenen Macht, Größe und Kapitalisierung von Google hat man sich nun ein neues Feindbild auserkoren, das es zu bedienen gilt.

Ich glaube, daß Gleiche wird auch in absehbarer Zeit mit Apple passieren. Vielleicht ist die Entwicklung auch schon längst so weit - siehe Beispiel Antenna-Gate. Absurd aber verständlich.

All das erinnert mich immer wieder an die großartige Szene aus dem Film " Das Leben des Brian" in dem sich die Mitglieder der Judäischen Volksfront, oder war es die Volksfront Judäa, in einer konspirativen Wohnung treffen und Aktionen gegen die Römer beraten.

Anführer: "Alles haben uns die Römer genommen..Alles... Und ...was haben uns die Römer gebracht?"

Mitverschwörer: "Den Aquädukt"
Anderer Mitverschörer: "Und die sanitären Einrichtungen."
Anderer Mitverschörer: "Und die Straßen.."
Anderer Mitverschörer: "Und den Wein.."
usw. usw... http://www.youtube.com/watch?v=BbOedZN3Sb4&p

Gott, das Geschrei möchte ich hören, wenn Google der Saft abgedreht würde.

@Cleo:
Das liegt daran, dass ich mich in der Regel vorher informiere, bevor ich das ablästern anfange ;-)

32 | Roby schreibt am 1.09.10 21:11:

Hallo Mario,

ich denke mit Google Streetview haben die Medien wieder mal ein Thema entdeckt, welches in die Kategorie David (die Medien selbst als Vertreter für Deutschland) gegen Goliath (Google) passt. Die Medien (besonders TV) sind sowieso Meinungsbildner für den Großteil der deutschen Bevölkerung. Die Menschen werden Manipuliert und merken es nicht einmal. Natürlich kann man nicht alle Medien und Menschen über einen Kamm scheren, aber für den Großteil trifft das zu. Noch dazu kommt, dass den Menschen diese Geschichten am besten gefallen, in denen gegen irgendjemand gehetzt wird der übermächtig erscheint. Aber das war schon immer so – denn warum sonst lesen so viele Menschen die Bild?!

Google Streetview wirkt im Gegensatz zu der Meinungsbildenden Medien eher harmlos. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass wir eher vor den Medien (mit Ihrer Manipulativen Macht) Angst haben müssen, als vor Google. Obwohl Google selbst auch eine Machvolle Position innehält und auch weiter ausbaut. Aber das jetzt hier zu diskutieren würde zu weit vom Thema abschweifen und den Rahmen sprengen.

Für mich selbst ist das Thema Google Steetview eigentlich schon längst klar und ich finde es ist eine nützliche Sache. Google räumte im Vorfeld genügend Möglichkeiten ein, Einspruch zu erheben. Es gibt dort nichts zu sehen, was man nicht selbst sehen könnte, wenn man sich an diesem Ort befinden würde. Sofern man keine dunklen Geheimnisse vor der Haustür :-) zu verbergen hat, sollte einem Streetview keine Angst machen. Und wenn es doch so sein sollte, so kann man sich ja immer noch bei Google melden und eine Verpixelung anfordern ;-). Bei den Satellitenbildern von Google Maps hat sich ja auch kaum einer aufgeregt, obwohl man ja eigentlich sogar mehr sieht, nur halt von oben. Hier kann ich sogar wirklich über den Zaun meines Nachbarn schauen, auch wenn er 10 Meter hoch wäre. Auch Kriminelle würden bestimmt eher zu Google Maps greifen als zu Streetview, da man hier wirklich schwer einsehbare Stellen von oben sehen kann. Eigentlich müsste man sogar den ganzen Atlas verbieten :-)

Um nochmal kurz auf die Medien sprechen zu kommen, die so eine große Panikmache aus dem Thema Google Streetview machen. Es gibt wichtigere und nötigere zu publizierende Themen, die den Bürgern näher gebracht werden sollten, aber davon lassen viele Medien einfach ab – vielleicht weil die Themen zu heiß sind, oder den Partnern, Geldgebern oder sonst wem nicht passen könnten.

Zum Abschluss noch folgendes Zitat von Wilhelm Busch welches den Ausgang der Geschichte beschreibt ;-)

“Die Welt ist wie Brei, Zieht mal den Löffel heraus, und wär´s der größte, gleich klappt die Geschichte wieder zusammen, als ob gar nichts passiert wäre.“

Ergänzung @Mario Fischer: rechtlich gesehen haben Sie völlig recht, daß eine Unterscheidung zwischen einem einzelnen "Datum" und einer Masse von "Daten" schwer zu treffen ist. Aber von diesem althergebrachten Rechtsverständnis muß man sich lösen, wenn man StreetView, und GoogleMaps, gerecht werden will. Stichwort "Data Mining".

Wir debattieren dieses Thema übrigens auch, angestoßen von diesem Artikel hier auf website-boosting.de, derzeit auf hohem Niveau in der Gruppe "Internet und Recht" auf XING.

https://www.xing.com/net/pri1e91b1x/internetundrecht/online-recht-electronic-commerce-414/rechtsfortbildung-dank-google-streetview-32193926/p0

34 | Hans-Peter Bauer schreibt am 2.09.10 11:22:

Darf ich noch zwei Geheimtipps für neue Proteststürme nachlegen?

1. Panovis, ein mit deutschen Steuergeldern subventioniertes Technologie-Projekt und Gegenpol zur aktuellen Polit-Kakophonie: http://www.silicon.de/mittelstand/0,39038986,41527427,00/besser+als+street+view+uni+bremen+hat+projekt+_panovis.htm

2. Der „Nachzügler“ Microsoft, der sich langsam auf die Überholspur macht: http://www.ted.com/talks/blaise_aguera.html

. . . nur, damit nicht alle Kraft in der Google-Schelte verbraucht wird.

35 | Andreas schreibt am 2.09.10 12:00:

Hallo Mario,

schön nach längerer Zeit mal wieder was neues hier im Blog zu lesen ;-)

Gut wiederlegt ist vor allem meiner Meinung nach der Punkt 3.

Ansonsten ist zum Thema Scheinheiligkeit (von Medien und auch der Politik) sehr gut aufgegriffen. Ich habe mir vor allem nach dem letzte Stern Titel (Big Brother Google ...) auch mal Gedanken in meinem Blog gemacht http://www.marketing-kuhn.de/blog/allgemein/deutsche-medien-und-die-aktuelle-google-hysterie/

Zu deiner Abschlussfrage: Ich glaube nicht, dass StreetView böse ist - ich glaube, dass es ganz einfach ein Teil der Weiterentwicklung ist. Man kann jede Neuentwicklung immer auch für etwas böses nutzen und schlecht machen. Aber hätte die Menschheit das immer getan hätten wir heute z.B. auch kein Rad oder auch keine Werkzeuge ...

@Eberhard Blocher:
Nett Herr Blocher. Rechtlich geben Sie mir Recht, meinen aber man müsse trotzdem speziell ein Gesetz gegen Google erlassen. Ihre Einlassung zu Data Mining zeigt, dass Sie wenigstens oberflächlich damit beschäftigen sollten, was das überhaut ist. Noch dazu in diesem Zusammenhang! Das ist es doch genau, womit wir die Probleme haben. Halbwissen gepaart mit unkritischem Blick, stereotypen Argumenten und Vermischung von Dingen, die gar nichts miteinander zu tun haben. Und sinngemäß zu schreiben, dass es ja prinzipiell legal wäre so, aber halt trotzdem verboten gehört, dann müssen man halt sein Rechtsverständnis so lange ändern, bis man es Google verbieten kann... naja, da soll sich wohl jeder seine Gedanken dazu machen ;-)

(@alle anderen zur Hintergrund-Info: Herr Blocher ist durchaus bekennender und leidenschaftlicher Google-Hasser).

Lieber Herr Blocher. Wenn Sie einen Teil Ihrer Energie mal gegen die wirklichen Datenschutz-Bomben im Internet und der realen Welt richten würden... Sie werden seit Jahren nicht müde, jeden Tag etwas gegen Google in irgendeinem Forum zu posten. Das kostet viel Zeit (und überzeigt nicht wirklich, da nachvollziehbare Argumente fehlen). Warum suchen Sie sich nicht wirklich lohnende Ziele wie z. B. Facebook? Oder Payback? Da gibt es so viele, bei denen man wirklich (!) aufklären müsste. Ich finde, da wäre Ihre Zeit gut investiert und würde sicherlich auch was bewirken. Damit will ich Ihnen nicht einzureden versuchen, dass Sie G. mögen sollen. Aber ich meine ganz ehrlich, dass das sehr ineffizient ist. Und wir haben viel zu wenige leidenschaftliche Schreiber, welche die wirklichen Datenschutzprobleme thematisieren und nach oben spülen. Woran liegt das? Wird nicht verstanden, wo es tats. knackt oder macht es einfach nur mehr Spaß, das (Gleiche) zu tun, was viele tun? Ich frag das ganz im Ernst!

37 | Oli schreibt am 3.09.10 10:40:

Ich sehe das Problem auch nicht so ganz.

Person A darf sich ja auch vor das Haus von Person B stellen und dann sieht er wie Person B ins Haus geht. Oder muss er neuerdings eine Milchglasbrille aufsetzen damit er das Gesicht von Person B nicht erkennen kann?

38 | Thomas schreibt am 3.09.10 10:45:

Man stelle sich vor, jemand käme auf die Idee und würde alle Adressen nehmen und mit den passenden Telefonnummern versehene, alphabetisch sortieren und in einem Buch zusammenfassen und an alle Haushalte verteilen.
Jahre später diese Datensammlung ins Internet stellen und mit Satelitenbildern verknüpfen.

Gibt es schon? Ach so....

Hm, und wenn der Statt die Daten seiner Bürger einfach übers Einwohnermeldeamt verkauft? Geht auch schon? Sogar mit den Daten der Bebauung und der angemeldeten KfZ's inkl PS Zahl!

Bei Streetview fallen hingegen keinerlei personenbezogene Daten an. Und trotzdem gibt Google eine freiwillige Widerspruchsmöglichkeit.

Ich würde mir eine ähnliche Aufregung wünschen bei Themen wie SWIFT, ELENA, ZENSUS, ....

@Thomas: Genau! Sogar die Kammern verkaufen/"vermieten" die Adressdaten ihrer Mitglieder an Versender, sauber gefiltert. Aber das (Daten anderer Menschen gegen Geld verkaufen) ist eine ganz andere Geschichte und überall Usus. Auch die meisten großen Versender machen das übrigens...

Was ich von der rechtlichen Seite her nicht verstehe. Schon immer darf man doch Fotos machen und publizieren. Solange niemand damit diskriminiert wird (außer es sind Promis, auf die darf man offenb. einschlagen) und niemand besonders hervorhebt bzw. er oder sie auf dem Foto besonders hervorsticht. Das Urheberrecht liegt ausschließlich beim Fotografen. (Übrigens auch bei Passbildern ;-)

Eine andere Sache wäre es, wenn eine SV-Camera tatsächlich das ins Internet brächte, was man eben auch aus einem Bus bei niedriger Hecke fotografieren könnte: z. B. einen naggerten Menschen beim Sonnenbad im Garten. Dies ist nat. nicht auszuschließen. Und dafür gibt es auch das Einspruchsrecht.

Aber hey. Streetview ist durch die ganz großen Innenstädte in D gefahren. Wie wahrscheinlich ist es, das da jemand einen Garten mit Hecke besitzt, über die eine SC-Cam spähen könnte UND etwas sähe, was die umliegenden Nachbarn in den höheren Häusern nicht sehen würden. Wir reden hier über sehr teure Grundstücke und nach meiner Erfahrung gibt es in den Innenstädten von München, Hamburg, Berlin etc. keinen einzigen Fleck, der uneinsehbar wäre bzw. nur durch den Blick über einen niedrigen Zaun von der Straße aus einsehbar wäre. Klar, ausschließen kann man auch das nicht, aber es zeigt, wie unreflektiert die Medien mit solchen unwahrscheinlichen Einzelfällen Panik machen.

Dass Bilder einer Hausfront besonders schützenswert wären, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber vielleicht weiß ja jemand einen interessanen Gedanken dazu?

40 | Hans-Peter Bauer schreibt am 3.09.10 14:49:

Ich würde mal sagen, dass Herr Blo*** das exzellente Beispiel des typischen Protestlers ist.

Er will verhindern, dass jemand seine Hausfassade virtuell sehen kann und tönt auf XING lautstark, dass er bei Google die „Verpixelung“ veranlasst hat. Auf der anderen Seite verkündet er ebenso lautstark, dass er jegliche IP-Adressen seiner Website-Besucher dokumentiert und diese (so weit er eben kann) via Skript beobachtet.

Gleichzeitig verlangt er, dass Google die echten oder verpixelt-vermeintlichen Besucher seiner Hausfassade bzw. deren IP-Adresse bei ihm meldet, damit er diese via erweitertem Skript den oben bezeichneten Vorgängen zuordnen kann.

Jeder schafft sich so seine Welt, seine kleine 1-Mann-Demokratie und seine speziellen Rechtsbefindlichkeiten. Ganz, wie im echten Leben und schon wird das Netz wieder völlig sympathisch und präsentiert sich als Social Network und jeder zeigt sich von seiner besten Seite, da ist nichts mit persönlicher Fassade ;-)

41 | Roby schreibt am 3.09.10 18:18:

@Mario Fischer ich hab dazu noch so einige Gedanken, aber alles übers Iphone schreiben, dauert mir zu lange.

Aber ich habe noch eine gute Marketingidee dazu :-) Warum sich nicht einfach darüber informieren, wann in etwa das Streetview Auto in die Stadt kommt um Fotos zu machen. Dann überredet (oder bezahlt) man einfach ein Paar Bewohner einer relativ bekannten Straße dazu, seine Häuserfront für Werbung bereit zu stellen oder einen Banner irgendwo zu platzieren. Man kann ja erzählen, dass man so sein Haus vor Streetview schützen kann - und das am besten in der ganzen Straße. Bei so vielen Streetview Gegnern oder Leuten die von den Medien beeinflusst wurden, sollte das kaum ein Problem darstellen. :-)

Bis später

42 | Roby schreibt am 4.09.10 7:40:

Hallo!

Bevor ich jetzt loslege, möchte ich noch sagen, dass ich Google Streetview keinesfalls die Stange halten will, weil ich es ganz nützlich bzw. interessant finde. Ich versuche immer die Dinge aus verschiedene Sichtweisen zu sehen, also versuche ich mich jetzt auch mal in die Lage eines Streetview Gegners zu versetzten. Was könnten seine Beweggründe sein? Und ich meine echte Gründe, keine irrelevanten Gründe, die niemanden interessieren. Da fallen mir folgende Dinge zu ein:

• Diskriminierung! Vielleicht fühlt sich jemand diskriminiert, weil er in einem heruntergekommenen Haus lebt und seine schlechte Finanzielle Lage im Moment keinen anderen Ausweg zulässt.
• Im Gegenzug möchte vielleicht auch nicht jeder seinen Reichtum zur Schau stellen, um keine Neider aufkommen zu lassen.
• Bevor z.B. jemand zum Arbeiten eingestellt wird, kann der Arbeitgeber prüfen (auch über weite Entfernungen hinweg) aus welcher Umgebung der potentielle Mitarbeiter kommt und in welchen Haus er lebt. Das könnte einen falschen Eindruck schaffen und somit zu einem Vorurteil führen.
• Es könnte durch Unachtsamkeit des Bürgers ungewollte Bilder entstehen. Wie z.B. Nacktbilder oder ähnliches.
• Man hat etwas Illegales zu verbergen, was nicht direkt jedem auffällt, aber später (durch das Bild) zu einem handfesten Indiz werden könnte.
• Einbrecher können sich ein Bild von der Umgebung machen.

Und trotzdem hält kein Grund wirklich stand, da man ja eine Verpixelung beantragen kann. Diese Option hat man im wirklichen Leben nicht. Man hat also eine Möglichkeit etwas dagegen zu tun, weshalb die Panikmache einfach nur überzogen ist. Die einzigen von den oben genannten Punkten, welche mir wirklich relevant erscheinen könnten, wären folgende: Das Beispiel mit dem Arbeitgeber, da durch die Möglichkeit des schnellen Nachsehens (auch über weite Entfernungen hinweg) ein falsches Bild des Bewerbers entstehen könnte. Oder das Beispiel bezgl. der Diskriminierung, welches ähnlich betrachtet werden kann, wie das Beispiels mit dem Arbeitgeber. Aber wie gesagt, es bleibt immer noch die Möglichkeit das Bild Verpixeln zu lassen. Wie seht ihr das?

Ich persönlich kann Streetview nichts wirklich Negatives abgewinnen. Wie schon oben erwähnt, würden mir beispielsweise zu Facebook schon eher einige schlimme Dinge einfallen. Dagegen ist Google ein Waisenkind. Aber da sind wir schon wieder bei einem andern Thema. Man sieht daran aber, dass den wirklichen Datenschleudern zu wenig Beachtung geschenkt wird.

43 | Michael schreibt am 4.09.10 9:34:

Herr Fischer, werden Sie von Google bezahlt? Das ist als ernsthafte Frage gemeint. Sie reden (auch in Ihrem Buch) über Google, als ob es DAS Unternehmen wäre. Anstelle o. g. Punkte lediglich durch den Kakao zu ziehen, könnte man ebenfalls objetkive Gegenansichten darstellen.

Bspw. spielt es überhaupt keine Rolle, wie lange sich Deutschland mit einer Entscheidung Zeit lässt, und wenn es 10 Jahre dauert, das ist UNSER Land und nicht Google's Herrscherreich. Google fährt durch unsere Straßen um sie abzulichten, wohlgemerkt ohne einen Penny dafür zu zahlen, um später Unmengen an Geld damit zu verdienen und noch mehr User an sich zu binden.

Den einzigen, aus Ihrer Sicht für Google negativen Punkt, den Sie erwähnt haben, ist, dass Google WLAN-Daten gesammelt hat. Und dies entschuldigen Sie und spielen es herunter (mit der Aussage, Google sei ja proaktiv gewesen) als ob es nichts wäre.

Ganz ehrlich Herr Fischer, diese Google-ist-so-toll-Haltung nervt mich langsam gewaltig.

Gegendarstellung @Mario Fischer

Wenn Sie hier schreiben, ich wäre ein bekennender Google-Hasser, ist das schlicht falsch.

Im Gegenteil, ich biete seit Jahren SEM für meine Kunden an, ok, nach der Definition in der "Website Boosting" ist das überwiegend SEA (weniger SEO), aber Sie wissen schon, was ich meine. Ich zahle u.a. Geld an Google für AdWords und meine Kunden erstatten mir diese Beträge.

In letzter Zeit zahle ich, bedingt durch den Erfolg von Google, an dieses Unternehmen monatlich weit mehr als an Yahoo! und andere Mitbewerber. Vor diesem Hintergrund ist es lachhaft, mich als "Google-Hasser" zu bezeichnen. Würde ich wirklich so viel Geld an ein Unternehmen zahlen, das ich "hasse"?

Wenn ich Google StreetView kritisiere, ist das meine Meinung als Bürger, die mit meiner beruflichen Tätigkeit wenig zu tun hat - auch wenn ich Erfahrungen aus dem Beruf natürlich nutze.

@Michael:
Ja, das kann ich nachvollziehen, denn aus externer Sicht mag dieser Eindruck vielleicht entstehen.
Ich darf zunächst versichern, dass ich niemals auch nur einen Cent von Google für irgend etwas erhalten habe. Noch nicht einmal eine Reisekostenerstattung, wenn ich dort zu einem Vortrag eingeladen wurde. Nachprüfbar also keinen e-i-n-z-i-g-e-n Cent. Dies zur Frage, ob ich von Google bezahlt werden. Eine im übrigen fast unverschämte Frage an jemanden wie mich. Denn damit unterstellen Sie mir ja indirekt, dass ich mich von einem Unternehmen schmieren lassen würde, um gute Stimmung zu verbreiten. Das finde ich schon etwas daneben. Glauben Sie im Ernst, ich würde meine über viele Jahre mühsam aufgebaute Reputation für irgend ein Unternehmen gegen Geld aufs Spiel setzen?

Aber ich will Ihnen (und anderen, die vielleicht ähnliche Gedanken haben könnten) einen kleinen Gegenbeweis liefern. Aktuell (zeitlich schon vor diesem Blogbeitrag hier) bin ich auf Google durchaus nicht gut zu sprechen. Gar nicht gut. Wie jedes Jahr habe ich mit meinen Studenten an der weltweiten Online Marketing Challenge von Google teilgenommen. Studierende von Hochschulen treten hier an einem Wettbewerb via Adwords gegeneinander an. Im ersten Jahr hatten wir Platz 2 für den EMEA Raum erreicht, im zweiten Jahr Platz 2 und 3. Auch dieses Jahr bin ich mit meinen Studenten wieder mit 2 Teams unter den Final 15 weltweit (genaue Plätze gibt es seit diesem Jahr nicht mehr).
Nachlesen können Sie das hier:
www.google.com/onlinechallenge/archive/2010/winners.html

Wir sind mit 4 Teams angetreten. 2 meiner Teams, darunter das mit Abstand beste, fehlten bei der Auswertung nach der Siegerverkündigung allerdings (konnte man anhand der verschlüsselten Nummern auf der Seite
www.google.com/onlinechallenge/archive/2010/results.html sehen). Von anderen Hochschulen fehlten (laut einiger Einträge bei Facebook dazu) auch Teams und offenbar hatte Google bei der Auswertung einen Fehler gemacht. So floss die Leistung einigee Teams definitiv auf Grund eines Fehlers von Google nicht mit in die Auswertung mit ein.

Als Google via Facebookgroup darauf aufmerksam gemacht wurde, hat man eine "Recalculation" angekündigt. Und die fehlenden Teams wurden ein paar Tage einfach wortlos auf der Seite "Results" anonym per Nummer eingefügt. Alle Vergessenen waren also schlechter bzw. wurden als schlechter bewertet. Unser spezielles Problem war dabei, dass wir natürlich intern den Überblick hatten, welche Performance und welche Erfolge die einzelnen der 4 Teams erzielt hatten. Und eines der vergessenen Teams hatte mit sehr hohem Abstand bei allen Kennzahlen und auch beim direkt messbaren Erfolg (ca. 7.500 US$ zusätzlichen Umsatz mit nur 200 US$ Adwords-Budget generiert, traumhafte CTRs !) deutlich besser abgeschnitten. Mit anderen Worten: Durch unsere interne Kenntnis der Erfolge der vier teilnehmenden Teams ist uns sehr transparent, dass zumindest das eine der beiden vergessenen Teams besser war, als die beiden, die als Final 15 ausgezeichnet und ausgewiesen wurden. Sie können sich vorstellen, wie groß meine Enttäuschung und auch die der Studierenden war, als wir dies feststellen mussten. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass mein diesjähriges (vergessenes) Top-Team sogar deutlich besser war, also alle Teams, die ich bisher insgesamt in den letzten Jahren am Start hatte. Sie wurden vergessen, die Sieger wurden weltweit bekannt gegeben und einige Tage danach hat man das Team anonym und "wortlos" knapp unter die Siegergruppen einsortiert.

Natürlich wollte ich eine Erklärung von Google und habe mit verschiedenen Personen auf verschiedenen Kanälen dort Kontakt aufgenommen. Das war vor ca. 4 Wochen und bis heute habe ich dazu außer Ankündigungen, dass die Verantwortlichen auf mich zukämen, nichts mehr gehört. Keinen Mucks.

Natürlich können wir den Abstand zu anderen Teams anderer Hochschulen nicht einschätzen. Klar. Aber durch den internen Vergleich sind wir recht sicher, dass zumindest das eine Team mindestens ebenfalls unter den Final 15 hätte sein müssen. Und wenn ich mir die deutlich besseren Zahlen ansehe, hätte ich mir noch vor der Auswertung sogar die aus meiner Sicht begründete Hoffnung auf einen der Spitzenplätze gemacht. Das muss den Studenten vorkommen wie bei einer Olympiade, wo man nur eine Chance hat, viel und aufwendig trainiert und dann den weitesten Weitsprung seines Lebens macht. Aber der Schiedsrichter hat vergessen, sich den Wert aufzuschreiben - und stellt das erst nach der Olympiade fest. So fühlen sich meine Studenten momentan. Sehr, sehr deprimiert, demotiviert und auch sehr ungerecht behandelt. Und Sie können sich sicher vorstellen, dass es mir und unserer Hochschule auch nicht gefällt,
a) einfach vergessen worden zu sein und
b) von Google hinsichtlich der Gründe einfach komplett ignoriert worden zu sein.

Gerade ich habe also derzeit jeden Grund, auf Google sauer zu sein und ich bin es auch. Trotzdem dürfen solche persönlichen Betrachtungen nicht in die Arbeit einfließen und man sollte immer versuchen, möglichst objektiv und gerecht zu bleiben (auch wenn das nat. nicht immer gelingt). Das würde ich mir eben auch auch von Journalisten wünschen. Momentan wäre mir eher zu einer anderen Richtung bei der (meiner) Beurteilung von Street View zu Mute gewesen. Aber auch sowas will ich mir nicht vorwerfen lassen, dass persönliche Ärgernisse in veröffentlichten Meinungen versteckt werden. Ebenso wenig, wie Geld dafür anzunehmen.

So. Das war nun etwas ausführlicher und alle anderen Mitleser bitte ich um Entschuldigung. Aber so einen ungeheuerlichen öffentlichen Vorwurf darf und will ich mir nicht gefallen lassen. Noch dazu nicht von jemand, der sich anonym versteckt und noch nicht einmal offen dazu steht. Ich finde Kritik gut, gerade auch negative - daraus kann man nur lernen. Aber um mit Ihrem letzten Satz zu antworten: Ganz ehrlich, Herr "Michael": Anonymes Austeilen ohne sachlichen Hintergrund nervt mich ebenfalls gewaltig. Damit müssen wir im Web 2.0 wohl leben, dass man ohne sein Gesicht zeigen zu müssen, andere öffentlich sichtbar anspucken kann. Aber es nervt trotzdem. Im Grunde sagt es aber eigenlich schon sehr viel über die spuckende Persönlichkeit aus. Und das heilt es wieder ein klein wenig... ;-)

Im Übrigen finde ich auch viele anderer Unternehmen gut. Leisten Sie mal auch nur annähernd das, was die Jungs bei Google inges. bisher geleistet haben, dann finde ich Sie auch "toll". Dann melden Sie sich doch einfach nach diesen Erfolgen wieder.

46 | Heike Werneburg schreibt am 4.09.10 12:30:

@Hans-Peter Bauer

Der Unterschied zwischen sozialen Netzwerken und Google Streetview besteht doch darin, dass ich das erstgenannte gut selber im Griff habe. Ich entscheide, was ich von mir preis gebe. Bei Streetview gehts darum dass unser Heim, Leben, Wohnen, digitalisiert wird, ohne dass uns jemand fragt.

Klar man kann Widerspruch erheben. Doch wie viele werden es nicht tun, ganz einfach deshalb, weil sie keine Kenntnis davon haben. Ich denke nicht dass sich die alleinstehende Dame von über 80 in ihrem kleinen Häuschen mit Google Streetview beschäftigt und Widerspruch einlegt. Sie hat also somit keine Chance weiterhin privat zu bleiben in ihrem Häuschen.

Oder wie lange wird es daueren, wenn ich heute in ein Haus ziehe, dass in SV gezeigt wird und ich das später erst bemerke?

Ich meine Google Steetview macht Verbrechensplanung einfacher. Sicherlich nicht überall und an jeder Stelle. Herr Fischer hat ja schonmal aufgeführt, dass das in Großstädten eher schlecht möglich ist. Ich hatte auch eher ans ländliche Leben gedacht. Und dass irgendwo ein Bauwagen auftaucht der potenziellen Räubern im Wege steht, damit muss man immer rechnen.

Also ich weiß nicht, mich reißt der Gedanke an Google Streetview nicht vom Hocker.

@Eberhard Blocher:
Nice try, aber jeder, der Ihre Xing-Beiträge kennt, wird mir da wohl beipflichten ;-)
Ich hab tatsächlich den Eindruck gewonnen, dass Sie Google aus triefstem Herzen hassen. Wenn das nicht so ist, nehm ich das gerne zu Kenntnis, wundere mich dann aber umso mehr... ;-)

Übrigens: Wenn Sie den Spamschutz unten korrekt ausfüllen, muss ich Ihre Kommentar nicht manuell freischalten und Sie müssen nicht darauf warten!

48 | Michael schreibt am 4.09.10 14:06:

Wäre die Kritik akzeptabel gewesen, wenn ich meinen vollständigen Namen genannt hätte? Wenn man sich öffentlich im Web mit einer eindeutigen Haltung äußert, dann sollte man wohl auch auf entsprechende Kritik daran gefasst sein - ob anonym oder nicht. Da hilft es auch nicht, meine Frage als unverschämt abzutun. Im Übrigen habe ich Sie nicht beleidigt, und "verstecke" mich daher auch nicht hinter meiner Anonymität.

Wie auch immer, ich fand Ihre Gegendarstellungen ja in Ordnung bis ich dann Ihren vorletzten Satz derselben gelesen habe. Damit widersprechen Sie sich doch schon wieder. Wenn Sie auch immer darauf anspielen, was Google geleistet hat, sollten Sie sich vielleicht auch einmal dahingehend äußern, was Google nicht geleistet hat. Aber Sie haben Recht, ich habe wirklich nicht das geleistet was Google geleistet hat, ich habe keine WLAN-Netze ausspioniert.

Und um Ihre Frage zu beantworten: Was ich glaube, ist irrelevant; Sie äußern sich jedenfalls so.

@Michael:
Ich hab die Frage gar nicht als unverschämt "abgetan". Ich bin tatsächlich der Meinung, dass sie unverschämt war. Sie haben mir damit mehr oder weniger deutlich unterstellt, dass ich meine Ansichten, Meinungen und Blogbeiträge verkaufe. Dagegen hab ich mich verwahrt, Argumente genannt, die hoffentlich einleuchten. Und ja klar: Es macht schon einen Unterschied, ob man mit der eigenen Person zu einer Kritik steht oder sich versteckt. Das sagt eine ganze Menge über jemanden aus.
Mit der Verwendung von Worten wie "ausspioniert" (was einen Vorsatz impliziert) outen Sie sich ja vielleicht unbewusst auch ein klein wenig. Damit wird mir auch die Kritik insgesamt etwas verständlicher. Es geht Ihnen offenbar weniger um mich, als um Google. Ich bzw. mein Blog war also mehr ein "Transportmittel". Aber das ist dann auch gut so, dafür sind offene Blogs ja da.

Heike Werneburg schrieb:
"Ich entscheide, was ich von mir preis gebe."
Das ist so nicht ganz richtig. Zumindest bei Facebook kann es passieren, dass über Freunde die eigenen Daten an andere übermittelt werden. Wenn es dumm läuft, sogar sehr intime Daten.
In ländlichen Gegenden werden wir wohl so schnell kein SV bekommen, denn reine Wohngebiete interessieren wahrscheinlich wirklich niemanden so richtig.

Ich fand aber in diesem Zusammenhang ganz interessant, was @Roby oben geschrieben hat:
"Diskriminierung! Vielleicht fühlt sich jemand diskriminiert, weil er in einem heruntergekommenen Haus lebt und seine schlechte Finanzielle Lage im Moment keinen anderen Ausweg zulässt. "

Das ist nicht von der Hand zu weisen. Prinzipiell kann man zwar auch von oben heruntergekommene Wohngebiete erkennen und oft sind sie ja auch schon vom Ortsteil-Namen her bekannt - aber eine richtig abgesyphte (schreibt man das so?) Fassade kann schon abschreckend wirken - solange man die Adresse zum recherchieren hat.
Gut, dafür gibt es ja die Einspruchsmöglichkeit. Aber Angst macht das Menschen sicher, die so wohnen müssen.

Das ist auch tatsächlich einer der negativen Punkte neuer Techniken bzw. Innovationen. Jede neue Technologie bringt auch immer Nachteile mit sich. Nur Weiß oder Schwarz wird es wohl nie geben. Die Kernfrage ist, wie man damit umgehen soll. Innovationen blockieren, wenn Sie Nachteile haben? Hält man damit den Fortschritt (der nicht immer gut sein muss) auf? Ist Abwägen die bessere Strategie?

Gab es in den letzten hundert Jahren Innovationen, die nur Vorteile für alle Seiten hatten? Ich kenne keine, aber (ernsthaft) vielleicht jemand von Euch?

51 | Hans-Peter Bauer schreibt am 4.09.10 15:46:

In Bayern nennt man Menschen, die anderen Menschen oder Unternehmen den Erfolg nicht gönnen schlichtweg Neidhammel und mehr dürfte zu den anonymen Michaels & Co. nicht zu sagen sein, schließlich hat er seine Haltung final doch offenbart.

@ Heike Werneburg, ob und wie Sie Social Networks im Griff haben, vermag ich nicht zu beurteilen. Beurteilen kann ich allerdings, dass der Blick auf die Fassade eines Hauses öffentlich und nicht privat ist. Was Sie sich unter Heim, Wohnen und Leben vorstellen, ist tatsächlich Ihr ausschließlich persönliches Gefühl, das niemanden etwas angeht und das nur Sie selbst auf Social Networks in den digitalen Äther blasen können – Google StreetView mach das nicht. Und weder Sie, noch eine 18-jährige Frau noch eine 80-jährige Oma hat Anspruch darauf, öffentlichen Raum zu eigenen Eigentum zu machen und für sich privat zu beanspruchen.

Ich persönlich finde es auch völlig unnötig, dass sich Google – übrigens nur in Deutschland – zu derartigen Aktionen bereit erklärt hat, was wohl mit dem in China erlangten Langmut in Verbindung zu bringen ist und man vielleicht so von der einen oder anderen Datensammelei ablenken kann, die Google durchaus macht, aber mündige Bürger, so wie Sie, haben Google durch singuläre Anerkennung der AGB dazu ausdrücklich autorisiert.

Ich persönlich finde es peinlich, dass dieses Thema diese Bedeutung erlangt hat, es erinnert mich an unmündige Menschen, denen man per großem Hinweis erklären muss, Katzen und Babys nicht in die Microwelle und Rauchen ist gefährlich.

Oh - auch ein interessantes Argument, das SO noch gar nicht so richtig in der öffentlichen Diskussion aufgetaucht ist:

Gehören Ansichten von Straßen und Häuserfronten der Allgemeinheit und hat sie ein Recht darauf, diese anschauen zu dürfen? Und: Spielt es dabei eine Rolle, ob das aus der Nähe vor Ort oder aus der Ferne über ein Medium (egal welches) ist?

Was ist, wenn ein Privatdetektiv solche Informationen per Bild im Auftrag einholt? Jedermann/-frau könnte ihn deswegen beauftragen. Spielt es eine Rolle, dass es in diesem Fall zu bezahlen wäre und im Fall von SV umsonst ginge? Prinzipiell ist das doch exakt der Gleiche? Mit der Ausnahme, dass Bilder, die im Auftrag gemacht werden, nat. aktueller sind.

Geht dann die Aufregung im Kern nur darum, dass es nun jeder ohne große Mühe sehen kann?

Oder hab ich da einen Denkfehler?

53 | Hans-Peter Bauer schreibt am 4.09.10 16:21:

Zum Einwand vom Auch-Anonymus Roby: Das, was Sie als Diskriminierung betrachten, ist nicht ganz von der Hand zu weisen, allerdings ist es weniger eine Diskriminierung, sondern man fliegt leichter auf, wenn man andere belügt oder täuscht. Ich persönlich schätze Blind Dates nicht und informiere mich also bevor ich zu einem Menschen oder Unternehmen gehe über das, was mich erwartet und was ich, wenn ich da bin, sowieso erkennen würde.

In der Vor-Internet-Zeit gab es den Stadtplan, der auch Ortsfremden soziale Brennpunkte, Gewerbegebiete oder 1A-Lagen vor Augen führt. Und die Telefonbücher gaben und geben Auskunft, ob in diesem Haus viel Parteien nebst bestimmten Gewerbebetrieben sind oder nur eine Familie wohnt. Seit die Kartenhersteller TeleAtlas und NavTeq das Auffinden von Adressen für jedes (100 €) Navigationssystem zum allgegenwärtigen Kinderspiel gemacht haben, sind auch weitere lokale Umgebungsinfos via Knopfdruck völlig ohne Google Earth und offline zu gewinnen. Die Karten im Internet – und die hat nicht nur Google! – machen die Dinge noch einen Tick komfortabler. So, wie Internet eben (heute) ist. Dazu kommen die öffentlichen(!) Unternehmensregister mit deren Geschäftszahlen und das, was die Menschen sonst noch von sich hinterlassen. Man nennt das heute Social Network, meiner Meinung nach ein Unwort, denn oft entblößen sich Menschen im Gruppenzwang, was so sozial nicht sein kann, aber immer deren eigene Aktivität darstellt.

Am Ende kann mir seit 2003 jeder aufs Dach und in meinen Garten blicken und zunehmend in besserer Qualität, besonders einfach via Google und Bing, wobei es bisher nur Goyellow gelang, dies auch zuverlässig zu ermöglichen, denn die haben Hausnummern z.T. georeferenziert, was die weiter oben genannten Kartenhersteller nicht bieten (können), da werden Hausnummern aus Vektoren (Straßenabschnitten) interpoliert, was eine völlig zuverlässige Zuordnung - auch bei StreetView- unmöglich macht.

54 | Hans-Peter Bauer schreibt am 4.09.10 17:16:

@ Mario Fischer: Das Bundesverfassungsgericht hat in zahlreichen Urteilen darauf hingewiesen, dass der Einzelne immer ein Teil der gesamten Realität ist. Ein von mir geschätzter Rechtsexperte äußerte sich auf XING entsprechend: "Schon bei der Erfindung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung hat das Bundesverfassungsgericht treffend ausgeführt, dass das kein unbeschränktes Recht ist, weil jedermann nunmal Teil der "sozialen Realität" ist. Und die gehört eben allen. Deswegen ist es geradezu widersinnig, wenn manche bei StreetView von der Privatisierung des öffentlichen Raums sprechen. (...) Das Gegenteil ist der Fall."

55 | Thomas schreibt am 4.09.10 18:12:

Es ist eine Freiheit die wir haben, dass die Öfentlichkeit öffentlich ist und nicht durch Einzelne eingeschränkt wird.

56 | Roby schreibt am 4.09.10 19:36:

@Hans-Peter Bauer die oben genannten Punkte resultieren aus einer anderen Betrachtungsweise, wobei ich sagen muss, dass es nicht meine eigenen Ängste sind. Denn wie es @Mario Fischer schon sagte “Das ist auch tatsächlich einer der negativen Punkte neuer Techniken bzw. Innovationen. Jede neue Technologie bringt auch immer Nachteile mit sich. Nur Weiß oder Schwarz wird es wohl nie geben. Die Kernfrage ist, wie man damit umgehen soll. Innovationen blockieren, wenn Sie Nachteile haben? Hält man damit den Fortschritt (der nicht immer gut sein muss) auf? Ist Abwägen die bessere Strategie?“.
Das sind aber oft Dinge, die man meist nicht alleine entscheiden kann. Bei der Streetview Frage kam aber Google mit der Möglichkeit - Einspruch zu erheben, womit man wirklich eine Option bekommt, die Sache selbst zu entscheiden.

@Hans-Peter Bauer sie haben folgendes argumentiert: “ Zum Einwand vom Auch-Anonymus Roby: Das, was Sie als Diskriminierung betrachten, ist nicht ganz von der Hand zu weisen, allerdings ist es weniger eine Diskriminierung, sondern man fliegt leichter auf, wenn man andere belügt oder täuscht. Ich persönlich schätze Blind Dates nicht und informiere mich also bevor ich zu einem Menschen oder Unternehmen gehe über das, was mich erwartet und was ich, wenn ich da bin, sowieso erkennen würde.“
Aber mit diesem Argument würden Sie zugeben, dass Sie Menschen/Unternehmen nur anhand Ihrer Wohnlage versuchen einzuschätzen, was zu einem Vorurteil führen kann. Auch wenn Sie sich darüber informieren wo Sie gerade hinfahren und im welchem Haus Ihre Kontaktperson lebt, können Sie doch nicht über den Menschen selbst urteilen. Vielleicht lebt dort beispielsweise ein neuer Albert Einstein, hat aber nicht genügend Geld um sich eine bessere Wohnung zu Mieten. Jeder hat eine Chance verdient - und eine Wohnung oder ein Haus ist nur eine Variable, die man mit genügend Geld austauschen kann. Außerdem sagten Sie, dass Sie die Umgebung sowieso spätestens dann sehen, wenn Sie einen Menschen oder ein Unternehmen besuchen. Was aber wenn Sie von dem Mensch oder dem Unternehmen besucht werden? Sie haben dann eventuell ein falsches Bild im Kopf.

Zu dem Anonymus: Roby ist einfach mein Spitzname, und wenn es Sie so brennend interessiert, kann ich auch meinen vollständigen Namen hier veröffentlich. Bisher hat mich noch keiner nach meinem Namen gefragt (vielleicht auch deswegen weil es nichts zur Sache tut). Bringt mein Name Sie aber irgendwie weiter? Mhhh, ja vielleicht könnten Sie dann über Google meine Adresse rausbekommen und in Streetview eingeben und sich ein Vorurteil über mich bilden ;-) <<< @Hans-Peter Bauer bitte nicht ernst nehmen – dient nur der Auflockerung. Aber möglich ist das. Genauso gut könnte ich einen falschen Namen wie Michael Schmidt eingeben und sie würden denken, dass Sie mit dieser Person Kommunizieren. Und da sind wir schon wieder bei einem ganz anderen Thema. Wo verschwimmt die Realität mit der virtuellen Welt? Was kann ich im Internet von mir preisgeben und was muss ich? Was kann ich steuern und was nicht? Das Internet ist voll von fiktiven Profilen oder Angaben. Im wirklichen Leben ist man genauso wenig vor Betrug oder sonstigem geschützt wie in der virtuellen Welt. Listige Kriminelle haben mit dem Internet nur noch einen zusätzlichen Kanal - und denen können Sie auch mit SV nicht auf die Schliche kommen. Das ist ein Trugschluss.

SV könnte man besser dazu nutzen um Urlaubsorte im Vorhinein zu besichtigen, denn dabei geht es wirklich nur um die Umgebung und nicht um Menschen. Aber auch dabei ist es keine Garantie, dass der Ort bei der Ankunft noch genauso aussieht.

Im Fall von @Heike Werneburg merkt man wie einige Personen über Soziale Netzte und “IHREM PROFIL“ darin denken. Denken ist aber nicht gleich Wissen. Da liegt dann auch das ganze Problem. Man kann auch nicht alle Sozialen Netzwerk Plattformen verallgemeinern. Aber ich möchte hier jetzt nicht weiter darauf eingehen. Das hat Prof. @Mario Fischer mit dem Facebook Beispiel schon ganz gut dargestellt.

Im Allgemeinen muss ich aber sagen, dass Google die Sache ziemlich gut angegangen ist. Andere Unternehmen hätten sich an den Protesten gar nicht weiter gestört und einfach weiter gemacht. In etwa so wie in der Politik ;-)

So, nun wünsche ich allen noch einen schönen Samstagabend.

57 | Hans-Peter Bauer schreibt am 4.09.10 21:00:

@ Roby XYZ, wenn Sie mich für so naiv halten, dass ich mich nur eindimensional informiere, dann haben Sie mein Posting einfach nicht verstanden.

58 | Roby XYZ schreibt am 4.09.10 23:50:

@Hans-Peter Bauer Sie meinen das bestimmt im Bezug auf folgendes Kommentar: “Ich persönlich schätze Blind Dates nicht und informiere mich also bevor ich zu einem Menschen oder Unternehmen gehe über das, was mich erwartet und was ich, wenn ich da bin, sowieso erkennen würde“. Entschuldigen Sie bitte, ich habe das zu sehr mit SV in Verbindung gebracht. Denn Streetview würde sich keinesfalls dazu eignen aussagekräftige und genügend Informationen über einen Menschen/Unternehmen einzuholen. Aber es gibt solche Leute, denen die Umgebungsansicht auf SV für ein Urteil schon reicht.

Ich weiß überhaupt nicht was alle gegen Street View haben, jeder Hampelmann darf Fotos von seiner Umgebung machen und diese Online stellen nur bei Google wird auf einmal, ja schon fast eine Hetze betrieben.
Als Google angefangen hat die Satelliten Bilder der Militärs zu kaufen war´s doch auch nicht so ein riesen Dingen. Ich tue das einfach als Sommerloch-Füller ab und damit hat sich die Sache.

60 | Sebastian L. schreibt am 5.09.10 5:38:

Zunächst: Jepp, Google sammelt Daten. Das tuen sie genauso wie andere Konzerne: Apple, Facebook oder Microsoft. Google ist hierbei nur besonders gut, genauso wie Apple oder Facebook.

zu Punkt 1: Es wird suggeriert, das man Einsprüche nur bis zu einem bestimmten Datum einreichen kann. AFAIK irgendwann im Herbst. Wer danach käme hätte pech gehabt. Das ist in den Medien mehrfach so kommuniziert worden.

zu Punkt 2: Komplett richtig. Bilder helfen gar nichts, "Bewegungsprofile" um das Objekt herum sind unersetzlich für ein geplantes derartiges Vorhaben.

zu Punkt 3: Auch richtig, die "erhöhte Kamerapostion" von 90° über Google Maps gibts schon seit Jahren und keinen störts.

zu Punkt 4: halte ich für zweifelhaft. Ich denke nicht, dass Google über uns nichts weiß. Der Witz an der Massendatenauswertung ist aber, dass sich niemand genau meinen Datensatz herausfischt und nachsieht wann ich wo was gesucht oder gefunden habe. Das tut nur der Rechner, wenn ich wieder mal was suche.
Weiterhin verpflichtet mich niemand die Dienste von Google überhaupt in Anspruch zu nehmen, Cookies zu speichern oder Android Smartphones zu benutzen.
Wesentlich größere Angst habe ich vor Exekutiven aus diversen Ländern u.A. aus Deutschland und den USA, die aufgrund gesetzlicher Regelungen auf einzelne Daten Zugriff erlangen könnten (z.B. USA: PATRIOT-Act). Hier sollten Proteste der Bevölkerung ansetzen.

zu Punkt 5: proaktiv hin oder her. Was wollte Google mit diesen Daten? Wieso hat es (selbst wen es intern bleiben sollte) überhaupt ein derartiges Projekt gegeben, dass einen Mechanismus entwarf, die WLAN-Daten automatisch abzugreifen? War das nur zu Forschungszwecken oder würden Google tatsächlich am liebsten wenn man es ließe ...? Ich finde diese Daten im Sinne von Google auch nicht besonders nützlich, da sie jederzeit geändert werden können. Extrem bitterer Beigeschmack!

zu Punkt 6: lachst dich kapoot! telefonische Einsprüche. Hier ist ja auch SO gut nachvollziehbar wer wann wo für wen Einspruch erhoben hat. Lächerlich!

61 | Hans-Peter Bauer schreibt am 5.09.10 12:15:

Hallo Sebastian L.

Ich möchte jetzt doch auf ein paar Punkte eingehen.

Zu Punkt 2: Jeder Stadtplan und insbesondere Google-Maps oder Bing-Maps oder jedes Navi würde bösen Buben wesentlich hilfreichere Infos geben, denn dort kann man sehen, was sich im Umfeld und hinter dem Objekt abspielt, während die Fassade nur von der Straße aus für jedermann sichtbar ist. Zudem haben solche Gestalten durchaus Kenntnis davon, dass sich lohnende Projekte nicht unbedingt in den Gebieten mit Sozialwohnungen befinden, wobei selbige oft genug durchaus vergleichbare Fassaden haben wie die der vermeintlich „besseren“ Leute, sieht man mal von entsprechenden Einfamilienhäusern ab, die sind erkennbar kein Sozialbau.

Zu Ihrem Kommentar Punkt 4: Zweifellos sammelt Google an ganz anderer Stelle Daten über die Nutzer, so wie eine Anzahl anderer Anbieter auch, die aus sozialem Großmut Milliardeninvestitionen tätigen um selbige dann kostenlos zur Nutzung anzubieten. (Vorsicht, das war Ironie!) Allerdings sind die so clever, dass sie die erlangte Kenntnis, z.B. Sebastian L. will sich gerade ein neues Auto oder einen Fernseher etc. kaufen, nicht öffentlich zur Schau stellen, sondern in ein optimiertes Zielgruppenmarketing einbetten.

Heute findet man das Haus eines Menschen relativ einfach über eTelefonbuch > GoogleMaps & Co, die ja oft direkt vernetzt sind. Morgen kann der Blick via StreetView vervollständigt werden - auch bei Bing & Co. Schon heute sind zahlreiche Unternehmen und öffentlich Einrichtungen (z.T. als POI) in den Karten verzeichnet und können direkt angerufen werden. Ob morgen dann auch die Rückwärtssuche Karte > Telefonbuch > Teilnehmer oder gar zusätzlich mit der E-Post oder DE-Mail-Adresse möglich sein wird, vermögen wir heute nicht zu beurteilen. Bei Unternehmen könnten dann womöglich gleich die (auch heute öffentlichen) Pflicht-Kennzahlen verlinkt werden. Ich halte das für eine reale Vision, denn all diese Daten sind auch schon heute öffentlich verfügbar.

Zum Punkt 5 W-LAN: Google hatte nicht vor einen W-LAN-Guide zu bringen, vielmehr sollten die lokal empfangbaren W-LAN-Netzwerke der genaueren Positionierung dienen, denn GPS kann nicht spontan oder in Häusern genutzt werden und die Positionsbestimmung via Mobilfunksender ist sehr ungenau. Dass ausgerechnet die W-LAN-Teilnehmer, die ihr Netz unzulässigerweise ungesichert betrieben haben, da Nachteile empfanden ist verständlich aber eigentlich deren Dummheit.

Ich habe einige der virtuellen Anti-StreetView-Diskussionen verfolgt. Die, die sich durch besonderes Protestgeschrei hervorgetan haben, sind weder reiche Hausbesitzer mit besonders exponierten Objekten, noch Menschen, die völlig unbedarft im Internet sind. Vielmehr hinterlassen gerade die gerne eine Datenspur breit wie eine Autobahn, haben sich in allen Social-Networks angemeldet und zwitschern in den digitalen Äther. Einer (hier) sammelt sogar selbst unzulässige Bewegungsdaten (IP-Adressen) und will sich als Anti-Google-Robin-Hood einen Namen machen.

Wie meinte Konrad Adenauer gleich wieder? „Nehmen Sie die Menschen wie sie sind, andere gibt's nicht.“

Herr Bauer,

Ihnen ist zuzustimmen, andere Menschen gibt's nicht. Dennoch sollten den schlimmsten Gerüchten der anderen Menschen zumindest widersprochen werden dürfen. Da Sie mich persönlich ansprechen (meinen): es ist NICHT unzulässig für Privatnutzer, IP-Adressen zu speichern. Und wenn Sie noch so oft das Gegenteil behaupten. Nennen Sie mir ein Gesetz, das die Speicherung von IP-Adressen der Besucher meiner Website verbietet.

Politisch, nicht juristisch, sollte ein völliges Verbot von Google Maps u.ä. sicher durchgesetzt werden. Das ist aber wohl noch ein langer Weg. Wir sollten Geduld haben. Bis vor wenigen Jahren war die Veröffentlichung von Satellitenbilder übrigens noch behördlich genehmigungspflichtig; möchte mal wissen, wer diese sinnvolle Vorschrift abgeschafft hat.

63 | Steve Grünbauer schreibt am 7.09.10 0:32:

@Sebastian L. (Zu Punkt 5)

Was sich Google mit ihrem Streetview Projekt im Zusammenhang mit der angeblichen WLAN-Bespitzelung gedenkt aufzubauen, wird hier besonders gut deutlich.

http://www.skyhookwireless.com/

Da Google eben auch mobile Endgeräte mit Betriebssystemen ausstattet und diese in den meisten Fällen entweder über WLAN oder GPS oder gar beides verfügen, kann das Endgerät über eine der beiden Technologien relativ genau ermitteln, wo es sich befindet. Das ermöglicht Google wiederum, durch Local Marketing dem Benutzer mit hoher lokaler Relevanz anzuzeigen, welche Dienstleistungen und Waren sich in seiner augenblicklichen Umgebung befinden. Ein echter Mehrwert in meinen Augen. Übrigens nicht nur für Android-Benutzer, sonder für alle Nutzer von Google Maps, etc.

Natürlich mögen jetzt bei einigen wieder die Alarmglocken anschlagen: "Was, Google kann ja dann über mein Handy herausfinden, wo ich aktuell bin." Dazu kann ich nur eines sagen: Ja, das ist wohl richtig so. Google könnte, wenn sie wollte. Aber Google hat gar kein Interesse daran. Interesse haben nur die Unternehmen, welche die Werbung schalten, die Google dann über die Handys und andere Endgeräte über Dienste wie z. B. Google Maps, etc. kommuniziert. Diese Unternehmen selbst erfahren jedoch nie auch nur ein Bit an Information über den entsprechenden Besitzer des Endgeräts. Sie beauftragen Google lediglich mit der Sendung der Werbebotschaft an die anonyme Gruppe aller Handybesitzer, die sich in einem von diesem Unternehmen vorgegebenen Gebiet bewegen. Die Schaltung der Werbung erledigt dann einer von Googles Servern. Und das einzige, was von dem Benutzer des Handys an diesen Server kommuniziert wird, ist die aktuelle IP-Adresse des Handys mit den ermittelten Standortdaten.

Sicherlich könnte Google alle Daten des Handys (Telefonnummer, Name des Besitzers, etc.) mit den ganzen Bewegungsdaten verknüpfen. Die Frage ist jedoch, zu welchem Zweck das Google machen sollte.

Das Prinzip Hoffnung - zugegebenermaßen. Was mich jedoch persönlich davon überzeugt, dass Google so etwas nicht tun würde, ist die Tatsache, dass es Google nicht mehr lange geben würde, würde ein solcher Fall Publik werden. Zumal diese Art von Auswertung nach deutschem Gesetz verboten ist. Außer natürlich, unser Staat schafft es, unser Grundgesetz dank überzogenem, terrorangstgeleitetem Überwachungswahn vollständig zu demontieren. Diese Befürchtung halte ich im Bezug auf diese ganze Diskussion auch für einzig nachvollziehbare und zugegebenermaßen auch wirklich beängstigende.

Ich sehe Google nämlich hier lediglich nur als Mittelsmann für die tatsächliche Gefahr, die aus Projekten wie StreetView für unsere Privatsphäre erwachsen könnte. Und diese Gefahr ginge in einem solchem Fall einzig von unserem Staat, und damit kurioserweise indirekt von uns selbst, aus. In den USA wurden nämlich schon sehr früh Begehrlichkeiten der Staatsmacht geweckt, die darauf abzielten, etwas von dem gigantischen, anonymen, aber durchaus mit entsprechenden Mitteln aufbereitbaren Datenberg von Google für eigene Überwachunszwecke abzuzapfen.

Dank Patriot Act kann ich mir sehr gut vorstellen, dass die Befugnis der Behörden bezüglich dieser Vorhaben dort nicht gerade gering sein dürfte. Und so etwas gilt es hier in Deutschland zu verhindern. Nicht, indem man sich in blindem Aktionismus gegen Google auflehnt, sondern indem man den unzähligen und leider ganz und gar nicht anonymisierten Datensammelanfällen unserer werten Regierung versucht Einhalt zu gebieten.

64 | elcurina schreibt am 9.09.10 22:07:

Es ist das Jahr 1974.
Wir konnten erstmals die Privatsphäre der Menschen auf deren vier Wände zurückdrängen. Unsere Informationen beschränken sich nicht mehr nur auf die vertikale Sicht von Sateliten, nein mit unseren Spezial-Fahrzeugen konnten wir die horizontale Sicht dazugewinnen. Der Feind versucht jetzt viel zu spät zu reagieren - wird es aber nicht schaffen und unsere Aktion ist dazu fast abgeschlossen. Wir werden jetzt Schritt für Schritt dazu übergehen, aus den statischen Informationen Echtzeitinformationen zu machen. Dazu ist es weiter nötig, dass alle nur die Vorteile unserer Machenschaften sehen. Der Aufwand sie zu täuschen wird zwar höher, aber unsere Mittel wachsen stärker. Es sind nur noch zehn Jahre bis 1984. Das Jahr wo wir die Informationen zu Kontrolle und Macht umwandeln können. Dann haben wir freie Hand und können die lästigen Masken fallen lassen: Be evil - ein Klick und der Mensch ist ein Nichts!

@elcurina Manchmal kann Poesie etwas verdeutlichen, wo die rationalen Argumente nicht mehr weiterhelfen. Danke für dieses Gedicht.

Hmmm... Unternehmen, die Ihre Kunden vernichten wollen. Aussaugen, ins Nichts drängen. Ihre Daten verhökern, verkaufen, verteilen. Erst heimlich sammeln, dann - ja was dann eigentlich? An alle im Netz streuen, auch an die Mitbewberber? Oder die alle E-Mailadressen an Spammer verkaufen. Sicher ein milliardenschweres Geschäft bzw. Geschäftsmodell und das für die nächsten 80 Jahre. /Ironiemodus:aus/

Jedem sei seine Weltuntergangsstimmung oder eine gewisse Verfolgungsangst ja von Herzen gegönnt. Aber noch keiner hat nach meinem Empfinden sein düsteres Szenario weiter gedacht. Gut, Google sammelt heimlich alle Daten und tut so, als wäre man nett. Heimlich ist man böse und wartet nur darauf... ja worauf eigentlich? Was soll denn bitte passieren, was Google nicht das Genick brechen würde? Angenommen sie hätten zu ihren Profilen tatsächlich Namen (was sie nicht haben, außer jemand kann plausibel erklären, woher die kommen sollen). Was sollten sie damit denn tun? Publizieren? Weiterverkaufen? Heimlich? Und völlig ohne Gegenreaktion - juristisch und von den Nutzern? Wer kann ein plausibles Szenario entwerfen, wo am Ende nicht der Ruin von Google stünde?

67 | torsten schreibt am 10.09.10 9:17:

Die öffentliche Diskussion um Streetview mutet mal wieder typisch Deutsch an:

- Es wird über das Risiko gesprochen
- Gefahren werden aufgezeigt
- Es wird ein zeitgemässes Feindbild erzeugt

Dafür fallen Chancen und Möglichkeiten unter den Tisch, werden tot geschwiegen. Wenn dann Deutschland den Zug im internationalen Vergleich verpasst, wird wieder gejammert.

Aus meiner Sicht hätte Google das Ganze etwas geschickter platzieren können. Etwa mit einer Kampagne welche die Vorteile aufzeigt und mit dem Hinweis, sein Haus ausnehmen zu können.

Abgesehen davon: Wenn ich Einbrecher wäre, dann würde ich mir gezielt die verpixelten Häuser vornehmen, denn die haben ja was zu "verstecken".

Innovationen haben es nicht leicht in Deutschland, das ist (leider) mal wieder ein Beispiel.

68 | Fuchsi schreibt am 15.09.10 22:23:

Danke für diesen schön formulierten und von gesundem Menschenverstand zeugenden Beitrag !

69 | Timo M. schreibt am 18.09.10 13:22:

Die Verwunderung über die vergleichsweise geringe Aufregung staatlicher Datensammelwut wurde ja schon zum Ausdruck gebracht...

Warum wird aber so selten nach den Gründen für Dienste Street View gefragt? Google sammelt doch nicht die Daten zum Selbstzweck, sondern "nur", um möglichst viel und zielgruppengenau Werbung zu verkaufen, also Geld zu verdienen - der einige Zweck eines jeden Unternehmens.
Ob Google böse ist/scheint oder nicht, darf jeder selbst entscheiden. Aber der Konzern wird, wie Mario weiter oben schon schreibt, nicht so dumm sein, die eigene Marktposition durch Vergraulen der Nutzer zu schwächen.

70 | Koslowski schreibt am 21.09.10 23:05:

Ich kann die ganze Aufregung um Google Street view überhaupt nicht verstehen. Wir können alle nur positiven Nutzen aus Google Street view ziehen. Die Politik sollte sich lieber um die wesentlichen und wichtigen Dinge wie zum Beispiel Kinder kümmern. Jeder einzelne wünscht sich doch im Geheimen mehr Information/ Bilder über gewünschte Umgebungen oder Reiseziele. Ohne Google wäre dies doch alles nicht möglich, sich mal schnell ein Bild von einem interessantem Ort zu machen. Wollen Einbrecher wirklich was erreichen, dann schaffen Sie dies nicht mit Google Street view, da die Daten nie aktuell sind.

71 | Eberhard schreibt am 24.09.10 8:32:

Sehr schade, daß das Internet so viele Egoisten hervorbringt. Da schreibt ein Koslowski "Ich kann die ganze Aufregung um Google Street view überhaupt nicht verstehen. Wir können alle nur positiven Nutzen aus Google Street view ziehen."

Ich -> Wir. Wenn Leute wie Koslowski etwas mehr Empathie zeigen würden, würde solche Leute nicht ihre Privatmeinung "ich" verallgemeinern und gleich "wir" schreiben. Dann hieße es "ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen, aber ich akzeptiere, daß andere das anders sehen und mehr Schaden als Nutzen bei Google StreetView erkennen".

Naja, lassen wir die Kirche mal im Dorf. Ich denke, das war eine ganz normal gemeinte Aussage. Dass diese die Meinung des Schreibers wiedergibt, wird wohl den meisten Leser (es mag Ausnahmen geben) bewusst sein. Ob da jetzt mal ein "ich" oder ein "wir" verwendet wird, ist sicher eher für den Deutschlehrer im Aufsatz eines roten Striches würdig. Selbst da bin ich nicht mal sicher...

Eher schlimmer finde ich Formulierungen wie "Wenn Leute wie Koslowski"... Da schwingt sehr viel mehr zum Rauslesen mit ;-)

73 | Eberhard schreibt am 25.09.10 9:22:

Ertappt. Ich bin genauso frech wie "Koslowski"; ich verallgemeinere vom "er" zum "sie alle". Peinlich, peinlich. Entschuldigung.

74 | Rudolf schreibt am 26.09.10 16:09:

Die Angst, die viele Hausbesitzer sich machen ist doch total übertrieben. Wenn ein Einbrecher einen Einbruch vorhat, dann schaut er sich das Haus persönlich an. Ich glaube kaum, dass sich ein Einbrecher auf Streetview verlässt. Er will ja auch noch sehen, zu welcher Zeit der Einbruch am sichersten... ist.
Aber ich wetter, die Leute, die sich jetzt am meisten beschweren, sind genau die Menschen, die als ersten ein Streetview Navigationssystem in den Händen halten.

In wenigen Jahren wird kein Hahn mehr nach der Debatte bezüglich Google Streetview krähen, zumindest nicht nach der heutigen Form.

Und die grossen Kritiker werden auch verstummen, wenn sie sich einer Sache anschliessen, die heute nur vermutet werden kann. Street View ist doch nur der Anfang einer dreidimensionalen Webwelt, die uns möglicherweise später als Meilenstein des Web 3.0 bekannt sein wird.

Second Life in Echtform! Wir werden in dieser Welt spazieren gehen und uns Shops ansehen, uns an beliebten Orten treffen und...und...und... Dann kann man ja schon mal das Wiederaufnahmeformular im Web bereit stellen für jene, die wieder aus der Versenkung auftauchen wollen.

Bis dahin werden wir perfekte 3-D Brillen mit neurosensitiven Plugins besitzen. Okay, jetzt gehen die Pferde mit mir durch... aber ernsthaft. Ist es nicht wie mit all diesen Debatten, wenn etwas neu ist und man viel Potential verspürt?

Die Menschen haben einfach nur Angst, weil sie weder abschätzen noch steuern können, wo das hinführen wird. Sie spüren lediglich, dass da ein riesen Fass aufgemacht wird...

...Grüße an alle & vor allem an dich Mario. Dein Buch ist Weltklasse... habe es mit viel Freude gelesen und es hat mich definitiv bereichert. War vor dem Lesen des Buches kurz davor, einen Informatikstudenten damit zu beauftragen meinen Blog zu boosten. Dieser hat sich nämlich als ganz großes Genie verkauft und wie ich nun weiss, wäre ich in kürzester Zeit bei Google des Platzes verwiesen worden... da habe ich nochmal Glück gehabt!

76 | Andreas G. schreibt am 30.10.10 2:18:

Zu Beginn möchte ich vorausschicken, dass dies mein erster Kommentar in einem Blog ist und für die nächste Zeit definitiv auch mein letzter.
Meine Meinung zu Street View ist tendenziell negativ, wenn ich auch die Vorteile durchaus zur Kenntnis nehme und ggf. auch nutzen werde. Die Argumente pro und contra sind ja auch weitgehend ausgetauscht.
Eine Anmerung habe ich allerdings noch; und hiermit komme ich auf meine Eingangsbemerkung zurück: Ich finde es ebenso erstaunlich wie erschreckend auf welchem Niveau sich intelligente Menschen (nach der Lektüre Ihres Buches, Herr Fischer, gehe ich davon aus, den anderen unterstelle ich es einfach) äußern können. Statt eines fachlichen Austauschs findet in weiten Teilen eine Debatte - keine Diskussion! - statt, die - falls überhaupt das - nur vordergründig fachbezogen ist. Auch wenn der Umgangston nicht rüde ist, geht es hier nur darum "dem anderen das Pausenbrot aus der Hand zu schlagen", eine wirklich anspruchsvolle und menschenwürdige Art und Weise mit seinen "Mitschülern" umzugehen.

Die ganze Deskussionen um Google Street View sind es nicht Wert. Sie machen Ihren Job gut. Die einzelne Häuser von Menschen, die Ihre Wohnumgebung nicht Online sehen möchten verschwommen zu machen finde ich beeindruckend, wenn man es überlegt, wieviel Arbeit dahinten steckt. Es wird immer die tüpisch Deutschen geben, die sich darüber nur aufregen. Zum Beispiel in anderen Ländern, die Leute freuen sich wieder was neues von Google zu haben. Ich frage mich, warum regen sich die Deutschen darüber auf?

78 | Jim schreibt am 3.11.10 16:23:

Schön, daß Google unerwünschte Bilder entfernt. Warum geht eigentlich niemand auf die Barrikaden, weil Google unerwünschte Suchergebnisse nicht aus der Trefferliste entfernt? Könnte auch gegen Gebühr passieren (da Google ja schließlich nicht für die Inhalte von anderen Webseiten verantwortlich ist) und so Google schöne zusätzliche Einnahmen bescheren. Technisch wäre es sicherlich machbar, aber Google weigert sich einfach. Was machen unsere Datenschützer dagegen??????

Vielleicht könnte man eine Art Fassaden-Tag (sprich: Täg) in Anlehnung an die Meta-Tags erfinden? Dann gaviert man das in die Fassade ein. Fertig.

Etwa: meta name="fotomachn" content="Nullinger" oder
meta name="streetviewcar" content="machdichvomacker"

Dann ginge das Verpixeln automatisch? Wäre doch mal ein praktikabler Vorschlag...
Komm ich jetzt ins Fernsehen?

Bei Zeit Online ist ein Artikel zu Streetview mit dem Titel: "Deutschland, was hast Du getan?" publiziert worden.

http://www.zeit.de/digital/internet/2010-11/street-view-jeff-jarvis-verpixelung?page=2

Ein interessanter Blickwinkel und ein paar neue Gedanken! Allerdings haben die Gegner in den Kommentaren sofort begonnen, den Autor zu bashen. Aber auch das sind gute Learnings: Wenn man inhaltlich zu den genannten Argumenten/Gedanken nicht Stellung beziehen kann oder mag, "disst" (Jugensprache) man einfach den Autor.

81 | Andreas G. schreibt am 8.11.10 2:55:

Um dies nicht unerwähnt zu lassen: Bei Zeit Online gibt es auch Google-kritische Artikel. "US-Wahlen Mit Google-Bombs gegen politische Gegner".

http://www.zeit.de/digital/internet/2010-11/google-midterms-googlebomb

Somit hat sich diese Internetseite etwas bewahrt, dass diese Blog offensichtlich vollständig abhanden gekommen ist: OBJEKTIVITÄT.

Wer übrigens die von Ihnen, Herr Fischer, erwähnten Kommentare und Antworten genauer liest, wird statt ihrer oberflächlichen Einschätzung feststellen, dass sich Befürworter und Gegner in ihren verbalen Attacker in keinster Weise entscheiden.

Aber man sieht natürlich nur das, WAS MAN SEHEN WILL ...

82 | S. Conrad schreibt am 15.11.10 11:53:

Ich frage mich warum regt sich eigentlich niemand über Digitalkameras auf???
Ich schätze jeder von uns ist bereits mehrfach unfreiwillig von völlig fremden Personen digital abgelichtet worden. Wer weiß was schon was mit diesen Bildern für Unfug getrieben wird und getrieben werden kann?
Aber die Leute regen sich über feststehende Häuser auf. Versteh ich persönlich nicht. Street View ist doch (sorry) geil und super nützlich, wenn man eine fremde Stadt besucht.
Endlich hat die Orientierungslosigkeit ein Ende!

Sehr interessant was jetzt alles so auf Google Streetview zu sehen ist. Die Masse kennt eigentlich zur Zeit nur eins: "Die Suche nach eigenen Bildern oder nach lustigen Bildern".

Ich bin gespannt wie sich das entwickelt. Finds nur komisch das etliche Kritiker nun ne lange Nase ziehen, weil es nun doch nicht alles so schlimm ist, wie gedacht.

84 | Alex schreibt am 3.12.10 19:33:

Ich stehe Google Street View auch positiv gegenüber. Die ganzen Gerüchte sind hier ja bereits sehr anschaulich wiederlegt worden.

Die Sache mit dem WLAN-Scan ist natürlich nicht so toll angekommen, aber inzwischen gibt es ein BGH-Urteil, dass klarstellt, dass das sogenannte Wardriving in unverschlüsselten WLAN Netzen nicht illegal ist. Damit wäre wohl auch Googles Aktion in dieser Hinsicht neu zu bewerten, wenn man die Daten nicht weiter ausgewertet hat. Zumindest ist das meine laienhafte Auslegung, ich bin kein Jurist.

Was mir immer wieder auffält ist, das man hier in Deutschland dazu neigt, die Risiken sehr hochzupushen und Chancen zu verneinen. Mein Gott, jeder, der vorbeifährt, kann mein Haus sehen. Wenn jemand im Netz mein Haus sieht, bekommt er sogar noch Infos über meine Firma angezeigt. Auch das ist eine Chance, denn so bekomme ich von Google quasi gratis ein virtuelles Firmenschild.

85 | Timmy schreibt am 14.12.10 13:17:

Hallo!

Also mich persönlich stört Streetview nicht, ist doch eh kaum was erkennbar, also wozu der ganze Hype

gr Timmy

86 | Pilly schreibt am 21.01.11 10:15:

Wow, endlich sagts mal einer! Und endlich mal einder der sich auskennt und gut argumentieren kann. Klasse Artikel, volle Zustimmung! Manches war auch für mich neu, auch wenn ich schon immer für GoogleStreetView war, aber jetzt hab ich in Zukunft noch mehr Argumente zum überzeugen^^ Wahnsinn, wie die Medien da manipulieren und Panik schüren... und das breite ahnungslose Volk glaubt das alles blind und meckert fleißig rum ohne zu wissen, worum es überhaupt geht.

87 | Charly schreibt am 25.01.11 10:01:

Weiß irgendwer, ob andere Länder da auch so nen mega-Aufstand machen, oder ist das nur wieder das kleinkarierte Deutschland? Ich persönlich finds übertrieben...

88 | Gp schreibt am 9.02.11 2:19:

Soso,
das Wort "Mensch" soll man also als Spamschutz eingeben...na gut, mach ich mal ;-)

Was soll denn der ganze Hype um GSV (Google Street View) generell?
Spätestens seit Orwell sollten wir bescheid wissen,
spätestens seit der Lektüre dieses Buches sind die paar Hundertausend Pixelhäuser, ist eine skeptische Grundhaltung erklärt, oder sehe ich das falsch?

Dass ein solches Thema in den Medien und gerne auch von der Politik hochgehalten wird, ist nur allzu logisch, verfolgt das mindestens 2 Ziele: Ablenkung von der eigenen Unfähigkeit und gleichzeitiger Test der Bevölkerung, wie weit man gehen kann, wie sensibel vor allem der nicht-technik-affine Pöbel ist.

Wem heutzutage nicht klar ist, dass er datentechnisch selbst seines eigenen Glückes Schmied ist (pling, 5€ ins Phrasenschwein), der hat den Trend buchstäblich verpennt und da ist ein Aufhänger à la Google doch herzlich willkommen.

Alle Welt prangert Google an, lobt Facebook hoch und mosert über zeigbare Hausfassaden?
Heidernei, da lang ich mir doch an den Kopf über soviel Borniertheit!

Deutschland ist gern mal ein Land der "Dagegen-Mentalität", unbegrenzte Möglichkeiten werden logischerweise eher skeptisch beäugt, demnach verwundert das Gemaule gegen die Google-Autos nu wirklich nicht.

Was also tun gegen all die bösen, finsteren Digitalmächte, die einem an das digitale Ich wollen? Obacht geben, nix dramatisieren.
Doch halt, da liegt der Ansatzpunkt für Geldverdiener jeglicher Art, egal, ob sie Bild, Politik, Facebook oder (sorry Mario) Google heißen.
Medienpräsenz bedeutet in der Regel Asche und um die geht es.
Dramatisch ists doch i.d.R. für den, der nicht mitverdient, also: die Moserer, das Gros, das Gros, das stinkig ist, vor 20 Jahren nicht die gleiche Idee gehabt zu haben.

Gut dass Facebook derzeit seinen Hype hat, kann Google in Ruhe Bilder schießen und die Teenies Bilder vom letzten Komasaufen live stellen, passt doch alles wieder, oder?

Hätte noch ne kleine Idee für die Zukunft:
"Google Moon View" ;-)
Nachdem man ja schon seit geraumer Zeit Grundstücke auf dem Mond erwerben kann, sicherlich ein Invest für die Zukunft für Herrn und Frau Google ;-) Aber vorsicht: wehe, wenn genau auf einem solchen Grundstück, im Jahre 2131 ein Haus steht, von einem Traditionalisten alter Schule gebaut, nicht ausgepixelt ist...DANN aber...Freund der Sonne.
Ups, nächster Tip für Google und 5 € in die Wortwitzkasse...;-)

89 | Arne schreibt am 10.02.11 9:54:

Zustimmung. In allen Punkten. Endlich ein vernünftiger Blog zu dem Thema!

90 | jan schreibt am 22.03.11 19:35:

ich finde Google Street View nicht wirklich so schlecht wie manche es gern sehen wollen. Jeder hatte die Chance sich da löschen zu lassen, und für mich ist es angenehm mir vor einer Reise schon mal ein Bild zu machen

91 | Susanne S schreibt am 15.08.11 7:27:

Im Prinzip tritt hier praktikable Praxis gegen die andauernde Angst vor einem Überwachsungsstaat entgegen. Natürlich will niemand durch Google Streetview ausspioniert werden, aber selbst die größten Kritiker sehe ich immer heimlich Streetview nutzen. Ich glaube, wir sollten die Grenzen hier sehr weit setzen, aber darauf achten, dass es nie aus dem Ruder läuft. Spätestens wenn Google Streetview von Sateliten in Minutenabständen aktualisiert wird, sollten wir aufwachen und handeln!

92 | Jan schreibt am 15.08.11 7:30:

Ich find Google Streetview einfach toll! Neulich hab ich ein Kurzzeitappartment aus der Ferne gemietet und mir erstmal die Straße und Gegend "angeschaut"

93 | Thorsten schreibt am 28.08.11 4:51:

Google geht mit Streetview eindeutig zu weit. Ich finde, es ist eine schöne Idee für öffentliche Plätze und Gebäude, aber dass meine Garage abgefilmt wird und Geschäftspartner sich in der Zukunft erstmal meinen Vorgarten angucken, find ich weniger schön.

94 | Jetlir schreibt am 11.11.11 17:24:

Na ja, Ich persöhnlich hab nicht viel dagegen, kann aber alle Punkte verstehen.

Aber man kann sich ja löschen lassen, also was will man mehr? Außer jetzt selbstverständlich, dass der Prozess auch schneller sein kann.

Wenn es um neue Kunden für AdWords geht, ist Google immer sehr schnell und sogar telefonisch erreichbar, für alles andere kann man sich ja denken ;)

Gruß,
Jetlir

Wenn jemand mit Sonnenbrille auf der anderen Strassenseite steht und dein Haus fotografiert/filmt geht man in Deutschland recht schnell auf die Barrikaden und wird aufmerksam. Wenn Google ein Geschäft daraus macht jedem ohne deine Einwilligung schon ein Stück Privatsphäre zu präsentieren dann erregt es nur sehr wenig Interesse...verrückte Welt.

96 | Lars schreibt am 6.10.12 13:22:

Das ist doch genau das gleiche, wie mit facebook.

Viele geben unmängen an Infomationen freiwillig über sich Preis aber haben dann ein Problem damit, wenn jemand etwas über sie weiß oder Fotos von ihren runterläd, die zuvor von der jeweiligen Person freiwillig hochgeladen worden sind.

Da sollte man sich vielleicht mal entscheiden, was man will und was nicht! -verrüchte Welt!

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