Website Boosting 2.0 - Weblog

Der Weblog für das Buch Website-Boosting 2.0 von Mario Fischer

Google Analytics für jedermann - aber Obacht...!

In vielen Newslettern und Weblogs (z. B. hier bei Gerald Steffens) wird aktuell berichtet, dass Google sein Website-Trackingtool "Google Analytics" nun wieder für jedermann geöffnet hat. Damals gab es bei der Erstvorstellung massive Performanceprobleme und so hat man den Zugang bis vor kurzem beschränken müssen. Nun gibt man das Tool zum vollen Zugriff frei. Hello World.

So weit so gut. Bevor Sie mit Analytics rumspielen, sollten Sie aber einen ganz wesentlichen Punkt im Auge behalten...

Vorweg: Die Möglichkeiten von Analytics sind beeindruckend und die unglaubliche Funktions- und Analysevielfalt ist vollfettkrass kostenlos! Wer nun in der Schule aufgepasst hat weiß, dass nix im Leben kostenlos ist. Jedenfall nicht die schönen und nützlichen Dinge. Man "bezahlt" Google also mit der vollen Transparenz über die eigene Webseiten. Selbstverständlich wären diese so gewonnenen Daten auch immer bizzi nützlitsch für das Ranking...? Aber lassen wir solche Spekulationen. Ich will ganz wo anders hin!

Es dürfte sicherlich Einigen bekannt sein, dass man nach der Anmeldung bei einem Google-Account (braucht man ja mittlerweile doch ab und an und zukünftig wahrscheinlich häufiger) nicht mehr ganz anonym surft. Gerade in der Kombination mit der Google-Toolbar wird dann das eigene Surfverhalten komplett transparent. Und wer z. B. ein Adsense- oder Adwords-Konto bei Google hat, dem ist Google auch dem Namen und der postalischen Adresse nach bekannt.
Surft man nun auf eine Website, die Google-Analytics einsetzt... Jaja, bei vielen wird es jetzt in der Hypophyse bis ins Stammhirn hoch schnackeln: Google ist damit potentiell in der Lage, Besucher einer Webseite persönlich zu tracken! Hans Mustermann aus Kleinwölfenrode, Arielmotzerstr. 5 hat am 17. August 2006 von der IP 123.123.111.222 aus die Website www.naggerdeweiber.xx aufgerufen und sich 23 Min im Verzeichnis /dicke_dinger Webseiten angesehen. Technisch ginge das, wenn Hans M. ein Adwordskonto unterhält, sich vorher angemeldet hat und der Webseitebetreiber von www.naggerdeweiber.xx Google Analytics einsetzt. Damit sei Google nicht unterstellt, diese Daten auch zusammen zu bringen. Wahrscheinlich geht das technisch bisher gewollt oder ungewollt noch gar nicht. Beruhigend ist das aber so richtig nicht.

Für Sie als (kommerziellen) Webseiten-Betreiber bedeutet dies, dass Sie Ihre Besucher genau darüber in den Datenschutzhinweisen aufklären müssen. Yo - schließlich haben wir hier Gesetze. Sie müssen da rein schreiben, dass Sie mit einem externen Dienstleister zusammenarbeiten der die Besucherdaten auswertet und ggf. Besucher namentlich identifizerien kann. Klären Sie hierüber nicht auf, begehen Sie möglicherweise einen Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz. Aber keine Sorge, ich glaube mich zu erinnern, dass die Obergrenze für Strafen hier auf 50.000 € gedeckelt wäre... Outch. Würden Sie diesem jungen Mann jetzt noch einen Gebrauchtwagen abkaufen?

Meine aktuelle, persönliche Empfehlung lautet daher wie oben in der Titelzeile: Obacht!

Hier finden Sie trotzdem den Link direkt zu Google Analytics. Anguggn schadet ja nix...

Nachtrag: Ein versierter Online-Anwalt meinte eben hierzu, dass dies (die mögliche personelle Identifizierung) in Deutschland sogar zustimmungspflichtig wäre. Also flugs eine Button mit "Sind Sie einverstanden, dass Ihre Daten..." vor die Startseite schalten. Klingt lustitsch - ist es aber gar nicht. Warten wir mal ab, bis die ersten Verklagten daher kommen und jammern. Hätt man auch mal vorher wissen können ;-)

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Geschrieben von am 17.08.2006
Kategorie: Nützliche Tools



Kommentare & Anmerkungen

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Folgende Seiten verweisen auf diesen Beitrag:

» | lycka.de am 12.06.07 1:59

Google achtet zu wenig auf Datenschutz
Nach einem Bericht des manager-magazin.de achtet google zu wenig auf den Datenschutz. Zwar wird diese Aussage durch das Unternehmen dementiert, jedoch sollte man sich hier unbedingt Gedanken machen. Weiterlesen »

Kommentare

1 | Christian schreibt am 18.08.06 11:31:

Dafür benutzte ich Firefox mit der Extension No-Script. Da wird google-analytics.com und googlesyndication.com ganz einfach JS-mässig geblockt. Dann tut sich in dieser Hinsicht gar nichts mehr, da die entsprechenden JS Codes gar nicht mehr geladen werden.

Aber Dein Punkt ist nicht von der Hand zu weisen!

2 | Mario schreibt am 18.08.06 11:53:

Klar, das kann man damit umgehen. Aber Otto Normalsurfer weiß über solche Dinge (wie man Java-Skript abschaltet, ja geschweige denn, was es überhaupt ist...) ja meist nicht Bescheid.

Und natürlich bleibt trotzdem die rechtliche Verpflichtung, den Besucher darüber aufzuklären, dass er potentiell persönlich identifiziert werden kann! Natürlich nicht vom Website-Betreiber selber, aber wohl eben über eine dritte Partei, nämlich Google. Und soweit ich weiß, ist in der amerikanischen Datenschutzerklärung von Google Analytics kein Passus drin, der das mögliche Zurverfügung stellen der Daten für andere (das wäre dann der "Vierte", wenn ich richtig gezählt habe) ausschließt.

Klar: Wenn Google solche Daten an andere Unternehmen (sprechen wir mal lieber nicht über amerikanische Behörden...) herausgeben würde UND das bekannt würde - wäre das der Super-GAU für Google. Das Vertrauen der Webgemeinde wäre verspielt. Es wäre völlig unvernünftig, so etwas zu machen. Für die rechtliche Beurteilung spielt sowas aber keine Rolle. Da sie es nicht explizit ausschließen, ist es also prinzipiell möglich und damit gerade auf deutschen Webseiten daher zu erklären (eben in den Datenschutzhinweisen).

3 | Christian schreibt am 21.08.06 1:07:

Ich stimme Dir zu. Der Standard Google Analytics Nutzer wird sich sicherlich über diese Problematik keine Gedanken machen.

Mir war diese Möglichkeit auch in der Form nicht bewußt. Und das es hinter den Kulissen passiert ist wahrscheinlich, denn Nutzerprofile in der heutigen Zeit sind absolut wertvoll. Ich habe mich schon gefragt, wie Analytics die wiederkehrenden Nutzer misst. Jetzt ist es mir klar :)

Was die Herausgabe dieser Daten angeht so wäre Google in der Tat töricht so etwas zu machen. Aber auf der anderen Seite kann das Vorhandensein dieser Information auch Begehrlichkeiten wecken.

4 | Jens schreibt am 6.04.07 11:52:

Das Thema ist auch nach dem TMG noch aktuell, eventuell interessiert euch der Artikel hier:
http://www.ferner-alsdorf.de/beitrag_Abmahnfalle+Statistik+Tool%3F_669.html

5 | Toy schreibt am 26.04.07 9:52:

Nun bietet Google auch per Adwords-Konto an, die Landigpages zu optimieren. Dazu wird dann speziell Analytics verwendet soweit ich das verstanden habe. Wie passt denn das dann zusammen?

6 | Thomas schreibt am 7.06.07 7:19:

Hallo,

mir scheint dies nicht ganz schlüssig. Das Thema kocht ja momentan öhnlich hoch wie der berühmte Disclaimer mit dem Hinweis "Ich distanziere mich...".

Zuerst stellt sich ja die nocht nicht eindeutig geklärte Frage, ob die IP Adresse ein personenbezogenes Datum ist.

Zum anderen besteht dann über Google Analytics immer noch keine Möglichkeit der Identifikation. Dort werden, wenn ich mich nicht täusche, sogar gar keine IP Adressen angezeigt.

Auch hier wird ja ein Javascript von einer weiteren Seite eingebunden wo ich automatisch meine IP hinterlasse. Und der Hinweis auf diese "Datenerfassung" köme somit nach der Erfassung und müsste aus Datenschutzgründen davor erfolgen (inkl. der Zustimmung).

Gibt es zu der Aussage, das Google Analytics aus Datenschutzgründen nicht erlaubt ist (bzw. vor dem "betreten" der Website eine Erlaubnis eingeholt werden muss) irgendwo konkrete Aussagen?

Ich meine damit nicht die Hinweise, dass Google selbst Personen identifizieren kann, bspw. über die Toolabr, das haben diese Personen ja erlaubt.

Grüße
Thomas

@ Thomas:
Es ging ja nicht "nur" um Analytics! Die Verbindung zu den Google Konten (bei dem man sich u. a. anmelden muss, wenn man Adwords schaltet und DANN als Person trackbar ist) und Analytics. Letztes alleine würde keine Probleme machen. Hatte ich ja oben im Artikel geschrieben!
Gruß,
Mario

8 | Waldemar schreibt am 25.04.08 1:57:

Wo kein Kläger, da kein Richter!
Trotz der Verpflichtungen, die das Datenschutzgesetz mit sich bringt, hält sich keiner an die Regeln. Nicht einmal staatliche Insitutionen wie die FH Würzburg (unter www.fh-wuerzburg.de), die eigentlich über die Gesetze bestens bescheid wissen sollten.

Aber solange sich keiner beschwert können gesetzliche Regelungen getrost ignoriert werden. Es gibt ehe zu viele davon.

Was ist denn an der Site der FH rechtlich nicht in Ordnung? Das fehlende Impressum?

Analytics ist einfach gut.

Und ich denke, dass die Zukunft dieses Tool noch effizienter werden lässt, jedoch sind bereits zum jetzigen Zeitpunkt viele Tools einfach perfekt.

Interessant wäre jetzt für alle kommerziellen Webseitenbetreiber, was ich ich vorsorglich in den Datenschutzbestimmungen erwähnen muss, damit ich bei Verwendung von analytics keinen Ärger mit Anwälten erhalte.

Gibt es hier irgendwo Texte ?

12 | Markus schreibt am 25.03.09 2:03:

Quelle: Google
http://www.google.com/analytics/de-DE/tos.html
Unter Punkt 8 zu finden.

„Diese Website benutzt Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Inc. („Google“). Google Analytics verwendet sog. „Cookies“, Textdateien, die auf Ihrem Computer gespeichert werden und die eine Analyse der Benutzung der Website durch Sie ermöglichen. Die durch den Cookie erzeugten Informationen über Ihre Benutzung dieser Website (einschließlich Ihrer IP-Adresse) wird an einen Server von Google in den USA übertragen und dort gespeichert. Google wird diese Informationen benutzen, um Ihre Nutzung der Website auszuwerten, um Reports über die Websiteaktivitäten für die Websitebetreiber zusammenzustellen und um weitere mit der Websitenutzung und der Internetnutzung verbundene Dienstleistungen zu erbringen. Auch wird Google diese Informationen gegebenenfalls an Dritte übertragen, sofern dies gesetzlich vorgeschrieben oder soweit Dritte diese Daten im Auftrag von Google verarbeiten. Google wird in keinem Fall Ihre IP-Adresse mit anderen Daten von Google in Verbindung bringen. Sie können die Installation der Cookies durch eine entsprechende Einstellung Ihrer Browser Software verhindern; wir weisen Sie jedoch darauf hin, dass Sie in diesem Fall gegebenenfalls nicht sämtliche Funktionen dieser Website vollumfänglich nutzen können. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Bearbeitung der über Sie erhobenen Daten durch Google in der zuvor beschriebenen Art und Weise und zu dem zuvor benannten Zweck einverstanden.“

13 | Stefan schreibt am 21.09.09 14:03:

Damit der Nutzer das zu Lesen bekommt, muss er sich erst bis zu dieser Seite durchklicken und das, was er möglicherweise nicht will (Übertragung seiner Daten an einen Server in den USA usw.), ist längst geschehen ...

Hierzu gibt es unterschiedliche Urteile, was die Übertragung der Daten in die USA betrifft.

Das Bundesverfassungsgericht kann nur hier für Aufklärung sorgen.

Anwälte könnten aber auch einen ganz anderen Aspekt hineinbringen. Die Überwiegende Mehrheit der Internetnutzer wissen um Cookies und haben in Deutschland über die Medien, TV - Radio - Zeitungen und Internet, erfahren, was dies sogenenannten "Kekse" bewirken können und wie man sich davor schützen kann.

Demzufolge liegt die Informationspflicht bei wem ? Provider, Webhoster oder gar selbst beim Browserhersteller ???

Damit wäre den Webseitenbetreibern sicher geholfen, oder ?

15 | Koslowski schreibt am 21.09.10 22:22:

Es wird vermutlich demnächst eine feste Gesetzgebung zu diesem Thema in Deutschland geben. Da das Thema Google für die Politik immer interessanter wird.

@Koslowksi

Weiß man schon genaueres ?

Google hat ja bezüglich von Analytics meines erachtens in den Datenschutzbestimmungen Änderungen vollzogen. Bleibt die Frage offen, ob dies nach deutschem Recht ausreicht.

17 | Madonna schreibt am 28.03.11 8:33:

Google hat ja bezüglich von Analytics meines erachtens in den Datenschutzbestimmungen Änderungen vollzogen. Bleibt die Frage offen, ob dies nach deutschem Recht ausreicht?

Da sehe ich genauso wie Du, wird wohl noch scher werden.

Langfristig gehe ich davon aus, dass der Europäische Gerichtshof Vorgaben erteilt. Was nützen im internationalen Warenverkehr und e-business nationale Vorgaben?

Grundätzlich ist jeder für seine Daten verantwortlich. Warum sollte jemand eine Zensur beschließen. Selbst wenn es Gesetze gibt, wer kontrolliert dies und wie sollte eine Bestrafung umgesetzt werden. Zahlreiche Fragen, die letztendlich viel Zeit und Geld kosten.

Sicher ist jeder grundsätzlich für seine eigenen Daten verantwortlich. Die Vorgaben, die von @Mathias erwähnt, dienen ja nur dem persönlichen Schutz. Das denke ich, ist auf jeden Fall sinnvoll und richtig.

Wir benutzen natürlich auch Analytics, um zu erkennen, wo evtl. Schwachstellen sind. Die Kundendaten sind uns egal und wir können und wollen diese auch nicht für weitere Maßnahmen nutzen. Aber durch die Informationen erhalten wir Hinweise, wo wir besser werden müssen und das ist sicherlich auch im Interesse unserer Besucher.

Analytics ist jetzt okay und wurde von den Datenschützern abgesegnet. Das wurde m.E. auch Zeit denn eine unsichere Rechtslage kann teure Konsequenzen nach sich ziehen.

23 | Mathias schreibt am 29.11.11 21:13:

Richtig ist dass analytics zwar abgsegnet wurde aber einige auflagen (hinweis im impressum z.B.) existieren trotzdem. aber die weigsten die analytics nutzen, speichern tatsächlich personenbezogene Daten, sondern nutzen die Daten um Tendenzen oder allgemeine Punkte zu erfassen.

24 | Timo schreibt am 14.12.11 8:35:

Nimms nicht so genau Waldemar, grins.

25 | Robert schreibt am 14.12.11 13:28:

Analytics benutzen wir bewußt nicht, da es andere ebenfalls kostenlose Tools gibt! G muss nicht alles wissen

26 | Trabbi schreibt am 15.12.11 19:03:

Bleibt die Frage offen, ob dies nach deutschem Recht ausreicht?
Aber sicherlich Madonna, dass wird ausreichen, da bin ich sicher.

27 | Zauberer schreibt am 22.12.11 6:43:

Es gibt doch Piwik als Alternative. Wie sieht es hier mit der Belehrung im Impressum aus ? Es gibt ein Addon um IPs zu verkrypten. Reicht das aus ? Oder muss auch hier etwas im Impressum stehen ?

Wir haben G*A* sicherheistshalber rausgeschmissen von unserer Website. Außerdem wird es vielleicht auch mal was kosten, wie z.B. bei der G*Maps*Api ... war auch erst kostenlos und jetzt will G* Geld für die Nutzung!

Eigentlich kann man doch von jedem User erwarten, dass er gläsern ist, sobald er online ist. Es ist traurig, dass man versucht alles zu regulieren. Statt Geld in Anwälte/ Richter etc. zu investieren, wäre eine vernünftige Aufklärungskampagne (wie Gib Aids keine Chance) hilfreicher. Aber vielleicht möchte man auch keine wirkliche Aufklärung, Unwissenheit hat auch für Staaten/ Regierungen einige Vorteile.

Das problem bei den tools ist oft nicht der datenschutz. die meisten haben weder dass wissen noch die zeit die gesammelten daten professionell auszuwerten und das zukünftige handeln darauf auszurichten. also denke ich, dass dort viel lärm um nichts gemacht wird. die großen sammler (facebook, google etc.) erreicht die regionale gesetzgebung ohnehin nicht und wenn doch, wie will man sie durchsetzen.

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