Website Boosting 2.0 - Weblog

Der Weblog für das Buch Website-Boosting 2.0 von Mario Fischer

Warum werden Webseiten nicht getestet?

Keine Ahnung. Na ja, vermutlich liegt es daran, dass man meint, mit der Programmierung wäre es getan. Testen macht Mühe, kostet Geld und ist nur was für Beckenrandschwimmer. Da verzichtet man lieber auf auf ein paar (?) Kunden und lässt alles nach der Live-Schaltung so laufen. Umgekehrt liest man aber auch viel Gejammer, dass vieles nicht so läuft, wie man das gerne hätte. Beispiele gefällig?

Also los.

Nachfolgend sehen wir ein sog. Google Gadget, auf das mich freundlicherweise Frau Katharina Friedrich aufmerksam gemacht hat. Unternehmen bauen hier ein kleines Programm, das man sich in i-Google auf die eigene, personalisierte Startseite von Google setzen kann. Tchibo hat vorsorglich schon mal sechs solcher Gadgets programmieren lassen. Für die Powerkunden wohl, die kein Schnäppchen verpassen möchten. So weit, so gut:

Schade nur, dass man den Jeansrock (das Bild unten rechts) vor lauter BH-Gaffen nicht sehen kann, die rosa Sonnenbrille für 3,99 € kommt mir auch irgendwie unbequem zum Tragen vor. Wer bei der Wasser-Spielstraße für 29,90 € Schlechtes denkt, dem kann man das wohl auch nicht ver"denken". Tchibo macht´s möööchlich. Jede Woche eine neue Wasserstraße.

Neben einem kleinen Hihihi sollte man aber wieder mal nicht vergessen, dass hier richtige Kunden-Erde verbrannt wird. Man stelle sich vor: Die Kunden, die Tchibo mit ihrer Werbung auf die eigene, personalisierte Startseite von Google lassen - die tritt man so vor das Schienbein? Wie viele haben wohl auf "Schließen" gedrückt und die Nachfrage "Für immer?" mit einem achselzuckenden "Ja - kloar!" beantwortet?

Ein anderes Beispiel. Am 23. und 24. Juni ist in Hamburg die Search Engine Strategies Conference (SES). Der 23. Juni ist ein Montag und der 24. logischerweise ein Dienstag. Wer sich durch die Buchungsmaske der SES arbeitet und sich durch das selbständige Ändern der eigenen, eben eingetragenen Telefonnummer im Formular nicht abhalten lässt (das wird wirklich automatisch beim Verlassen des Feldes umgeknödelt!) - der muss sich von Hans-Dieter Hudeldesign schnell eines Besseren belehren lassen:


Der Montag und Dienstag ist dort ein Donners- und Freitag! Ach ja? Ich bin sicher, auch Ihre Kalender zeigen da beharrlich einen Montag an... Wieder problematisch: Wer nur einen der beiden Konferenztage buchen möchte, muss sich für Donnerstag oder Freitag entscheiden. Das Formular steht seit Monaten (falsch) im Web. Ob da noch keiner Bescheid gesagt hat? Wer so schlampig arbeitet, dem traut man vielleicht auch zu, dass die Karten dann tatsächlich auf den Donnerstag danach ausgestellt werden. Zwei Tage nach der Konferenz... ;-)

Fazit? Programmieren (lassen) and forget kann richtig hübsch Kunden kosten. Testen lohnt daher in der Regel immer! Wann das wohl mal in die Betreiberschädel rein geht? Je größer, desto dickköpfiger - offenbar...

Oder an was liegt das sonst? Was meinen Sie?

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Geschrieben von am 02.05.2008
Kategorie: Usability testen



Kommentare & Anmerkungen

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Folgende Seiten verweisen auf diesen Beitrag:

» | datenschmutz.net am 6.05.08 1:43

Buchempfehlung: Mario Fischer - Website Boosting
Rezensenten schrieben, dass Fischers Buch zum Thema SEO und Online-Marketing das Potential zum Standardwerk hätte - dem kann ich nach eingehender Lektüre nicht widersprechen. ... Weiterlesen »

Kommentare

1 | WAGII schreibt am 2.05.08 8:20:

Ich hätte ja erst gesagt, dass die meisten Kunden eh schon so knickerig sind, dass sie sowieso kaum was für das Projekt an sich bezahlen wollen. Dann muss halt irgendwo gespart werden. Für Doku und Tests bezahlt eh kaum einer gern. Gut - bei Tchibo würde ich zumindest mal davon ausgehen, dass die finanziell nicht am Hungertuch nagen. Die fallen aus dem Muster zumindest mal raus. Was ich hier vermute: die haben einfach nicht bedacht, wie der Zeilenumbruch in verschiedenen Browsern funktioniert. Da hat man mal eine "Wasser-Spielstraße", die - mal vom etwas unpassenden Produktbild mal abgesehen - einfach zu lang ist für eine Textzeile. Dadurch fliegen die weiter rechts liegenden Elemente halt ausm "On" raus. Ich vermute hier einfach mal, dass sich da keiner Gedanken drüber gemacht hat. Zusätzlich dürften dann auch noch irgendwelche Laien da rangesetzt worden sein, die einfach nur die Texte da reinhacken und sonst nix können...mit anderen Worten: das funktioniert schon sehr gut, nur der Kunde hats versaubeutelt.

Und ich denke, genauso läufts immer. Der Kunde beschuldigt den Dienstleister, der Dienstleister beschuldigt den Kunden, falls mal was nicht läuft.

Eigentlich leider Alltag und eigentlich zu banal, um überhaupt drüber nachzudenken. Hmmm...was mache ich eigentlich hier?!

2 | Martin schreibt am 12.05.08 12:16:

In Ergänzung zu WAGII: Das Tchibo Bild zeigt ziemlich sicher einen Programmierfehler, da werden die falschen Bilder zum Text aus der Datenbank geholt.

Und jetztl, eine Woche später, funktioniert das iGoogle Gadget von Tchibo immer noch nicht richtig. Bilder und Text passen zwar zusammen. Kategorieauswahl und angebotene Produkte dagegen nicht so sehr. Was ich auch wähle; "Nur Online", "Mississippi Kids" oder "Outdoor Sport": mir werden immer sechs spülmaschinengeeignete Trinkgläser angeboten.

3 | Patrick schreibt am 7.06.08 3:30:

Ich könnte mir vorstellen, dass das daran liegt, dass sich die Leute einfach noch nicht so mit dem Internet auskennen und nicht wissen, dass es so Dinge wie Suchmaschinenoptimierung, Web Analytics usw. gibt (sowas kennen teilweise nicht mal die größten Computerfreaks die ich kenne) - oder auch, dass Adwords nur Werbung ist (man denkt sich was kreatives aus, schaltet die Werbung dann und das wars wie bei nem Plakat).

Ich hör immer mal wieder Ideen von Leuten das große Internetgeschäft aufzuziehen und sich dann auch "in die Suchmaschinen eintragen" zu lassen, dass man da dann "erscheint". In einr Wirtschaftsrechtvorlesung hatte die Dozentin mal einen Fall aus dem Leben aufgegriffen (kleine SEO Firma zockt Kleinunternehmer ab) und hat deren Service auch erklärt als "dass man dann in den Suchmaschinen erscheint" (oder so ähnlich). Daran dass es da sowas wie ein Ranking gibt denken die meisten Leute die damit nichts zu tun haben glaub ich so gut wie nie.

Das ist jetzt nicht abfällig gemeint oder so (ich hätte das vor 2 Jahren auch noch nicht gewusst), aber ich könnte mir vorstellen, dass das einfach was damit zu tun hat.

Diese Dinge sind alle noch relativ unbekannt und die Leute (wohl auch größtenteils in den verantwortlichen Positionen) denken dann, dass es einfach nur um die Programmierung geht. Und das Marketing ist dann genau dasselbe wie offline.

4 | Isa schreibt am 9.11.08 6:09:

Ja, leider konnte sich die Erkenntnis, dass das Online-Marketing ebenso wie das klassische Marketing komplexe und konstante Planung sowie deren Umsetzung erfordert, nicht wirklich durchsetzen. Nun, zum großen Teil liegt das an den unrealistischen Erwartungen der Unternehmen, die wiederum durch unrealistische Versprechungen der Dienstleister geweckt wurden. Zum anderen sind viele Internetagenturen nur rein technisch vorbereitet und können nicht halt komplex beraten.

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