Andere Suchmaschinen als Google? Was brächte das?

Aktuell wird aufgrund der verhängten Milliardenstrafe der EU-Kommission gegen Google fleißig in Facebook gegen Google gebashed, diskutiert und reflexartig wird der Ruf nach weniger Monopol im Suchbereich laut. Es wäre doch super, wenn andere Suchmaschinen mehr genutzt würden, damit sich alles ein wenig verteilt…. Ist das so? Ein paar tiefergehende Gedanken dazu…

Es wird ja immer gegen Google geschossen, weil sie ein Monopol im Suchmaschinenmarkt hätten. Oft wird dabei vergessen, dass Nutzer Google freiwillig nutzen und ohne etwas dafür zu bezahlen. Wahrscheinlich hat das mit der Qualität zu tun. Es gibt ja andere Suchmaschinen – nur will die niemand so recht nutzen. Insofern erzeugen die Nutzer dieses „Monopol“ – da sie dafür nichts bezahlen, kann auch keine missbräuchliche Monopolstellung vorliegen, in der ein Monopolist höhere Preise am Markt durchsetzen kann, weil er keine oder wenig Mitbewerber hat.

Wie sieht es mit AdWords aus? Missbraucht hier Google vielleicht die marktbeherrschende Stellung? Die (max.) Preise, die für Klicks bezahlt werden, legen die Werbetreibenden fest, nicht Google. Je mehr Mitbewerber bei einem Keyword mitspielen wollen, desto höher wird der Preis. Eine klassische Versteigerung also.

Das ist die ökonomischste bzw. fairste Preisfindung!

Bekommt also der Meistbietende den besten Platz? Nein! AdWords hat zusätzlich den sog. Qualitätsfaktor, der zur Hälfte für das Ranking der Position eines AdWords verantwortlich zeichnet. Dort fließt z. B. mit ein, wie gut die Nutzererfahrung auf der Zielseite ist oder wie gut ein Keyword zu einer Anzeige passt. Mit anderen Worten: Wer keine anständigen Webseiten hat und mental suboptimiert Keywords einbucht, kann sich Spitzenplätze auch nicht mit viel Geld erkaufen (zumindest im bezahlbaren Bereich). Hier wurde also eine Geld-Bremse eingebaut, die versucht, eher relevante Ads als hoch bezahlte besser zu ranken. Man nimmt also nicht das Geld des Meistbietenden, sondern das des am besten Passenden. Arbeiten so Monopolisten? Nur nochmal zur Präzision: Auch hier legt Google keine Preise fest – insofern kann man auch hier vernünftigerweise keinen Missbrauch von Marktmacht erkennen.

Nun zur häufigen Forderung nach mehr Verteilung des Traffics auf mehr Suchmaschinen.

Wer schon länger in dem Business ist, kann sich sicher noch an das Chaos von früher erinnern, als Browser alle ihr eigenes Ding kochten. Man musste Websites aufwändig für die wichtigsten Browser optimieren. „Best viewed with Intaned Eckplorer X.23“ war da oft zu lesen. Nicht selten haben dann bestimmte Funktionen in dem einen oder anderen Browser doch nicht funktioniert. Ein Heidenärger und ein Heidenaufwand. Mittlerweile hat sich das gelegt, weil die Browserhersteller erkannt haben, dass sie mit proprietären Dingen eher ins Off geraten können. Sie funktionieren alle (fast) gleich – zumindest bei den grundlegenden Funktionen.

Warum diese Überlegung?

Naja. Stellen wir uns vor, der Traffic zwischen Bing, Yahoo! einigen anderen Suchmaschinen und Google wäre gleichverteilt – der Wunsch, der aktuell ja wieder geäußert wird. Müsste man da nicht wie damals bei den Browsern für jede Suchmaschine einzeln optimieren? Müsste man nicht für jede Suchmaschine eigene Tools haben bzw. bezahlen? Man müsste mehrere Bücher lesen, SEO-Workshops besuchen, Mitabeiter bzw. Experten suchen, die sich einzeln auskennen? Ja, eigentlich schon.
Der Aufwand wäre deutlich höher, das Business deutlich komplizierter.
Und am Ende? Wenn man für die sagen wir fünf Suchmaschinen gut optimiert hat? Dann hätte man grob den gleichen Traffic, wie wenn man aktuell bei Google oben steht. Nur eben mit deutlich höheren Kosten!

Halt!, rufen da einige bei Facebook. Wie heute bei den Browsern würden sich viele Dinge als gleich für die Optimierung herausstellen, so dass man eben nicht einzeln optimieren müsste.

Hä?

Das vorgebrachte Argument meint also -überspitzt formuliert-: Wenn man die wichtigen Dinge optimiert, stünde man bei allen SuMas oben. Der Zusatzaufwand wäre überschaubar. Wenn dem so wäre: Würde man dann nicht automatisch bei allen fünf Suchmaschinen GUT ranken – oder eben NICHT gut? Alles wäre beim Alten – oder?

Der Wunsch nach Alternativen von denjenigen, die beim aktuellen Google-Ranking wahrscheinlich nicht sooo gut wegkommen, ist extrem verständlich. Nur mit der Forderung nach mehr Vielfalt und dem Mindset, nicht sehr viel mehr optimieren zu müssen, läuft man in eine gedankliche Sackgasse. Entweder funktionieren alle SuMa (im Wesentlichen) gleich, dann ist auch das Ranking bei allen fast gleich und es ist nichts gewonnen. Würden die SuMa unterschiedlich funktionieren (in Form unterschiedlicher Signalauswertungen und daher unterschiedl. Ranking), müssten man auch deutlich mehr Aufwand betreiben bzw. wüden die CLEVEREN Sitebetreiber für alle SuMas optimieren (müssen) und diejenigen erneut verdrängen, die mit weniger oder den falschen Maßnahmen nur ein wenig optimieren möchten und meinen, ein gutes Ranking bei einer SuMa würde ja reichen…

Wie man es dreht und wendet – eine höhere Verteilung auf mehr Suchmaschinen wäre am eine ein Null-Summenspiel. Nein, falsch. Die Kosten liegen ja höher – also ein Minus-Summen-Spiel?

Wo liegt mein Denkfehler? Was würde eine Verteilung des Suchtraffics auf andere Suchmaschinen einem Sitebetreiber wirklich bringen? Außer mehr Aufwand oder die Erkenntnis, dass die anderen ihn auch hier (wie bei Google) schnell wieder verdrängen würden? Es ist einfach zu viel Geld im Spiel, als dass Plattformen nicht aktivst beackert werden, SOBALD sie nenneswert Traffic/Umsatz bringen. Irgendwie wie von selbst bei anderen Suchmaschinen zu ranken – unbehelligt von Mitbewerbern? Das wird wohl ein romantisch anmutender Traum bleiben – oder etwas nicht?

[Edit: Denen die glauben, Google hätte einen heimlichen Button, um einfach Unternehmen wegzuschießen, kann man glaube ich argumentativ wenig beikommen. Derart oft tief sitzendes Misstrauen nährt weiteres Misstrauen und das wird hier nicht anders sein.]

Was meinst Du?

18 Kommentare

  • Vielen Dank zu diesem Beitrag, ein Abo habe ich leider immer noch nicht bestellt, aber ich träume schon davon alle Ausgaben in meinem Mini-Seo Office bereit liegen zu haben. Grundsätzlich hast Du wie immer vollkomen recht mit deinen Aussagen, ich konzentriere mich für manche kleinen Kunden tatsächlich mehr um Yandex als um Google, und der Mitbewerb dort ist derzeit noch nicht so vertreten. Ich bin ja sowieso der Meinung, wir sollten uns um alle Suchmaschinen gleich viel kümmern, und in manchen Fällen lohnt es sich sogar sehr, sich um die Nischen mehr zu bemühen. Man darf ja auch nicht vergessen, google ist in Europa so marktführend, in manchen anderen Länder der Welt sieht das ja nicht überall so aus.

  • Handy Überwachung

    Ich denke auch, dass Google alleine nicht das ganze Internet ausmacht. Natürlich hat Google eine fast Monopol Stellung und die meisten Suchanfragen kommen von Google. Aber alles hat ja irgendwann ein Ende und für manche Seiten können auch 10 Besucher von einer Yahoo oder Bing Suchmaschine viel bewirken. Und nun kommt die andere Seite mit dem Aufwand. Ich wünsche mir auch mehr Vielfalt, allerdings ist der Mehraufwand auch wieder doof. Da bin ich hin und her gerissen.
    Vielen Dank nochmal für den Beitrag.

    [Edit: Lieber Herr „Handy Überwachung“, wann lernt Ihr es endlich, wie man richtig Linkaufbau macht. So jedenfalls nicht. Link ist entfernt.]

  • Finde das „Monopol“ wenn es denn wirklich schon eins sein sollte absolut in Ordnung. Sie bieten nunmal die besten Services. Ich habe noch nichts auch nur annähernd vergleichbares gefunden.

  • Ich finde Du hast das perfekt zum Ausdruck gebracht:

    Wir, die Nutzer machen Google zu einem Monopolisten.

    Aber Google hat auch extrem erfolgreich daran gearbeitet, dass wir seine Dienste so fleißig nutzen. Schließlich überzeugt uns doch die Qualität der Suchergebnisse!

    Für den normalen Surfer ist das optimal. Für SEO-Isten und Werbetreibende bedeutet das doch nur, dass sie selbst auch eine bessere Qualität abliefern müssen.

    Wenn andere SuMas durch höhere Besucherfrequenzen mehr User-Signale hätten, würden deren Ergebnisse sicherlich kaum anders aussehen.

  • Ein anderes Gedankenspiel. Was wäre, wenn eine andere Suchmaschine wie es CENTIL war, die Nutzer dazu bewegen könnte, mehrheitlich diese zu nutzen und nicht mehr nur ausschliesslich Google? Die Folge wäre, dass Unternehmen vermehrt Werbung in dieser neue Alternative Publizieren. Das führt wiederum dazu, dass Leistungsangebot zu erweitern. Was wiederum zu Verbesserungen und damit wieder zu einer weiter ansteigenden Benutzerzahl führt, usw.
    Fakt ist jedoch, die meisten Unternehmen konfigurieren die Client Browser immer mit Google als Standard-Einstellung. Hinzu kommt, dass ohne staatliche Subvention oder entsprechenden Investoren ein Aufbau einer besseren Suchmaschine vollkommen unmöglich ist. Allein die Stromkosten für die Server wären für ein Startup nicht finanzierbar. Dann müsste massiv in Werbung investiert weden.
    Yahoo kann man als Suchdienst vergessen, wurde ja verkauft. Echte Alternativen sind also nur noch Yandex (mit fadem Beigeschmack bezüglich Geheimdienste) und Bing (Technologische Weltmacht USA).
    Dann stellt sich die Frage, wie sich die Milliarden an Werbegelder ,die in die USA fliessen, sich auf die europäische Wirtschaft auswirken? Ich befürchte ein langsames Ausbluten der europäischen Finanzen. Nebst dem imensen Datenvolumen, welches jährlich Google gratis geliefert wird. Google weis mehr über europäische Firmen, als diese Firmen selber wissen.

  • Hallo,

    vielen dank für diesen Artikel.

    Ich denke, den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, was google eigentlich leistet oder eben nicht. Und welche Gefahren aus einer Monopolstellung erwachsen. Unabhängig davon, ob diese nun freiweillig oder unfreiwillig entsteht.

    Letztendlich hat jeder ja die freie Wahl, ob er google, yahoo, bing oder sonst wen nutzt!

  • Ein kleiner Teil von mir teilt die Ängste, die durch das Google-Monopol entstehen, zumal wir all das bereits in alten 80er SciFi-Horrorfilmen gesehen haben.. auf der anderen Seite besteht bei mir noch die Hoffnung, dass Google einfach nur eine gute Firma ist die gute Services gegen gute Werbung bietet.

  • Google hat eine Monopolstellung in meinen Augen. Ob das so gut ist sei mal dahin gestellt. Generell sei gesagt das Google eine gut geführte Firma im Silicon Valley ist.

  • Hallo Mario,

    ich bin auf deinen interessanten Artikel gestoßen. Finde ihn sehr hilfreich. Vor allem aber deine Erläuterungen zum Google Monopol im Suchmaschinenmarkt, finde ich mehr als gelungen und sehr empfehlenswert. Danke dafür. Hat mich echt inspiriert.

    Liebe Grüße
    Timea

  • Das Google aktuell die beste Suchmaschine ist, steht ja außer Frage. Das dies von Google auch hart erarbeitet und verdient ist auch. Das alles spielgelt sich auch in den Nutzerzahlen. Dadurch gibt es natürlich Vorteile in der SEO Optimierung.

    Die Vor- und Nachteile aber nur auf die Such- und Findtätigkeit zu begrenzen ist zu kurz gesprungen. Google erhält durch die Suchmaschinen eingaben einen unschätzbaren Vorteil an Nutzerdaten. Beschäftigen Sie sich mal damit was solchen Konzernen heute bereits bekannt ist.

    Das geht vom Haushaltseinkommen bis zu den Hobbys. Daher wäre eine echte Alternative wirklich nicht schlecht.

  • Wie im Artikel richtig erwähnt ist Google ein kostenloses und freiwilliges Angebot.

    Es gibt sogar (ich nenne Sie mal Proxy-Seiten) die Google Anfragen anzeigen, jedoch sämtliche Nutzerdaten nicht weitergeben (Der Nutzer kann also nicht identifiziert werden). Doch mal ehrlich wer würde sich denn berhaupt die Mühe machen mal einen Nschmitttag nach alternativen zu recherchieren?

    Ich finde es schon schwierig, das Google teilweise für ein Angebot abgetraft wird, das nicht-essenziell ist und freiwillig erbracht wird.

  • Hallo,

    vielen dank für den tollen Artikel.

    Die Menschen haben ja die freie Wahl, welche Suchmaschinen zu nutzen.. Vielen ist nicht bewusst, wie mächtig Google ist und durch einen Fehler das Ranking leiden kann.

    Viele Grüße

  • Ich finde auch, der User entscheidet letztlich wer das „Monopol“ inne hat.
    Für mich persönlich liefert Google die besten Ergebnisse. Natürlich muss man bedenken, wie Google das schafft. Im Netz bezahlen wir alle mit unseren Daten. Wir müssen den gebührenden Umgang damit lernen!

  • Alles hat Vor – und Nachteile….. jedoch überwiegen meiner Meinung nach die Vorteile von Google gegenüber deren Nachteile!!!

    LG

  • Ich denke, aus Sicht eines Webseitenbetreibers, eine andere Suchmaschine als Google in Betracht zu ziehen ist durchaus schwierig. Für manche Webseiten macht es durchaus Sinn sich mit anderen Suchmaschinen zu beschäftigen, einfach weil die Konkurrenz nicht zu stark ist.

    Dennoch ist es für viele Betreiber auch einfach eine Art Statussymbol bei Google schnell gefunden zu werden. Seinen Kunden erzählen zu können, „google mich und du wirst mich schnell finden“ ist meiner Meinung nach deutlich mächtiger als „schau doch mal bei Bing“.

  • Hallo,
    Danke erst einmal für diesen Blogbeitrag und die Denkanstöße. Aktuell konzentriere ich mich voll auf google, als einzige Suchmaschine. Nummer 2 wäre bei mir Bing, aber alle anderen sind meiner Meinung nach die Mühen nicht wert. Vielleicht kann man das mit dem 80:20 Prinzip vergleichen. Ich arbeite im Vertrieb und da ist es definitiv so, dass 20% der Kunden 80% Umsatz erwirtschaften. Man kennt in diesem Zusammenhang ja auch die ABC-Klassifizierung von Kunden oder eben – in diesem Beispiel – von Suchmaschinen. Bin ich bei google gut positioniert, bekomme ich einen gute Portion Traffic, den ich über die kleineren Suchmaschinen niemals erreichen würde, acuh nicht bei einem noch so guten Ranking.

  • Je nach Region, Z.b In Russlan und ganze da Länder knapp 70% ist yandex.ru nicht google =)

  • Also meine Meinung nach, Google müsste verdammt viele Fehler machen um nicht mehr als erste Suchmaschine zu bleiben. Momentan sieht es für mich nicht danach aus, Google liefert Top Ergebnisse und tut viel für den Image.

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