Gekaufte links – beginnt nun die Abstrafung?

Vor gut einem Jahr hatte ich in meinem Blog gewarnt, dass es für Domains wahrscheinlich bald eng wird, die massiv Links einkaufen. Google hat ja schon länger angekündigt, dass man 2011 sehr viel härter dagegen vorgehen wird und es könnte durchaus sein, dass es jetzt los geht mit den Abstrafungen…Erst letzte Woche hat es ein Schwergewicht in den USA getroffen. J. C. Penney wurde von Google wegen gekaufter Links abgestraft. Viele interessante Platz 1 Treffer wie z. B. „dresses“ ranken nun erst ab Position 71. In meinem Post im März letzten Jahres hatte ich ja von der Erweitung des Meldeformulars in den Google Webmastertools berichtet, das um den Topic „gekaufte Links melden“ erweitert wurde. Zumindest bei J. C. Penney lief das Verpetzen aber hochoffiziell ab: Die New York Times (Quelle) berichtete, dass der Modehändler wohl massiv minderwertige Links gekauft hätte, um das Ranking zu verbessern. Matt Cutts von Google hat umgehend reagiert und die Domain bestraft.

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Diese Woche hat es nun forbes.com erwischt. Nicht wegen Linkkaufs, sondern wegen LinkVERkaufs.

Matt Cutts sagte dazu “ My recommendation would be that Forbes remove the paid links that pass PageRank. I should mention that I believe we have another example of paid links that pass PageRank on Forbes which is similar to forbes.com/ebusiness/ , so it probably makes sense to do a full check of your site for any links similar to that or powered by the same network“ (Quelle)

Da auch in Deutschland nicht wenige Zeitschriften- und Verlagssites mehr oder weniger offen Links verkaufen – sogar in extra dafür geschriebenen „Fachartikeln“ und richtig heftig mit In-Text-Links, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch das auf den Schirm von Google gelangt. Die Betreiber größerer Websites, die sich in stillen Besprechungszimmern Gedanken machen, wie man die Bekanntheit der eigenen Site wohl noch besser monetarisieren könnte, unterschätzen wahrscheinlich die Transparenz im Web. Und sie unterschätzen relativ sicher, dass ihr Tun bei Experten nicht unbemerkt bleibt. So wird auf diversen SEO-Treffen immer wieder mal über wirklich unglaublich freche Aktionen großer Domainnamen diskutiert. Kurz, die Szene weiß in der Regel relativ genau, was läuft. Solange das Google´s Algorithmen verborgen bleibt, scheint alles in Ordnung.

Man muss ich allerdings fragen, ob Google denn weniger Analysemöglichkeiten hat, als Klein-Kalle, der schon mit billigen SEO-Werkzeugen solchen Machenschaften recht schnell auf die Spur kommt. Die Frage kann man getrost mit nein beantworten. Dem Vernehmen nach hat Google für das Spam Fighting Team einen eigenen „Browser“ entwickelt, der beim Aufruf einer Website sämtliche relevanten Kennzahlen und Signale praktisch „live“ mit anzeigt. Das Nachrecherchieren und der Drill-down in Linknetzwerke wird somit bedeutend einfacher. Oops.

Dazu kommt, dass Google dafür bekannt ist, menschliche Erkenntnisse bzw. Erkenntnismuster in oft geniale Algorithmen umzugießen. Das ist nicht immer einfach, muss sauber entwickelt und getestet werden – aber schließlich kommen die neuen Filter dann und werden auf das gesamte Web ausgerollt. Das ist auch der Grund, warum Black-Hat Techniken oft so lange funktionieren und die Verwender sich relativ sicher damit fühlen. Fakt scheint aber nun zu sein, dass die Spam Fighter einfacher, schneller und besser Linknetzwerke aufdecken können und die Maschine damit am Ende nun ungleich schneller „lernen“ kann, wie man diese Black Holes auch schneller automatisiert finden kann!

Angekündigt hat Google für 2011, insbesondere gegen die folgenden Dinge massiv vorgehen zu wollen:

Seiten, die ausschließlich für Adsense gemacht wurden und erkennbar dünnen Content haben
Seiten, die Keyword-Stuffing betreiben (das „Vollstopfen“ mit Suchbegriffen)

Seiten mit versteckten Texten oder versteckten Links

Tippfehler-Domains, die auf Fehlschreibung bekannter Domainnamen abzielen

Linkfarmen

Cloaking und unsauberer Weiterleitungen

Wenn Sie all diese Techniken nicht einsetzen, brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen. Oder doch? Sind Sie sicher, dass Ihre Web- oder SEO-Agentur wirklich sauber arbeitet? Sind Sie informiert darüber, was die für Sie da im Hintergrund wirklich treiben? Sind Sie sicher, dass Umleitungen und Programmierung wirklich sauber sind und sich die Site nicht unschuldig als Kollateralschaden in einem Spamfilter verfängt? Erst wenn Sie auch diese Fragen für sich selber mit „ja“ beantworten können, sind Sie tatsächlich (relativ) sicher.

Einige der durchaus auch bekannteren SEO-Agenturen sind in der Szene ebenfalls bekannt dafür, dass sie für ihre Kunden den einfachen Weg gehen, nämlich Links zu kaufen. Als echtes SEO kann man das wohl weniger bezeichnen, eher als makeln. Aber von der Courtage (Linkeinkaufspreis/Weiterverrechnung) kann man -solvente Kunden vorausgesetzt- ja auch ganz gut leben. Es bleibt also spannend, was dieses Jahr für solche Arbeitspraktiken an Überraschungen bereit hält…

Am Schluss noch ein wichtiger Hinweis. Auch forbes.com hat übrigens via Google Webmaster Tools einen Hinweis über die gefundenen, unsauberen Maßnahmen bekommen. Stellen Sie daher in jedem Fall sicher, dass Sie auch tatsächlich für Ihre Domains dort angemeldet sind und checken Sie regelmäßig eventuelle Meldungen dort. Da Google manchmal vorzeitig informiert, kann man ggf. noch Gegenmaßnahmen einleiten und eine Strafe vermeiden.
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Bildnachweise: Fotolia /ioannis kounadeas /skvoor

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