Website Boosting 2.0 - Weblog

Der Weblog für das Buch Website-Boosting 2.0 von Mario Fischer

Nokia: Tacker, Thailand, Handys und Werbedollars

Ein klein wenig schwanke ich immer, ob Unternehmen mit Mega-Onlinebudgets zu beneiden oder zu bemitleiden sind. Letzteres tötet bekanntlicherweise oft die Kreativität. Wie Nokia aber die Werbedollars rausballert, ist schon irgendwie skurill...

Zurück auf Anfang. Ich lese wie jeden Tag meine wichtigsten Weblogs. Dazu gehört auch der private Blog von Klaus Patzwaldt (at-web.de), in dem er aus einer interessanten Perspektive aus Thailand berichtet. Falang in Thailand - übrigens sehr lesenswert!

Die Fotos dort sind mit einem guten Auge gemacht und farblich brilliant. Beim Lesen sticht mir also eine Google Werbung auf der Seite ins Auge. "Thailand Bilder" steht da. Eine Bildersammlung vielleicht professioneller Bilder? Kann interessant sein. Also klick - es erscheint:

Der mittlere Werbeblock sticht mir ins Auge. Umfeld war ja irgendwie "Thailand, Bilder und Reisen" und dann "Bilder verkleinern"? Alle machen die Bilder immer größer, aber Nokiahandys machen sie kleiner? Seltsam. Also klick und guggn:

Was soll ich sagen... ich komme auf eine Flashseite mit irgend einer hirnlosen Wahl zum Mitarbeiter des Monats. Erst mal kenn ich ja gar keinen bei Nokia. Ich nehme also schwere Psychopharmaka und wähle statt Schere oder Kopfhörer den Tacker. Dann werde ich depressiv.

Fazit:
Handywerbung mit Keywords zu buchen, die auf "Bilder" ansprechen, scheint aus Sicht der Käufer wohl wenig passend. Wenn wir Handys wollen, suchen wir nicht nach "Bilder" oder "Fotos". Aus Sicht von Nokia (Was kann das Handy? Hmmm... Bilder? Ab in die Keywordkiste!) vielleicht nachvollziehbar. Bleibt fraglich, auf welche Sicht sich das Marketing beziehen sollte.

Dann aber einen interessierten Kunden -für den man Geld ausgibt, damit er auf die Webseiten kommt- statt mit Infos über Handy zu versorgen, ein Klicki-Spielchen zu zeigen? Noch dazu eines, das mit dem Produkt bis zu meiner Depression irgendwie gar nix zu tun hat? Oh Mann, da muss einem das Geld oder der Kunde schon mächtig zu den Ohren raushängen. Die Nokia-Werbeleute würden sicher sagen: "Oh Mann, datt musst Du schon bis zum Schluss durchspielen, das ist ein Knaller!" Aber wenn ich den Spaß haben will, werfe ich lieber im Biergarten einen Rucksack in die Luft und rufe "Für Allah".
(@Herrn Schäuble, der letzte Satz war WIRKLICH nur Spaß. Ich würde sowas nieeee machen!)

Oder war es nur der verzweifelte Versuch, auf das "Spielchen" endlich genug Traffic zu bringen, weil sonst keiner reingeklickt hat? Traffic kaufen, damit die Ausgaben für die Programmierung der Misere im Nachhinein keine heißen Ohren gibt, wenn der Vorstand auf die Hits schaut? (Ich hab grinsend absichtlich "Hits" geschrieben - Sie werden wissen warum...).

Auch hier kann ich mich nicht entscheiden, welche Variante - einfach zu viel Geld oder Spielchentraffic - plausibler erscheint. Die interessante Variante, nämlich "intelligentes Marketing", erscheint mir irgendwie doch zu weit weg.

Oder was meinen Sie?

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Geschrieben von Mario Fischer am 25.09.2007 | Kategorie: Bezahlte Werbung

Kommentare & Anmerkungen

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Kommentare

1 | Klaus schreibt am 25.09.07 10:35:

Wenn die Werbung nach dem Giesskannenprinzip gebucht wird, steigt die Gefahr wesentlich, am Zielpublikum vorbei zu buchen. Viel schlimmer ist aber, die Ziel-URL nicht zu überprüfen. Einen Mitarbeiter aus dem Taka-Tuka-Land anzubieten ist nicht wirklich komisch, da man mit ganz anderen Begriffen auf die Seite gelockt wurde.

Echt schädlich empfinde ich derart unpräzise Werbung, da Besucher damit regelrecht vergrault werden. Einmal geklickt, nie wieder...

2 | novesia schreibt am 26.09.07 5:00:

Seit der Kampagne mit den Großen Taschen (und die war ja nun wirklich klasse) glauben die Nokianer eben, dass die Zielgruppe gerne ewig in produktfremden Scherz-Seiten rumklickt. Eine der schlimmsten Krankheiten der Online-Marketing-Branche: Wenn etwas einmal irgendwo funktioniert hat, wird es solange in billig neu aufgegossen, bis alle vor lauter Gähnen tot umfallen.

Watzlawick hat das in einem Buch "Heraklits Lösungen - oder: Vom Schlechten des Guten" exakt beschrieben.
Ein "immer mehr des Selben" bringt selten dauerhaft Steigerungen. Statt das Lösungsprinzip zu variieren bzw. strukturell zu verändern (anzupassen), wird immer noch mehr der einmal als passend gefundenen Lösung eingesetzt.

Vielleicht spricht sich das bei den Agenturen und Auftraggebern irgendwann doch mal rum: Gerne jede gute Idee EINMAL. Finden wir toll, hipp, wir lachen und wir sagen es gerne weiter (heißt dann "viral"). Aber das zehnte Mal können wir einfach über die oft nur marginal geänderten Kampagnen nicht mal mehr lächeln.

In der Schule hieß es auf dem Pausenhof immer "Nachmacher-Nachmacher-Nachmacher"... Haben wir doch alle noch im Ohr oder? Vielleicht hat der scharfe Luftzug verursacht durch den klassischen Marketing-Kreativ-Zopf am den freien Umweltkräften ausgesetzten Ohr diese Erinnerungen gelöscht? Scheint so.

4 | Markus schreibt am 7.04.08 2:35:

Hallo zusammen,

also wie vielleicht schon richtig erkannt wurde, wurde wohl bei Google das Keyword "Bilder" gebucht. Das führt dazu, wenn man das Matching nicht einschränkt dazu, dass die Werbung auf allen Seiten die nur irgnendwie etwas mit Bildern zu tun haben, dort angezeigt wird.
Bezüglich der falschen Verlinkung zum "Mitarbeiter des Monats" denke ich mal, dass da jemand einen falschen Link gesetzt hat. Also menschliches Versagen :-)

Also nicht gleich alle Werbeanzeigen oder alle Nokias dieser Welt schlecht machen.

Grus Markus

Ich glaube nicht, dass da ein falscher Link zu "Mitarbeiter" des Monats gesetzt wurde.
Das sieht er aus, als ob man über Adwords abgesammelte Besucher für eine "besondere" Kampagne motivieren möchte. Wenn man rechts unten in dem Bild "Mitarbeiter des Monats" genau hinsieht, entdeckt man neben Tacker, Schere, Lampe, Kopfhörer auch kein ein Handy. Das soll wohl am Ende als "Mitarbeiter" gewählt werden - oder die Erkenntnis, dass ein (Nokia) Handy hoch produktiv eine wichtige Hilfe wäre.

Wir haben also zwei zweifelhafte Dinge.
a) Ist das Keyword "Bilder" für ein Handy ziel- und konversionsfördernd? Nö. Wahrscheinlich nicht.
b) Ist eine involvierende Kampagne, die einen Besucher für ein Produkt begeistern soll die richtige Landigpage für Pay-per-Click Werbung? Nö. Wahrscheinlich nicht.

Mir ging es nicht darum, die Nokias dieser Welt schlecht zu machen. Sondern zu zeigen, dass auch große (oder gerade?) Budgets von großen Unternehmen scheinbar ohne tiefgehendes Verständnis der Mechanismen im Web vertrödelt werden. Dort ist scheinbar keine Zeit oder kein Geld für Weiterbildung und Schulung da. Von selber können das die Mitarbeiter nicht. Oder man gibt einfach einer Agentur (überlicher Weg) Geld und kein Mensch misst den Erfolg vernünftig...

Gibt´s andere, plausibel klingende Erklärungen?

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