Neue Suchmaschine? Wichtig, wichtig, popichtig...
"Google und Microsoft investieren insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar in neue Serverstandorte. Die Infrastruktur der beiden Giganten soll mit dem wachsenden Datenverkehr im Internet Schritt halten." schreibt Klaus Patzwaldt in seinem Weblog. Umso alberner klingen...
... die vielen Pressemeldungen, die den Start neuer Suchmaschinen bejubeln - die endlich das Monopol von Google brechen könnten. Ein Monopol ist ja der natürliche Feind des Journalisten und da aus Google nicht viel herauszubekommen ist... Infokrake und Datenschutzgau sind da noch die harmloseren Bezeichnungen. Wenn sie (die Journalisten) allerdings wüssten, wie man in Google richtig recherchiert (z. B. gezielt in der Vergangenheit), wäre sicher der eine oder andere Politiker nicht mehr sicher. Das Motto "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern" trägt ja nur so lange, wie man sich nicht an gestern erinnert. Erstaunlich, was die Google-Recherche erbringt, wenn man mal mit "Daterange" (eine undokumentierte Google-Funktion ;-) über das damalige Maut-Desaster in den Protokollen des Bundestags sucht. Wie überheblich kritische Fragen zur Technik (z. B. die dezentrale "Echtzeit-" Stammdatenhalteung) abgeschmettert wurden - herrlich zu lesen, wenn man nun weiß, dass das erste Scheitern genau daran gelegen hat... Und aufschlussreich. Davon liest man aber in Spiegel und Co nix. Dafür drischt man auf einen der wichtigsten Informanten (Google) ein - nur weil er keine oder nur wenige Interviews gibt...
Wie auch immer. Google kann eigentlich nur eines gefährlich werden: Eine völlig neue IT-Technologie, mit der sich Daten schneller und billiger speichern und mit vielfacher Geschwindigkeit auswerten lassen wie heute. Dabei bleibt offen, ob Google diesen technischen Trendbruch verschläft. Oder ein völlig neuer, coningenialer Algorithmus zur Zusammenstellung der Suchergebnisse. Wobei sicher im Kopf behalten werden muss, dass man trotzdem noch die technische Kleinigkeit beherrschen muss, ein paar Milliarden Dokumente mal schnell weltweit verfügbar abzulegen und jeden Tag zu aktualisieren und neu zu berechnen.
In der traditionellen Industrie können wir ja immer wieder die Bewahrheitung von "Leaders tend to loose" beobachten. Jüngst hat sich die Handyindustrie ja wieder ihre wahre Ideenlosigkeit von einem Branchenfremden (Apple) vorführen lassen. Wer käme heute auf die Idee, mal eben mit einer neuen Idee BMW auf seinem angestammten Feld angreifen zu wollen und nun "bessere" Autos bauen zu wollem? Näää, das geht nicht. Dazu braucht man Masse - Produktionsmasse und Know How satt (welche Kunststoffmischung bleibt im Armaturenbrett auch bei minus 30 Grad noch klapperfrei?).
Ist das nicht bei den großen Suchmaschinen mittlerweile auch so? Sie haben GIGANTISCHE Serverfarmen über die Welt verteilt. Und so vernetzt, dass sie irgendwie alle miteinander Daten austauschen und gemeinsam rechnen. Alleine das ist schon beeindruckend. Und sie beschäftigen die brilliantesten Köpfe, die es sich dort auch noch so richtig gemütlich machen. Google wurde für 2006 zum beliebtesten Arbeitgeber gekürt. Ob man die da mit viel Geld wieder rauskaufen kann? So richtig gelungen ist das so weit ich weiß bisher nicht.
So sehr man sich mehr Wettbewerb wünschen mag. So sehr man unter dem Tatbestand leiden mag, in Google nicht so richtig gefunden zu werden (hey - das muss aber nicht sein!) So viele Argumente man auch gegen Monopole hat. Wir dürfen nicht vergessen, dass Monopolisten irgendwas besser machen als die Mitbewerber. Das Publikum, sprich die Nutzer stimmen ab - und haben die Macht, Unternehmen zu Monopolunternehmen zu machen. Fast schon demokratisch oder? Und wie in jeder Demokratie gibt es auch hier eine Opposition. Die warnt uns tagtäglich vor den schädlichen Folgen der Suchmaschinen-Monokultur. Und das ist auch gut so. Auch das darf man nicht vergessen.
Trotzdem erscheinen die neuen Suchmaschinen-Sternchen am Himmel - zuletzt das finanziell fast albern ausgestattete europäische Projekt "Quaero" als nichts anderes, als gigantische Geldverschwendung. Und hier ist es ggf. sogar unser Geld. Steuergeld. Was soll´s. Ob sie nicht an den Verkehr angeschlossene Brücken über Autobahnen bauen, feudale Verwaltungsgebäude oder eine "eigene" Suchmaschine. Letztlich ist es Ruinenförderung. Ein hübsches Wort.
Und vergessen wir nicht die Trägheit der Menschen:
Neue Suchmaschine? Nett. Wo finde ich denn die? Unter: www.google.de?
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Geschrieben von Mario Fischer am 05.02.2007 | Kategorie: Aktuell
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