Website Boosting 2.0 - Weblog

Der Weblog für das Buch Website-Boosting 2.0 von Mario Fischer

Was kostet eine Telefonnummer?

Dreifuffzisch. Jedenfalls dann, wenn Sie diese einem potentiellen Kunden über Ihren Webauftritt abluchsen wollen. Mein altes Steckenpferd "Formularterrorismus" hat Preisschilder bekommen... Endlich.

Über einen Beitrag in der Internetworld bin ich heute auf einen Blogbeitrag von Jon Miller im Searchengineland aufmerksam geworden. Weil ich nie müde werde, unseren Kunden schlanke Formulare abzutrotzen, hat mich dieser Beitrag ganz besonders interessiert.

Was ist das besondere daran? Jon Miller hat über eine laufende Pay-per-Click Kampagne bei Google die Auswirkungen von Formularen auf die Konversionsrate eines Shops gemessen. Dabei hat sich herausgestellt, wie teuer es tatsächlich ist, den Kunden mit zu vielen Formularfeldern zu belästigen.

Um das transparent zu bekommen, rechnen wir ein einfaches Beispiel:

Ein bestimmtes Keyword kostet pro Klick 1 €. Die Konversionsrate des Shops (also das Verhältnis "bezahlte" Besucher und tatsächliche Verkäufe) beträgt 2%. Die Kosten für Google betragen also für 100 Besucher 100 €. Zwei Kunden von hundert haben im Schnitt etwas gekauft , damit hat die Akquisition eines Kunden 50 € gekostet. So weit so gut.

Nun hat Jon Miller das Formular zur Registierung verändert. Mal länger mit mehr abgefragten Feldern, mal weniger. Danach konnte er die genauen Auswirkungen auf die Konversionsrate sehen.

Also: Längeres Formular - mehr Leute werfen das Handtuch - weniger Verkäufe. Die Konversionsrate sinkt. Z. B. auf 1%. Nun haben wir nur noch einen zahlenden Kunden und damit kostet in dieser Konstellation ein Neukunde nicht mehr nur 50 €, sondern 100 €! Die Zahlen hab ich nur der besseren Verständlichkeit gewählt, im Originaltest waren sie natürlich krumm und weniger heftig wie hier.

Was waren seine Ergebnisse?

- Das kurze Formular hatte 13,4% Konversion, ein Neukunde kostete 21,50 €
- Das mittellange Formular hatte noch 12,0% Konversion, ein Neukunde kostete 24,00 €
- Das lange Formular hatte gar nur noch 10,0% Konversion, ein Neukunde kostete autschige 28,80 €

Die Akquisitionskosten sind also im letzten Fall gegenüber der kurzen Variante um ein Drittel gestiegen! Betrachtet man die Formularumfänge bzw. die Unterschiede der Länge, kostet also rechnerisch jedes zusätzliche Eingabefeld in einem Formular 1,30 € pro Neukunde. Das mag auf den ersten Blick nicht viel erscheinen, aufsummiert auf viele Zeilen und viele Kunden kommt da ein hübscher Sportwagen zusammen.

Interessantes Highlight und damit die Kurve zur Überschrift: frägt man die Telefonnummer ab, schlägt das deutlich teurer zu Buche: 3,50 €. Haben Sie 10.000 Kunden im Jahr generiert, hat die Telefonnummer dazu 35.000 € "gekostet". Diese 35.000 € Umsatz sind Ihnen nämlich entgangen, weil sich ein Teil der Besucher deswegen vom Einkauf hat abschrecken lassen. Wie viele Shops wollen eine Telefonnummer? Fast alle! Was machen die damit? Nix. Mich hat noch keiner angerufen.

Natürlich ist eine Analyse eine Momentaufnahme und in ihrer Aussagekraft auf seine spezielle Shopumgebung beschränkt. Aber wir machen diese Erfahrung in allen Usability-Projekten, in denen wir es schaffen, dem Datenhunger des Betreibers einzelne Felder abzuschwatzen. Die Zugriffszahlen "hinter" dem Formular steigen an und ebenso auch die Konversionsraten.

Jeder Feld, das nicht unbedingt benötigt wird (!), muss raus. Jedes zusätzliche Feld stelle eine weitere Hürde da, die das Zirkuspferdchen Neukunden überspringen muss. Machen Sie es Ihren noch zarten Pflanzpferdchen leichter, Sie und Ihre Site zu mögen. Strippen Sie ab.

Hier noch der Link zur Originalquelle: Jon Miller

Also los: Ran an die Formulare. Und lassen Sie es uns hier unten als Kommentar wissen, wenn sich Ihre Zahlen verbessert haben. Ich mach dann virtuell ein Glas Sekt mit Ihnen auf!

Stichworte:

War der Artikel für Sie wertvoll? Wollen Sie den Beitrag als Bookmark merken?
Einfach RSS-Feed abonnieren oder das Lesezeichen mit anderen Lesern teilen:

Geschrieben von Mario Fischer am 13.02.2008 | Kategorie: Optische Gestaltung



Kommentare & Anmerkungen

zum Beitrag: »Was kostet eine Telefonnummer?«,
Trackback-URL: http://www.website-boosting.de/m4/mt-tb.cgi/853

Kommentare

1 | HP schreibt am 17.02.08 11:36:

Eine interessante Aufstellung, leider stößt es mir sauer auf, wenn ich Worte wie "autschig" oder "Frägt" lese.

Oh - sorry, "Frägt" schreibt man natürlich klein. Hab ich ausgebessert...
Zu "Autschig" stehe ich aber. 57 Treffer zeigt Google dazu an. Mal sehen, wie das in einem Jahr aussieht...
Der Reinerhaltung der deutschen Sprache dient es allerdings nicht, das ist völlig richtig. Aber das ist zum Glück nicht meine Aufgabe ;-)

3 | Knut Barth schreibt am 18.02.08 9:26:

Hallo Herr Fischer,

ganz meine Rede. Erst am Wochenende hat mir mein Steuerberater erzählt, dass er Shop die zuviele Infos wollen, im Checkout wieder verlässt. Nur die zur Lieferung notwendigen Infos müssen Pflichtfelder sein, der Rest maximal ein "Kann Feld".

Gruss Knut Barth

4 | Hasch schreibt am 29.02.08 11:01:

Bei dieser Problematik können viele Shops nur froh sein, dass die Mehrheit der Nutzer Javascript aktiviert hat, sonst würden Ihre Konversionsraten noch weiter deutlich sinken...

Noch spannender wird es, wenn man AJAX zur Formularprüfung einsetzt. Unabhängig von der rechtlichen Problematik (Eingaben werden ohne Einwilligung (Senden-Button) des Besuchers an den Server übermittelt und dort (zwischen)gespeichert! Das ist hoch kritisch) werden nach meiner Beobachtung User auch verunsichert, wenn die Formulare "zu" intelligent sind.
Man gibt die PLZ ein und plötzlich steht der Wohnort daneben. Einige User sagen nun entgegen der Erwartung der Programmierer nicht "Oh - toll, Arbeitsersparnis!", sondern wundern sich, woher der Shop weiß, wo ich wohne. Klar, man hat gerade die PLZ eingegeben. Aber diese Verbindung (also woher das Wissen über den Ort kommt) ist vielen in diesem Moment halt leider doch nicht soooo klar. Das kann daher bissi wie Big Brother wirken und wiederum einige potentielle Käufer zum Rückzug bewegen.

Oft gut gemeint - meist immer gut gemeint.
Trotzdem wird nicht selten das Gegenteil bewirkt.
Schade.

6 | Markus schreibt am 14.04.08 2:34:

Ich hätte nie gedacht, dass so ein zusätzliches Feld bei der Anmeldung so ins Gewicht schlagen könnte. Aber je mehr ich jetzt darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich oftmals durch ein zugroßes Formular den Bestellvorgang abgebrochen hatte, weil ich mir dann immer dachte brauche ich das wirklich oder soll ich noch schauen ob es nicht in einem anderen Online-Shop noch billiger finde.

7 | Tobias schreibt am 22.08.08 11:50:

Es kommt natürlich aber auch immer darauf an, welche Information zusätzlich abgefragt wird und ob diese verpflichtend ist. Man sollte immer so viele verwertbare Daten wie möglich abfragen, aber ganz klar kenntlich machen, dass die meisten nur optional sind. So machen zusätzliche Felder (z.B. "Telefonnummer" oder auch "Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?, etc.) in jedem Fall Sinn und schrecken auch nicht ab.

ich stimme Tobias zu.
Zusätzliche Informationen können jederzeit abgefragt werden und wenn diese nicht verpflichtend abgegeben werden, wirkt es sich auch nicht störend aus. Wenn das nicht gegeben bin werde ich definitiv zum Abbrecher.

Dem stimme ich zu. Manchmal sind die Fragen ja schon sehr durchsichtig. Und wenn sie dann noch Pflicht sind "abbrechen".

Einen Kommentar schreiben ...