Website Boosting 2.0 - Weblog

Der Weblog für das Buch Website-Boosting 2.0 von Mario Fischer

Google Analytics - wird es jetzt rechtlich eng?

Über Google Analytics hatte ich ja schon mehrfach berichtet. Zuerst im August 2006 hier im Website Boosting Blog. Ich wies auf die möglichen Gefahren für deutsche Webmaster beim Einsatz hin - eben weil wir hier ein besonders strenges Datenschutzgesetz haben. Nach zwei Jahren ist man nun wohl offiziell aufgewacht. So scheint es zumindest...

Heise berichtete schon letztes Jahr, dass das Berliner Amtsgericht das Speichern von personenbezogenen Daten verbietet.
Nun kommt die Internet World wieder (von der wir ja mittlerweile wissen, dass sie nicht immer die sorgfältigsten sind, was die Recherche angeht. Guckst Du hier.) und tituliert:

"Datenschützer halten Google Analytics für rechtswidrig". Die Datenschützer fordern die Unternehmen auf, dieses Tool nicht mehr einzusetzen.

Natürlich fehlt mal wieder der Link zu der Quelle. "Datenschutz-Berlin" warnt tatsächlich vor dem Einsatz von Analytics. Aber schon etwas länger...

Was ist aber nun wirklich Sache?


In dem Blogbeitrag vor zwei Jahren hatte ich es ja schon erwähnt. Man muss zwei Dinge auseinander halten:

1. Ist das Speichern einer IP-Adresse ein personenbezogenes Datum?

2. Kann bei einem Besuch auf einer Website wirklich eindeutig ein individueller Mensch "erkannt" werden.

Zu 1: Da ist die Rechtsprechung noch uneinig. Meine Meinung: Jein. Mit einer IP-Adresse kann weder Google, noch der Seitenbetreiber im Hinblick auf einen Menschen etwas anfangen. Kriegen Sie doch mal raus, wer hinter genau 84.56.112.223 steckt (nicht der Provider, sondern wer da vor 2,7 Monaten an einem Rechner saß und diese IP verwendet hat)? Normalerweise geht das eben nicht. Es geht nur mit dem Staatsanwalt, wenn krumme Dinge gemacht wurden. Also: Für den Website-Betreiber bleibt die IP Adresse eine Nummer und ohne staatliche Hilfe kommt man nicht am den Menschen dahinter ran. Und selbst dann ist noch fraglich, ob der Rechner nicht von mehreren Personen benutzt wurde!

zu 2: Das geht bei den normalen Trackinganbietern meines Wissens nach nicht. Siehe 1. Aber bei Google haben wir den Sonderfall, dass die eben nicht nur das Tracking anbieten, sondern auch Werbung "verteilen". Damit bekommen über Cookies gesammelte Profile einen wirtschaftlichen Wert. Dagegen ist noch nichts zu sagen. Hat man allerdings ein Adwords-Konto bei Google (schaltet also selber dort Werbung), dann loggt man sich dazu dort ein. Surft man nun in diesem eingeloggten Zustand weiter auf eine deutsche Seite, die Google Analytics einsetzt, kann Google theoretisch "erkennen", wer da auf den Seiten von Firma Müller surft. Als Person. Mit Adresse.

Nach deutschem Recht hat der Webmaster einer Website Auskunftspflicht, welche Daten er über einen Besucher gespeichert hat. Setzt er Google Analytics ein (das kann man im Code der Seite erkennen) und ich war auf seiner Seite - kann ich ihn anschreiben, Auskunft über die über mich gespeicherten Daten verlangen und - hahaha, jetzt wird´s lustig: Ich kann die Löschung dieser Daten verlangen und er muss das machen und mir das bestätigen. Logisch, dass eine Mail an Google mit der Bitte auf Löschung wenig erfolgreich erscheint... Er kann seiner Rechtspflicht also nicht nachkommen. Was passiert nun? Beugehaft? Geldstrafe? Kitzeln, bis er umfällt?

Und: Dass der Webmaster von Fa. Müller (der Name ist rein fiktiv!) ohne meine ausdrückliche Zustimmung gar nicht meine personenenbezogenen Daten speichern darf bzw. Dritten (hier Google) das ermöglichen darf - davon will ich gar nicht reden. Da genügt es eben NICHT, im Impressum oder hinter einer verschweißten Stahltür im Keller mit der Aufschrift "Vorsicht - bissiger Löwe!" passiv einen Hinweis zu hinterlassen. Der Besucher muss aktiv beim Betreten der Seiten zustimmen, dass er möglicherweise hier als PERSON erkannt werden kann und sein Verhalten von Dritten aufgezeichnet und gespeichert wird! Ein Popup beim Betreten der Seite? Die Reaktion der Besucher kann ich mir lebhaft vorstellen. Zuklicken und schnell weg...

So. Um Punkt 1 streiten die Juristen noch. Punkt 2 haben sie noch gar nicht begriffen. Aber wenn sie sich schon beim ersten Punkt vor allen Amts- und Landesgerichten prügeln - was wird erst passieren, wenn sie erst mal den technischen Hintergrund und Unterschied in Punkt 2 verstanden haben?
Rrrrrichtig. Ich vermute, nach dem Bekanntwerden der ersten Urteile, die den Einsatz ohne aktive Zustimmung des Besuchers als rechtswidrig einstufen könnten, geht eine Klagewelle durch die Republik. Abmahnvereine und unseriöse Abmahnanwälte werden sich auf kleine, mittlere und auch DAX-Unternehmen stürzen, die Google Anayltics einsetzen.

Nur damit ich hier nicht falsch verstanden werden. Ich gehe nicht davon aus, dass Google diese Daten zusammenführt. Eine echte, postalische Adresse hinter einem Computer interessiert im Online-Marketing niemand mehr (das haben die alten Marketing-Traditionalisten nur noch immer nicht kapiert). Und ich weiß, dass Google den Datenschutz sehr ernst nimmt, weil die gesamt Reputation des Unternehmens an diesem Faden hängt! Wenn sie nachweislich Unsinn mit diesen Daten machen würde, kippt die Meinung der Nutzer ganz schnell in "böse" um und Gerald Reischl würde in Österreich Bundeskanzler. Das wissen die in Kalifornien natürlich auch....

Nur am Rande und zur Einschätzung der Lage: Verstehen die Datenschutzbeauftragen, die zum Teil ja warnen, denn wirklich etwas von der Sache? Der Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar hatte die Praxis, IP Adressen im Bundesjustizministerium zu speichern für unbedenklich erklärt - und vor Gericht eine Schlappe damit eingefahren. Dies erwähne ich nur um zu zeigen, wie verworren die Situation derzeit ist.

Google Analytics ist ein wirklich nützliches Tool. Und wenn man mit Adwords wirbt, sind die speziellen Analysemöglichkeiten fast unverzichtbar. Trotzdem muss sich jeder für sich selbst (bzw. für sein Unternehmen) klar werden, wie der mit dem Risiko umgeht. Ignorieren, weil die anderen das auch machen? Unwissenheit vortäuschen (weil: Die andern machns doch auch)? Die schützt bekanntlich vor Strafe nicht.
Ich denke aber auch, dass Google sich etwas einfallen lassen wird, sollte sich herausstellen, dass der Einsatz in Deutschland rechtlich nicht tragfähig sein sollte. Solange die Juristen Punkt 2 oben nicht begriffen haben, ist der Einsatz wahrscheinlich noch relativ unkritisch...

Was meinen Sie?

Stichworte:

War der Artikel für Sie wertvoll? Wollen Sie den Beitrag als Bookmark merken?
Einfach RSS-Feed abonnieren oder das Lesezeichen mit anderen Lesern teilen:

Geschrieben von Mario Fischer am 10.07.2008 | Kategorie: Aktuell, Stolperfallen

Kommentare & Anmerkungen

zum Beitrag: »Google Analytics - wird es jetzt rechtlich eng?«,
Trackback-URL: http://www.website-boosting.de/m4/mt-tb.cgi/863

Kommentare

1 | ich schreibt am 10.07.08 7:01:

"Surft man nun in diesem eingeloggten Zustand weiter auf eine deutsche Seite, die Google Analytics einsetzt, kann Google theoretisch "erkennen", wer da auf den Seiten von Firma Müller surft. Als Person. Mit Adresse. "

Halt ich nicht für möglich. Können Sie erklären wie das gehen soll? Der GA Cookie wird vom Seitenbeteiber und nicht von Google gesetzt!

@ich:
Loggen Sie sich mal bei einem Google-Konto ein. Dann erscheint rechts oben sogar die Mailadresse, mit der man sich angemeldet hat. Geht man auf andere Seiten und kehrt dann zu Google zurück, erscheint diese Mailadresse dann wieder sichtbar. Das meine ich mit "eingeloggten" Zustand. Vielleicht etwas knorre ausgedrückt - sorry. Nehmen Sie noch eine installierte Toolbar mit PR-Anzeige dazu, dann ist die Bewegungsanalyse perfekt...

3 | Trendsout schreibt am 10.07.08 8:05:

Ich sehe es so wie der Autor des Postings. Und wenn ich mich am Tag mehrere Male einloggen muss, ich mache es.
Es gibt auch andere Tracking-Tools. Leider hat Google bei vielen einen beonderen "Wahrheitsbonus". Für manche Sachen braucht man eben ein paar Daten zu Besuchern und Pageviews. Dann müssen eben diese Daten ausreichen.

4 | ich nochmal schreibt am 10.07.08 9:46:

Erstmal danke für die schnelle Beantwortung.
...
Loggen Sie sich mal bei einem Google-Konto ein. Dann erscheint rechts oben sogar die Mailadresse, mit der man sich angemeldet hat. Geht man auf andere Seiten und kehrt dann zu Google zurück, erscheint diese Mailadresse dann wieder sichtbar. Das meine ich mit "eingeloggten" Zustand.
...
Ja, logsich.
Google.com setzt nen Cookie und liest diesen wieder aus.

Eine andere Website die Google Analytics einsetzt kann diesen Cookie nicht auslesen.

...
Nehmen Sie noch eine installierte Toolbar mit PR-Anzeige dazu, dann ist die Bewegungsanalyse perfekt...
...
Sicher, steht ja so auch in den Nutzungsbedingungen.

Ola!

Ich finde es schon eine Weile merkwürdig, dass die gleichen Leute, die dem Staat mit Recht ungezügelte Datensammelwut vorwerfen, ihre Webseiten dann mit einer Datenkrake wie Google Analytics bestücken.

Mir sind die persönlichen Daten meiner Seitenbesucher so wichtig, dass ein Einsatz von Versendet-Daten-an-Dritte-Software nicht in Frage kommt. Offizielle Bedenkenträger brauchte ich für diese Entscheidung nicht!

Sicher mag Analytics praktische Funktionien haben, aber dafür im Netz die Hose runter lassen? Da kann ich ja gleich nur noch dort einkaufen wo es Payback-Punkte gibt und mir meine Kreditkartennummer auf die Stirn tätowieren lassen.

Mit hanfigen Grüßen
Steffen

Schon richtig.
Allerdings muss man sagen, dass die Tools, die mal selber einsetzen kann, bei weitem nicht den Funktionsumfang bieten.

Es kommt also immer auf die Prioritäten an.

Nun, DAS ist ja noch mal ein ganz anderes Thema... Aus SEO (Suchmaschinenoptimierung) betrachten viele Experten GA kritischer. Schließlich gibt man damit Google "Vollzugriff" auf die Webseiten. Auf alle Bewegungsdaten. Wo kommen Besucher her, wie lange bleiben sie etc. - vor allem hat Google ja den Vergleich mit vielen, vielen anderen Sites. Auch diese Daten (z. B. wer hat den meisten Traffic mit direkter Domaineingabe - statt über die Ergebnislisten von Google) könn(t)en zukünftig (oder jetzt schon?) ins Ranking mit einfließen. Das ist sicher nicht jedem Webmaster recht...

8 | ich noch einmal schreibt am 11.07.08 10:52:

Guggst Du auch hier...

http://www.rechtzweinull.de/index.php?/archives/76-Landesdatenschutzzentrum-Google-Analytics-verletzt-Datenschutzrecht-der-Webseitenbesucher.html

9 | Jena er schreibt am 11.07.08 12:15:

Bedenklich finde ich eher die Möglichkeit von Google, über Analythics erhobene Daten mit GoogleAccounts abzugleichen. Hier wäre die Individualisierung durchaus gegeben.

Ich habe nach einer kurzen Testphase sowieso von GA abgesehen. Jedoch eher aus dem Grund, dem großen Bruder (d.i. Google ;-) ) nicht zu viel Einsicht in miene Webstatisik zu ermöglichen.

10 | Patrick schreibt am 13.07.08 3:21:

hm, wahrscheinlich hab ich das unterschätzt, wenn die meisten tatsächlich nicht in der lage wären, weil sie sich damit nicht gut genug auskennen, wär's natürlich keine gute idee weil google dann der großteil der seiten entgehen würde.

Ich wollte Google jetzt wirklich nicht schlecht machen oder so, aber wieso meinen Sie, dass die bei Google so etwas niemals machen würden? weil es doch ne ganze Nummer zu dreist/unfair wär?

Nein, das traue ich Google nicht zu und das passt auch gar nicht zu ihrem Stil.

Im Dezember letzten Jahres waren wir bei G. in Hamburg. Dort hat nach einem Vortrag jemand gefragt, was G. dagegen tun wollte - weil es doch jetzt Plug-ins für Browser gäbe, welche die Anzeige von Adwords unterdrücken. Der Referent von G. war ehrlich erstaunt über die Frage und hat etwas verwundert gefragt, warum G. dagegen etwas tun solle? Wenn sich jemand ein Plug-in installiert, weil er keine Werbung sehen möchte.... warum sollte man ihn mit Tricks dazu zwingen, sie doch sehen zu müssen?

G. ist überzeugt, dass Werbung relevant und nützlich sein muss. Wenn die jemand nicht nützlich findet oder nicht haben will, braucht er sie auch nicht zu "ertragen". Die haben gelernt, dass ihnen "User first" das meiste bringt. Daher tun sich auch nichts, was die User verärgern oder vertreiben würde. DA liegt der strategische Hebel. Das wird ja oft übersehen, wenn man gegen G. als Monopolist schimpft. G. hat kein klassisches Monopol - und es gibt auch genügend Alternativen. Einfach eine andere Suchmaschine in die Browserzeile eintippen. Die Wechselkosten liegen da bei Null. Webmaster zwingen zu wollen, dass Sie Google-Analytics nutzen müssen - das wäre wirklich böse. Und ich denke auch, dass ihnen so eine Forderung extrem schaden würde. Daher bin ich sicher, dass die sowas nicht machen würden. Dazu sind sie viel zu schlau... ;-)

12 | Patrick schreibt am 13.07.08 5:13:

Hehe also ich wollte Google nicht als Monopolist beschimpfen (denke, dass haben Sie verstanden..aber nur falls es doch falsch rübergekommen sein sollte). Ich hab mich bloß gefragt was Google (oder eine andere beliebige Suchmaschine die den Markt so extrem beherrscht) eigentlich davon abhält das zu tun.

Dass mit der Werbung verwundert mich jetzt allerdings auch nicht, ich denke Leute die sich extra ein Plug-in installieren um keine Werbung zu sehen, gehören wahrscheinlich sowieso zu den Surfern bei denen es nie wirklich eine Chance gab sie zum Kauf zu bewegen (und wenn man ihnen trotzdem Werbung zeigt, erst recht nicht aus Trotz ;)).

Ist ja im Prinzip so wie beim Direktmarketing Offline. Da würde es wahrscheinlich auch absolut gar nichts bringen den Leuten, die sich einen Aufkleber mit "Bitte keine Reklame einwerfen!" auf den Briefkasten kleben, dann doch Werbung reinzuwerfen..man kann sich ja vorstellen was die dann damit machen ;-)

Aus Benutzer-Sicht ist Google natürlich kein Monopol. Ich denk zwar schon, dass Google wohl die Suchmaschine ist die die relevantesten Ergebnisse liefert, aber für den Surfer gäb es da natürlich schon jede Menge Alternativen...aber aus Webmastersicht würd ich schon sagen, dass Google fast ein Monopol hat, wenn 90% des Suchmaschinentraffics von Google reinkommt...wobei ich "Monopol" jetzt auch nicht negativ meine - ich hab größten Respekt davor was die bei Google auf die Beine gestellt haben und was für eine schier unbezwingbare Marktposition die erreicht haben.

Aber wahrscheinlich hab ich das einfach unterschätzt, dass sich das wohl auch bei den Usern rumsprechen könnte und was das auslösen könnte, wenn Google so etwas versuchen würde.

Danke für die Antworten!

Ein Monopolist zeichnet sich u. a. dadurch aus, dass er seinen Preis (in Grenzen) frei bestimmen kann. Das ist ja das Negative an Monopolen, dass dieser Monopolpreis über einem gleichgewichtigen Marktpreis liegt. Google liefert seine "Produkte" aber kostenlos. Und die Preise für Adwords bestimmen auch die Kunden durch Gebote. Auch hier legt G. nix fest (außer dem Mindespreis, der aber gewaltig steigen kann, wenn man irrelevante Keywords aufbucht). Das nur aus volkswirtschaftlicher Sicht am Rande.

Marktmacht auszunutzen hat noch keinem Monopolisten einen langfristigen Vorteil gebracht. Damit ruft man nur Mitbewerber auf den Plan, die in die Lücke verärgerter Kunden springen. Und die Presse zerreisst monopolistisches Verhalten meist in der Luft und macht damit schlechte Stimmung. Alles in allem scheint das also nicht angeraten. Auch wenn man eine große Marktmacht hat (Profis sprechen da immer lieber von Einfluss, statt von Macht ;-)

14 | Patrick schreibt am 13.07.08 8:15:

Aus SEO-Sicht kann das aber find ich genauso positiv sein wie's negativ sein könnte: Dadurch, dass man Google so einen Vollzugriff auf seine Daten gibt, kann man dann ja (angenommen man hat eine gute Seite) auch einen Vorteil erlangen.

Negativ ist das ja praktisch nur, wenn man im Vergleich zum Rest des Markts bei diesen Daten schlechter dasteht.

Dazu hätte ich mal eine Frage, die ich mir selbst nicht so ganz beantworten kann: Jeder Webmaster weiß eigentlich, dass seine Seite in Google erscheinen sollte, da der meiste Traffic ja heutzutage über Suchmaschinen kommt (und in Deutschland und anderen europäischen Ländern hat Google ja..über 90%?..des Suchmarktes).

Warum sagt Google jetzt nicht einfach: Benutzt Google Analytics oder erlaubt uns auf andere Art in eure Daten einzublicken oder ihr werdet nicht bei uns erscheinen?

Natürlich könnte man das dann diplomatischer formulieren wie "Bitte lasst uns in eure Website-Statistiken einsehen, das ist nur zu Eurem Vorteil, wir wollen die besten Seiten ranken und müssen deshalb auch solche Daten heranziehen um den besten Algorithmus zu entwickeln. Es ist natürlich keine Pflicht, aber wenn ihr es macht könnt ihr euch deutlich von der Konkurrenz absetzen, die das nicht macht."

Diese Botschaft dann an möglichst alle Webmaster zu verbreiten (kleiner Hinweis auf der Google-Startseite oder per W-O-M über Matt Cutts und gute vernetzte Blogs verbreiten) dürfte auch kein so großes Problem sein.

Jeder Webmaster der etwas auf seine Seite und seinen Content hält, würde das dann wohl machen damit ihm nicht der Großteil seines Suchmaschinentraffics von einem Tag auf den anderen wegbricht - es löst ja oft schon richtige Panik aus, wenn es mittelschwere Rankingveränderungen wegen eines möglichen Algo-Updates gibt (also würden die meisten dann wohl ihre Daten offenlegen außer sie haben Spam-Seiten oder anderweitig unterirdische Seiten).

Ich mein jetzt natürlich nicht, dass Google das machen sollte, aber wer so ein Quasi-Monopol hat kann das doch im Prinzip durchsetzen.

Wieso macht Google das nicht? Ist das mit dem guten Ruf problematischer als ich's mir vorstelle?

Kommt sowas vielleicht noch, wenn sie erstmal rausgefunden haben wie sie diese Daten effektiv in ihren Algorithmus einbauen können und dann richtig heiß auf diese Daten sind?

15 | Patrick schreibt am 13.07.08 8:20:

Wer das evtl. gesetzlich problematisch?

Vielleicht wartet man deswegen lieber erst ab bis ein größerer Teil der Leute G Analytics benutzt und bringt die Leute dann indirekt auf die Idee, dass das tatsächlich ein Ranking-Kriterium ist und seiten die ihre Daten preisgeben einen deutlichen Vorteil haben? auch dann denke ich würden wahrscheinlich sehr viele Webmaster ihre Daten an Google preisgeben um keinen Nachteil gegenüber der Konkurrenz zu haben.

@Patrick:
>>Ich mein jetzt natürlich nicht, dass Google das machen sollte, aber wer so ein Quasi-Monopol hat kann das doch im Prinzip durchsetzen.

Dazu muss man verstanden haben, wie Google "tickt". Meiner Einschätzung nach käme denen so etwas niemals in den Sinn. Und ich denke, das werden wir auch nicht erleben. Man darf auch nicht vergessen, dass viele Webmaster gar nicht in der Lage wären, so etwas einzubinden. Die werten heute noch Logfiles aus.

17 | Patrick schreibt am 14.07.08 6:26:

Hmm interessant, ich muss jetzt ehrlich zugeben, dass ich mich volkswirtschaftlich nicht gut genug auskenne um da mit zu argumentieren.

Das Google seine Marktmacht bei "Werbung" also Adwords nicht ausnutzen kann in dem das Schalten von Werbung beliebig teurer gemacht wird, ist klar..damit würde das Produkt ja für einen immer größeren Teil an Webmastern an sich nutzlos werden (da ab nem bestimmten Zeitpunkt die Kosten durch die Erlöse nicht mehr gedeckt werden).

Ich kann das auch bei gewöhnlichen (Fast-)Monopolsituationen nachvollziehen...z.B. könnte die Deutsche Bahn (ich hoff mal das ist überhaupt ein richtiges Beispiel für ein Monopol in der Branche) ihre Monopolstellung auch nicht einfach ausnutzen und die Preise beliebig anheben..dann würden die Leute auf Ersatz-Produkte oder Ersatz-Dienstleistungen ausweichen (doch lieber ein Auto kaufen und damit zur Arbeit fahren oder längere Strecken innerhalb Deutschlands per Flugzeug).

Aber im Web kann ich mir jetzt nicht vorstellen, was für eine Alternative es für den Webmaster zum Suchmaschinentraffic von Google geben könnte - solange Google 90% der Suchanfragen hat. Worauf würde die Webmaster-Community dann ausweichen? Linktraffic, Banner-Werbung, andere Suchmaschinen? ist ja keine Alternative.

Damit dass die Presse so ein Verhalten für gewöhnlich in der Luft zerreißt, kann ich's mir dann aber natürlich doch erklären: Wenn man überall hören würde dass Google die Webmaster zwingt Ihre Daten zu veröffentlichen (was für Daten das eigentlich sind und dass es sich um IP-Adressen ohne Namen, etc. handelt interessiert den Laien da wohl kaum bei dem empfindlichen Thema) könnte die Stimmung natürlich schon extrem kippen und die Leute könnten aus Trotz anfangen lieber mit ner anderen Suchmaschine zu suchen.

Ich seh schon, ich müsste wahrscheinlich einfach mehr über Monopole wissen - im nächsten VWL-Kurs pass ich besonders auf versprochen ;-)

18 | Patrick schreibt am 14.07.08 6:29:

aus Trotz..was schreib ich da..beim Thema Datenschutz wohl vielmehr aus Angst.

19 | thomas schreibt am 15.07.08 5:01:

Hallo,

ich sehe es ja immer noch so, dass eine einzelne IP die durch Aufruf eines Scriptes übertragen wird kein personenbezogenes Datum ist und daher dieses Geplänkel über GA eben nur Stimmungsmache ist.

Aber wenn die IP doch generell ein personenbezogenes Datum ist, dann ist für den Bereich Internetmarketing ein weitaus größeres Problem vorhanden.

So wie bei GA die IP übertragen wird um ein Script von Google "nachzuladen" geschieht dies auch bei anderen Tackinganbietern, Affiliateprogrammen, Adwords, Bannern, Wetterkarten, Flashdateien, etc...

Etwas ausführlicher hier:
http://blog.datenschutzberatungen.de/2008/07/11/das-problem-datenschutzer-prufen-die-rechtmasigkeit-von-google-analytics/

@admin: wenn die Verlinkung nicht gewünscht ist einfach rausnehmen und evtl. den Inhalt hineinkopieren.

Grüße
Thomas

Tja, wenn die Herren Sachverständigen und Richter tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass ein (teilweise temporärer) Verbindungsknoten im Internet tatsächlich ein personenbezogenes Datum wäre... dann haben wir im Web ein RICHTIGES Problem.

Das kann ich mir aber nicht vorstellen. Einzelne Gerichte mögen so urteilen. Aber die höheren Instanzen heben solche Fehlurteile in der Regel wieder auf. Wenn man manche Gerichtsurteile von einigen Amtsgerichten in Sachen Web liest, kann man oft wirklich nur den Kopf schütteln. Es wurde ja auch schon "festgestellt", dass die Zusendung einer Double-opt-in Mail (zur Newsletteraktivierung) schon als unerlaubte Mail zu werten wäre. Und dass man die Erlaubnis zur Newsletterzusendung eben per Post oder Fax mit Unterschrift einholen müsse. Solcher Unsinn wird meist schnell von sachkundigeren Landesgerichten oder dem BGH gekippt.

Also im Klartext heißt das doch für den privaten Webseitenbetreiber ersteinmal ruhe bewahren und abwarten wie sich die Lage entwickelt. Und wer das Risiko ganz ausschießen will benutzt halt ein anderes Statisktiktool. Da gibt es ja auch genügend auf dem Markt. Wenn auch nicht in dem Umfang wie Google Analytics das liefert. Aber für den Privatmann sollte das in den meisten fällen doch reichen.

22 | Josef schreibt am 25.07.08 10:21:

Das WDR Magazin Monitor hat in seiner aktuellen Ausgabe vom 24.07. einen Bericht über Google und den Dienst Analytics gebracht. Zwar wurde hier nicht auf die Problematik dieses Artikels eingegangen aber interessant auf jeden Fall.

Der Bericht kann über folgenden Link angesehen werden:
http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtvextrakt.phtml?p=400&b=038&ex=3

Vielen Dank für den Link! Leider wird dort wie immer wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass Google durch das Nutzen der Suchabfrage (die 18 Monate gespeichert wird - wie bei anderen Suchmaschinen übrigens auch) weiß, was der einzelne Mensch macht, was ihn interessiert, welche Vorlieben er hat. Das ist so natürlich blanker Unsinn, der halbinformierten Journalisten einfach nicht auszureden ist. Welcher PC hinter einer IP-Adresse steckt bekommt man nur über den Staatsanwalt raus. Und nur im Einzelfall. Und nur beim dem dringenden Verdacht einer Straftat. Dass Google unser aller echte Namen - uns als Menschen kennt. Das halte ich für reine und völlig unbegründete Panikmache. Aber beim ebenfalls nur halbinformierten Normalnutzer (klar, ist auch nicht seine Aufgabe, alles über das Web zu wissen) kommt Panikmache und Drohgemälde halt gut an. Ein gewisser Herr aus Österreich hat das mit seiner "Publikation" ja auch bewiesen, dass diese Mechanismen prima funktionieren. Make shit - a Hit!

24 | blondie schreibt am 27.07.08 1:55:

Zitat : Es geht nur mit dem Staatsanwalt, wenn krumme Dinge gemacht wurden. Also: Für den Website-Betreiber bleibt die IP Adresse eine Nummer und ohne staatliche Hilfe kommt man nicht am den Menschen dahinter ran.

Das kriegt der [Staatsanwalt] nie raus. Man(n) kann immer nur den Computer bzw. den Anschluß ermitteln. Viele Gedanken zu diesem Problem hat sich auch Jörg Wittenberger (http://www.askemos.org/Adc5dd0c30f6e63932811ed60e019bb2d/) gemacht.

25 | Bodo schreibt am 30.07.08 7:46:

Es gibt eine gute Alternative zu Google Analytics, http://www.piwik.org/, aktuell noch in der Betaphase, hat es schon viele Features wie Google und läuft auf dem eigenen Server. Entwickelt wird diese Software unter anderem von Leuten, die bei Google und Amazon arbeiten, also Ahnung von der Materie haben.

26 | gabel schreibt am 31.07.08 11:32:

Schöner Artikel, nur dass clickdensity ebenso auf meiner no-script liste steht wie google-analytics... ;)

@Bodo danke für den Tip mit piwik, das scheint wirklich Potential zu haben.

Hallo Mario,
da der Trackback vermutlich nicht funktionieren wird. Mich würde deine Meinung hierzu interessieren, als Folge zu deinem Artikel: http://www.seo-scene.de/tools/sechs-gruende-gegen-google-analytics-156.html

28 | Ralph schreibt am 30.08.08 11:08:

Zitat: "Dass der Webmaster von Fa. Müller (der Name ist rein fiktiv!) ohne meine ausdrückliche Zustimmung gar nicht meine personenenbezogenen Daten speichern darf bzw. Dritten (hier Google) das ermöglichen darf - davon will ich gar nicht reden."

Wie soll Google an die personenbezogenen Daten gelangen? Kann es sein, dass Sie diese mit den Nutzerbezogenen Daten verwechseln?

Ralph

@Ralph: Na das geht nur bei Leuten die auch einen google-Account haben und während des Surfens dort eingeloggt sind.

@Torsten und Ralph: Rrrrichtig...
Da der Webmaster ja aber nicht weiß, ob ich einen Googleacc. habe, müsste er konsequenterweise alle Besucher nach der Zustimmung abfragen.

31 | Gerd-E. schreibt am 15.09.08 4:48:

Um da Unsicherheiten aus dem Wege zu gehen, setzte ich derzeit auf Woopra und kann den User noch mit einem Livechat ünerraschen ;-)

32 | Anonym schreibt am 20.06.09 11:23:

lollllloollolollol google also wirklich... lol

Einen Kommentar schreiben ...