Disavow Links: Strategische Überlegungen

Vor kurzem hat Google in den Webmastertools die Möglichkeit geschaffen, unliebsame Links zur „Nicht-mehr-Wertung“ einzureichen. Die SEO-Szene ist begeistert.
Zur Recht? Könnten solche Meldungen auch nach hinten losgehen? Hmmm…linkentwertung-1.jpgGestern ging es wie eine Welle durch das Web: Nach Bing ermöglicht es nun auch Google. sich Links zu „entledigen“, die man nicht in die Wertung für die eigenen Website einbezogen haben möchte. Auch ich hatte hier gestern dazu etwas geposted.Mich treibt nach wie vor die Antwort von Matt Cutts von Google auf meine damalige Frage um (Interview in der ersten Website Boosting Ausgabe, zum Nachlesen hier abgelegt). Er meinte sinngemäß damals schon, dass Google ganz gut selbst entscheiden könne, welche Links gezählt würden.Er meinte auch, dass man damit (mit einer Möglichkeit einer individuellen Entwertung) Manipulationen Tür und Tor öffnen würde. Denn linkspammende Webmaster könnten das dann ohne Angst für Folgewirkungen machen und Links, die sich irgendwann mal als nicht so gut herausstellen, einfach problemlos wieder via GWMT (Google Webmastertools) aus der Wertung rausnehmen. Ich fand die Antwort auf meine damalige Frage an ihn, warum es das nicht gäbe, eigentlich schon schlüssig. Von der Perspektive aus hatte ich das gar nicht gesehen.Nun gibt es eine 180 Grad Kehrtwende. Lasst uns mal kurz gemeinsam nachdenken:

Ein Webmaster identifiziert mit einem Tool (das ist ja heute kein Problem mehr) einen Satz wirklich giftiger Backlinks. Im einfachsten Fall sind das die, die von Domains kommen, deren Abfrage „site:diedomain.de“ bei Google 0 Treffer bringt. Die Höchststrafe, Rausschmiss aus dem Index. Von solchen Seiten sollte, will und darf man keine Links haben.

So. Jetzt lädt man eine Liste von z. B. 240 solcher Links in den GWMT hoch. Nehmen wir an, Google hat in der eigenen Datenbank 250 Links als wirklich gifitg vermerkt und der Webmaster liefert davon eben genau die 240. Ach jaaaa? Was denkt Ihr jetzt, wo Ihr diese Zeilen lest? Klar – DER muss ich aber gut auskennen bzw. ist gut in der Linkbeurteilung.

Frage 1:
Ob Google sich dieses recht eindeutige Signal entgehen lässt und einfach nur die 240 Links von der zukünftigen Wertung rausnimmt? Leute, wenn ICH Matt Cutts wäre, würde ich für solche Meldungen zumindest mal ein Flag „hohes Backlink-Know How“ vormerken. Ihr nicht?

Frage 2:
Ob Google überhaupt solche gemeldeten Links aus der Wertung herausnimmt? Könnt Ihr Euch noch an die Kommentarzeile erinnern, die früher unter der Anmeldezeile für neue URLs bei Google zu finden war? Die wurde niemals ausgewertet, hat aber Leute davon abgehalten, Mails an Google zu schreiben, wie wichtig ihre Seite wäre blabla – eine Art Ventil also. Bestimmt wird Google in letzter Zeit bombaridert mit Anfragen, dass man einen blauen Brief bekommen hätte wg. Backlinks und man wüsste nix davon oder wie kann man die jetzt loswerden. Oft klappt es ja nicht, Links aus dubiosen Linkaufbauquellen auch tatsächlich wieder kappen zu lassen. Gibt es wieder so ein Placebo-Ventil, damit Ruhe ist im Karton?

Frage 3:
Ist Google vielleicht doch nicht in der Lage, dubiose Backlinkquellen zu erkennen und man erhofft sich durch die „Tipps“ via Meldung eine Pool an Domainadressen, die man dann näher bzw. tiefer analysieren kann?

Frage 4:
Bei den LinkResearchTools hat Christoph Cemper gestern schnell reagiert und eine Möglichkeit geschaffen, giftige Linkadressen gleich in dem Format downzuloaden, mit dem man sie an Google bequem wieder hochladen kann. Andere werden sicherlich folgen.
Kann es so einfach sein? Über ein Tool mit 2 Klicks und bei Google mit 2 weiteren Klicks sich von zweifelhaften Aktivitäten der Vergangenheit und der Zukunft frei sprechen zu lassen?

Was meint Ihr? Was ist der wahre Hintergrund für dieses Tor, das Google jetzt öffnet?
Ist man dort so blauäugig, jedem eine Linkseife ans Waschbecken zu legen, damit der sich ggf. schmutzige Hände bei Bedarf auch gerne täglich waschen kann? Hmmm…

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