Website Boosting 2.0 - Weblog

Der Weblog für das Buch Website-Boosting 2.0 von Mario Fischer

Banken und Webdesigner - schlimm?

iBusiness berichtet aktuell über eine Studie, die den Banken ein vernichtendes Zeugnis für die Usability ihrer Webseiten ausstellt und titelt "Usability-Verbrechen..." Ach ja?
In ein ähnliches Horn stößt ein weiterer Beitrag dort, daß Webdesigner keine Ahnung von Suchmaschinen-Optimierung haben... Und wieder ein: Ach ja?...

...die meisten deutschen Banken berücksichtigen eher die Meinung der eigenen Mitarbeiter als die der Kunden. Mir drängt sich allerdings die Frage auf, warum man dies nur den Banken vorwirft. Dieses Vergesssen der alten Kaufmannsweisheit "Der Wurm muss dem Fisch schmecken - nicht dem Angler" (jaja, ich weiß, ich wiederhole mich zum x-ten Mal) scheint sich durch viele Branchen und durch Unternehmen aller Größen zu ziehen. Ich selber erlebe das auch immer wieder. Wir wollen so, und das soll so und da sein und ich will unbedingt eine Flash-Navigation. Und die Schnörckelschrift aus den Prospekte soll unbedingt auch genau so auf die Website. Koporäideidenditi halt.

Wenn sich das in eingehenden Gesprächen nicht klären lässt, lehnen wir solche Aufträge in der Regel einfach ab. Ein Arzt operiert auch nicht bei Schmerzen im Unterbauch an der Ohrspeicheldrüse, weil er Patient unbedingt die Narbe an der Backe für den nächsten Karneval haben will.
Sie machen Präzisonsteile aus Kunststoff oder Metall, sie bauen komplexe elektronsiche Geräte, sie stellen Dünger für Kunstrasen her ;-) oder berechnen im Auftrag großer Firmen die Statik von Eisenbahntunnels. Alles Spezialisten. Aber beim Design (und damit meine ich mehr die "Architektur" als die Farbenauswahl) der eigenen Webseite kennen sie sich anscheinend noch besser aus. Viele Webdesigner klagen mir in Seminaren und Workshops dieses Leid. Warum stellen Webdesigner nicht einfach auch die eigenen Bremsbeläge her, wenn sie welche brauchen? Warum man wohl zum Spezialisten geht...?

Nun schimpft aber Bloofusion-Geschäftsführer Markus Hövener auf genau diese Gilde: Die Webdesigner. Hieß es vor kurzem noch, die Designer seien sich für schnöde Suchmaschinen-Optimierung "zu schade", so bekommen sie heute den Vorwurf, noch immer nicht wirklich Ahnung davon zu haben. Neben der selbstverständlich öffentlich sofort ausgerufenen Empörung über eine solche Behauptung, hört man aber gleich daneben hinter halb vorgehaltener Hand: Naja, stimmt schon bissi...

Auch ich kann das nur bestätigen. Viele (hallo - nicht alle!!) Webdesigner haben tatsächlich zu wenig Ahnung, wie Google und Co. ticken. "Aktuelles" Wissen wird anscheinend aus der Bäckerblume (eine hervorragende Zeitschrift für das Backgewerbe übrigens) bezogen und noch immer pumpt man das Meta-Tag "Keywords" voll mit Wortbelanglosigkeiten und anderem Munddurchfall. Abgesehen davon, dass die Suchworte meist eben ja noch nicht einmal treffen - Sie als Leser meines Buches (stimmt doch oder?) wussten wahrscheinlich schon vorher, dass dieses Metatag von den meisten Suchmaschinen ignoriert wird. Also nutzlos. Statt dessen fehlt oft das wichtige Description-Tag und man wundert sich, warum in den kurzen Sätzen in den Ergebnislisten der Suchmaschinen unzusammenhängendes Gestammel steht. "Das ist halt so" oder "Kann man nicht beeinflussen" erzählen die Webmacher dem Auftraggeber dann. Und der glaubt es in der Regel.

Warum will der Kunden einen Webauftritt? Wenn man dem Kunden klar gemacht hat, dass er sich DIES erst mal selber klar machen muss, ist schon viel gewonnen. Wenn man dann noch nicht gerade für eine Bank-Website verantwortlich zeichnet (also ein wenig Ahnung von Usability und den Kundenerwartungen hat, hehehe...) und ein klein wenig davon versteht, wie man Webseiten auch für Suchmaschinen gut programmiert... Wo liegt dann eigentlich das Problem? Logisch: Der Kunde muss solche Agenturen erst mal finden.

Da soll doch neulich ein Webdesigner zu einem großen Kunden gesagt haben: "Haben Sie sich eigentlich schon mal überlegt, dass das, was ich für Sie alles im Web mache - und das was Sie mir dafür zahlen in einem extrem krassen Mißverhältnis steht?" Der Kunde (der kurz zuvor "Website Boosting" gelesen hatte ;-)) soll geantwortet haben: "Ja klar, das ist uns natürlich auch schon aufgefallen. Aber wir können Sie doch schlecht verhungern lassen... "

Das letzte Wort ist aber hier sicher noch nicht gesprochen... Daher möchte ich Sie hier herzlich zur Diskussion einladen. Wie ist Ihre Meinung?

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Geschrieben von Mario Fischer am 14.10.2006 | Kategorie: Aktuell



Kommentare & Anmerkungen

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Kommentare

1 | M. Schmidt schreibt am 17.10.06 10:17:

Da treffen Sie sicher bei vielen Webdesigner in eine offene Wunde!
Ich mach das jetzt seit fast 10 Jahren und meine Kunden sind eher die "kleineren" Unternehmen.
Und am Ende kommt dann immer ... "Ja, und das Layout? Wie viele Vorschläge machen Sie denn, machen Sie 3 und jeder weitere kostet extra?" Also - erzählt man nochmal die Dinge worauf es ankommt. Manchen könnte man direkt ins Ohr brüllen und sie würden es immer noch nicht kapieren!

Und soll ich Ihnen und der restlichen Welt etwas verraten? Nach jedem Kunden, der so nervig uneinsichtig ist, steigt der Preis für den nächsten Kunden. Das funktionierte bisher ganz gut ;-)

Übrigens, nehm ich Ihr super strukturiertes Website Boosting Buch, jetzt immer als Leitfaden bei Beratungen. Guerilla-Marketing hatte ich vorher nie erwähnt. Und da klappt wirklich jedem Kunden sprichwörtlich der Kinnladen runter. Und das ist soooo schön!!!

Gruß,
M. Schmitz

2 | Webstöberer schreibt am 19.10.06 8:22:

Naja, irgendwie stimmt das schon. Wenn man sich auch nur ein wenig mit Suchmaschinen beschäftigt hat, wundert man sich selbst als Nicht-DV-Mensch über vieles, was Webdesigner so von sich geben.

Erst vor ein paar Wochen hat mir einer bei einem Gespräch erzählt, dass er noch immer bestens mit Frames programmiert, weil das für den Kunden viel billiger und für ihn weniger aufwendig ist. Ich meinte daraufhin, dass es doch da mit Google Probleme gäbe. Dann erfuhr ich, dass das alles Blödsinn wäre, weil man im sog. No-Frame-Bereich bestens Text für die Suchmaschinen verstecken könnte.
Was soll man dazu noch sagen? Lies ein Buch? Schau Dich im Web um? Pass auf, wenn der Kunde den Anwalt vorbei schickt?

Vielleicht, dass früher auch die Frisöre bei Bedarf schnell man einen Zahn mit gezogen haben. War doch auch praktisch: One-Stop-Shopping.

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