Website Boosting 2.0 - Weblog

Der Weblog für das Buch Website-Boosting 2.0 von Mario Fischer

Bei TUI online buchen? Ja, aber nur unter 50 Jahren...

Sie würden ja gerne. Die sogennanten "Silver Surfer" (> 50 Jahre) haben Zeit und Geld. Aber wenn sie online eine Reise buchen möchten - dann gute Nacht...

Die Agentur Syzygy hat die Ergebnisse einer Nutzungsstudie veröffentlicht. Dort wird den deutschen Reiseportalen ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Zu Recht.

Die Portale sind so kompliziert, dass es fast drei Viertel (73,6%) der 50-64-jährigen nicht geschafft haben, tatsächlich eine Reise online zu buchen.

Den Vogel schießt wohl die Usability von TUI ab. Dort hat es keiner der Testpersonen geschafft, eine Reisebuchung zu vollenden. Die über 50-jährigen verreisen fast mehr als das Doppelte der Restbevölkerung - aber scheinbar sind die Anbieter im Web noch immer nicht in der Lage, für diese attraktive Zielgruppe entsprechend einfach zu bedienende Webseiten zu erstellen.

Fazit: Entweder ignorieren die Anbieter ältere Menschen bewusst oder sie wissen einfach nicht, welches Geschäft ihnen hier entgeht. Abhilfe hätte schon längst ein ehrlicher Usabilitytest geholfen - aber es müssen erst wieder Dritte kommen, die auf solche Missstände aufmerksam machen. Natürlich hätte man sich auch selber fragen können, warum so wenig ältere Kunden buchen. Aber so lange die Visits passen... ;-) Selber genauer hinsehen? Selber genauer hinsehen!

Randbemerkung:
Der Fairness halber muss man natürlich erwähnen, dass Syzygy das möglicherweise als eigenes Marketinginstrument nutzt. Die Ergebnisse der Studie werden auf der OMD (Online Marketing Düsseldorf) vorgestellt - zusammen mit der Empfehlung, dort doch mit den Usability-Experten zu sprechen.
Aber Eigeninteresse hin oder her. Wer mit einem offenen Auge surft, sieht die Unzulänglichkeiten der Reiseportale auch so. Zählen Sie nur einfach Ihre Ärgerpunkte zusammen. Die laufen nämlich auch bei den unter 50-Jährigen auf...

Hier der Link zur Zusammenfassung der Studienergebnisse.

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Geschrieben von Mario Fischer am 07.09.2007 | Kategorie: Usability testen

Kommentare & Anmerkungen

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Kommentare

Leider erfährt man nicht, warum die Leute bei TUI keine Reise buchen konnten. "Gestaltungs- und Programmierfehler" ist ja auch ein sehr dehnbarer Begriff. Sollten die Testpersonen z.B. mit dem T-Online Browser unterwegs sein (den auch viele meiner "Silver Surfer" im Bekanntenkreis aus Unkenntnis oder Bequemlichkeit nutzen (da bei der T-Online Installation automatisch eingerichtet)), dann wundert es mich nicht.

2 | Billy schreibt am 8.09.07 7:43:

Ich würde auch gerne wissen was genau der Grund für das Kapitulieren war. Ich habe mir gerade die TUI-Seite angeschaut. Man hat doch ein recht überschaubares system(ziel, dauer, datum, kinder..) direkt auf der Startseite?

Was mich auch interessieren würde ist wie die neue Seite für Tuifly abschneidet. Für mich war sie sehr überschaubar und einfach zu bedienen(ich bin aber 23).

Naja, also wenn einer mit den Begriffen Pauschalreise und Ferienhaus nichts anzufangen weis, dann muss ich mich fragen, ob er überhaupt eigenständig eine Reise buchen sollte. Der ist dann wirklich am besten im Reisebüro aufgehoben - sofern er diesen Begriff richtig zuordnen kann. Und nicht denkt, dass dies ein Büro ist, im dem viel gereist wird.

Ob allerdings die Kataloge der Reiseveranstalter übersichtlicher und selbsterklärender sind....20 Seiten kleingedruckte Tabellen am Ende des Kataloges mit Hinweisen auf "Frühbucher-Rabatt", der aber nicht über Ostern gilt (weil da ist Ferienzeit und man kann die Preise schön erhöhen), Kategorie A,B,C.....Familien-Rabatt geht nur bei 2 Kindern...usw. Ob die "Silver-Surfer" da besser durchgestiegen wären? Das wäre mal ein schöner Test: der gleichen Person den Katalog von TUI vorlegen und die Webseiten - und dann die günstigste Reise zu einem bestimmten Termin in ein bestimmtes Hotel finden lassen. Wetten, dass der Katalog genauso schlecht oder gut abschneiden würde wie das Internet?

Wenn ich mich die in die Welt des Internets einlasse , werde ich automatisch mit ein paar Begriffen konfrontiert, mit denen ich mich als User auseinandersetzen muss. Das fängt bei den Begriffen Internet, online, Browser, E-Mail usw. an und hört noch lange nicht bei Trackback, RSS-Feed, Newsletter oder Usability auf ;-)

Mir ist klar, das wir alle "Fachidioten" sind, die tagtäglich damit arbeiten. Auf der anderen Seite muss aber die Person, die mit bestimmten Begriffen nicht klar kommt, sich entweder einarbeiten, helfen lassen oder sie nimmt Dienstleistungen von Leuten in Anspruch, die davon was verstehen. Dafür gibt es ja in diesem Fall die Reisebüros.

Dass die Seiten der Reiseanbieter alle nicht perfekt sind, ist mir auch klar. Ich ärgere mich auch oft die Auswahlmöglichkeiten, die es gibt und/ oder nicht gibt. Oder dass ich Ergebnislisten angezeigt bekomme, wo ich dann noch einmal auf "Verfügbarkeit prüfen" klicken muss um dann zu erfahren, dass alles ausgebucht ist.

Auf der anderen Seite habe ich die Möglichkeit, zu Hause mich über verschiedene Angebote zu Informieren - anstatt im Reisebüro einer Fachkraft gegenüber zu sitzen, die - meist hinter dem Monitor versteckt - permanent in die Tastatur hackt und mir dann ab und zu einen Ausdruck hinlegt oder einen Katalog mitgibt und sagt "Schauen Sie sich den doch erst einmal in Ruhe an"

Naja... ein ganz klein wenig liest sich das wie "Wenn Du bei mir Geld abgeben möchtest, musst Du Dich aber schon ein wenig anstrengen.."

Erleben wir das nicht überall um uns rum? "Come in and find out"? Die pferdebezopften Marketeers denken sich in Ihrer Agenturwelt Slogans aus, die die kaufende Hausfrau mit "Kommen Sie rein und finden Sie wieder raus" übersetzt? Konnte sich auch keiner vorstellen. War aber so. Erst eine Studie brachte Douglas zum Umdenken.

Sie können sich nicht vorstellen, dass nicht jeder "Pauschalreise" richtig definieren/zuordnen kann? Ich nehme an, Sie haben sehr viel selbst mit Reisen zu tun? Das geht uns allen so. Begriffe des vermeintlich Alltäglichen verstehen Branchenfremde eben nicht immer. Wir erleben das (diese Überschätzung der Kunden) fast täglich bei Tests. Wer nicht weiß, was eine Pauschalreise (Katalogreise? Komplettangebote?) kann getrost ins Reisebüro gehen? Das wird er sicherlich auch tun. Weg der Umsatz. Ich befürchte, die hohe Zahl derer, die sich im Web "eh nur informieren und dann im Laden kaufen" ist nur deshalb so hoch, weil das Kaufen noch immer so schwierig ist für die breite Masse... :-(

Bei Katalogen geben ich Ihnen aber uneingeschränkt Recht. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das nicht gewollt ist. Schließlich soll der Kunde ja zurück ins Vertragsreisebüro und DORT buchen. Nicht selten haben selbst die dort diverse Probleme mit den Abkürzungen und "Sonder"-Erklärungen...

@Billy

Näheres werden die wohl erst auf der Messe vorstellen. Aber von unseren eigenen Usabilitytests weiß ich, dass normale User über Dinge stolpern, die sich die Designer beim besten Willen nicht als problematisch vorstellen können.

Da steht z. B. irgendwo "scrollen Sie..". Einige Tester heben die Augen und sagen laut "Was ist denn scrollen...?".

Das kommt daher, dass wir, die wir täglich mit dem Web zu tun haben, ständig Leute um uns haben, die auch Webianer sind. Wir reden dauernd (oder fast dauernd) über diese Dinge. Für uns sind sie selbstverständlich. Menschen, die sich einen Computer gekauft haben, weil sie ab und zu surfen wollen, haben oft ein solchen Infonetz nicht in der Bekanntschaft. Sie sind bei der Nutzung auf sich alleine gestellt.

Wenn ich mir die TUI-Startseite ansehe, geht das schon los. Unter Punkt 1 soll muss ich mich schon in DEREN Denkwelt einarbeiten. "Pauschalreise" (was ist das eigentlich genau? Klingt das nicht irgendwie total negativ und billig?) oder z. B. "Ferienhaus". Hmmm... Dann gibt es offenbar keine Pauschalreisen mit Ferienhäusern? Und warum darf ich dort nur mit 3 Kindern verreisen (es gibt nur 3 Pulldown´s für das Alter)?
Kann man in der Schweiz keinen Urlaub machen? Unter Reiseziele ist sie jedenfalls nicht aufgeführt. Man kann als Reiseziel auch "Fernreisen" eingeben. Hab mal in Google Maps geguggt, aber nicht gefunden, wo das nun genau ist.
Wähle ich ein Datum für die Hinreise poppt ein Fenster mit 2 Monatskalendern auf. Gut so. Nur der Rückreisemonat ist mit "Dezember" vorbelegt. Wir haben jetzt September. Was für ein Unsinn. Übersehe ich "Dezember" oben in der Leiste was leicht passieren kann hab dampft es schon.
Hinreise 17. Sept und Rückreise (vermeintlich!) 24. Sept (in Wirklichkeit aber Dezember).
Bestätigen.
Dann direkt darunter ein Pulldown, das mit "7 Tage " vorbelegt ist. Wird immer besser.
Nun noch 500.- € pro Person als Zielpreis eingeben.
Liste kommt.
Ich bekomme als erstes ein Angebot für den Airo Tower in Österreich, Wien (hab Ö als Ziel eingegeben - was Unsinn ist, weil mein meist in Städte und nicht in Länder will). Ankuft 24.9.07 bis 01.10.07....

Was passiert da? Auf der Startseite hieß es noch "späteste Rückreise" und im der Box nur "Rückreise" - das ist schon ein gravierender Unterschied, weil letzteres ein genaues Datum ist.
Man verstrickt sich also, weil die Benutzerführung schon auf der ersten Seite suboptimal ist - und kommt später nicht mehr mit den Ergebnissen zurecht.

Man muss kein Pessimist sein, um sich vorstellen zu können, dass viele Ältere Menschen UND auch jüngere mit wenig Weberfahrung damit Probleme haben können. Wurscht - solange die Umsätze bei TUI passen. Wenn nicht, können sie ja später (wie Dell auch) Reisen über WalMart verkaufen, um das fehlende Webgeschäft zu ersetzen... grins.

6 | Billy schreibt am 10.09.07 1:08:

Na gut,

im endeffekt sollte man also jedest system so oft wie möglich testen lassen, was? Und demnach jedes mal die Oberfläche so weit vereinfachen wie es nur möglich ist.

Wobei ich mir das vorstellen kann, dass es gerade für reiseanbieter eine schwierige Aufgabe ist. Man kann ja nicht neben jedem Angebot(wie z.b. pauschalreise) zwei Sätze erklärung schreiben. Da macht ja auch keiner mehr mit...

Hat ja auch keiner gesagt, dass das einfach ist.. ;-)

Wenn man bedenkt, wie viel Geld für solche Webseiten augegeben wird - regelmäßiges Testen würde noch nicht mal 5% des Budgets benötigen. Aber durch das Abstellen der groben Fehler (und bei TUI sind das Mega-Grob-Schnitzer, die man nach 5 Min. bereits findet) lässt sich der Umsatz weit überproportional zu den Zusatzkosten steigern.

Und "Pauschalreisen" muss man nicht erklären. Einfach einen anderen Begriff verwenden. Wenn ich nach Malle für 99 € incl. Vollpension fliege, ist der Gedanke an "Pauschal" vielleicht nicht so weit weg. Flieg ich aber auf das andere Malle (Malediven) und zahle ein hohe 4 stellige Summe - dann wirkt für den Buchenden/Suchenden die Bezeichnung "Pauschaltourist" sicher nicht schmeichelnd. TUI mag ihn intern so bezeichnen, aber er hört es sicher nicht gerne...

Versicherungen nennen die KFZ-Unfallgutachter auch intern "Trümmerdackel", scheiben aber trotzdem extern "Sachverständiger"... ;-)))

@ Susanne:
Den Deeplink auf finanznachrichten-de hab ich ausnahmsweise mal rausgenommen. Das war ein allzu offensichtlicher Spamversuch. Erstens ist die Mailadresse und IP schon unter Bloggern bekannt und zweitens finde ich eine so plumpe Art der Firmenwerbung nicht so gut. Entweder beschäftigt TUI jetzt Foren- und Blogtrolle oder eine externe Agentur wurde damit beauftragt. Wie auch immer - besonders intelligent geht man nicht vor. Wie scheinbar auch bei der Website ;-) Hmmm... wie wäre es denn mal damit, statt immer nur Geld rauszuwerfen, mal was für die Kunden zu tun? Usability und so? Besser, als sich über bezahlte Comments die Situation schön zu saufen.

9 | Susanne schreibt am 9.07.08 11:41:

Also ich habe auch online gebucht und bin wirklich mehr als zufrieden damit gewesen.

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